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Nachtflug - Texte und Töne vor Mitternacht

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verantwortlich: Hubert Brieden

Sendezeit:
montags, 22-23 Uhr

Wiederholung: mittwochs, 15-16 Uhr

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Berufsverbote in den 1970er und 80er Jahren

Der Niedersächsische Landtag stellt sich der Geschichte

Der so genannte Radikalenerlass von 1972 führte in Deutschland zu einer beispiellosen Jagd auf vermeintliche „Verfassungsfeinde“ – LehrerInnen, Lokführer, Briefträger und andere. 3,5 Millionen Menschen wurden durch den Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ bespitzelt und überprüft. Es gab 11 000 Berufsverbotsverfahren, etwa 1500 Menschen verloren durch Berufsverbote ihre materielle Existenz. Das bereits im Vorfeld durch Geheimdienstexperten diskutierte Ziel: die politische Einschüchterung der Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes. Nun will sich der Niedersächsische Landtag diesem düsteren Kapitel der Geschichte stellen …

Radiofeature von Cornelia Booß-Ziegling, Hubert Brieden, Rolf Günther, Matthias Wietzer

 

Gewidmet ist das Feature dem schwer verletzten Hildesheimer Pädagogen und vom Berufsverbot betroffenen Udo Paulus.


Montag, 29.9.2014, 19 Uhr (Magazin International) und 22 Uhr (Nachtflug)

Wiederholungen: Mittwoch, 1.10.2014, 11 und 15 Uhr

Freitag, 3. Oktober 2014, 21-22 Uhr, livestream

Ab Dienstag, den 30.9.2014 auch als Podcast nachhörbar


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Vor 100 Jahren: Ausbruch des Ersten Weltkrieges …

… und hannoversche „Helden“verehrung

Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, wie der Historiker George F. Kennan schrieb. Der Krieg war jahrelang vorbreitet worden und Deutschland trug eine wesentliche Verantwortung für diesen ersten industrialisierten Krieg, in den die gesamte Bevölkerung einbezogen wurde. Radio Flora befasst sich in Sondersendungen

- mit des Ursachen des Ersten Weltkrieges,

- den aktuellen Diskussionen zur Verantwortung der deutschen Eliten für diesen Krieg,

- und mit dem Hannoverschen Heldenkult um Otto von Emmich, verantwortlich für schwere Verbrechen gegen die belgische Zivilbevölkerung gleich in den ersten Kriegstagen.

Otto von Emmich, verantwortlich für Massaker an der belgischen Zivilbevölkerung im August 1914, wurde in Hannover als „Held von Lüttich“ hoch verehrt. Emmich ist hannoverscher „Ehrenbürger“ und erhielt ein „Ehrengrab“ auf dem Friedhof Engesohde, ein Platz und eine Kaserne tragen seinen Namen. Die Kriegsverbrechen von Soldaten des hannoverschen X. Armeekorps in Belgien wurden in der regionalen Militärgeschichtsschreibung „vergessen“.

Podcast zum Nachhören und Herunterladen:

http://www.radioflora.de/contao/index.php/Beitrag/items/der-erste-weltkrieg-urkatastrophe-des-20-jahrhunderts-ein-radioessay.html

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Hubert Brieden


Kommentar zur Presseberichterstattung der hannoverschen Monopolmedien rund um das Sommerbiwak 2012 und den Brandanschlag auf Bundeswehrfahrzeuge, Erstsendung 2.7.2012

 

„So was erlebt ein Journalist so oft nun auch nicht:“, schimpft Mirjana Cvjetkovic, die für die „Neue Presse“ tätig ist. (Zur Erklärung für Auswärtige: Bei dieser Tageszeitung handelt es sich um eine Art Bild-Zeitungsverschnitt des Madsack-Konzerns, der auch die Hannoversche Allgemeine Zeitung, HAZ, herausgibt.) Und weiter zetert es: „Da wird man zu einer Pressekonferenz eingeladen und keine Viertelstunde später stehen Medienvertreter, die ja über das Anliegen der Einladenden berichten wollen, in der Kritik der Veranstalter.“ (NP 27.6.2012) Diesen für die NP-Schreiberin unglaublichen Vorgang – nämlich dass Kritik an Journalisten geübt wurde – erlebte sie auf einer Pressekonferenz des „Antimilitaristischen Aktionskreises Region Hannover“ (AMAK), einem spektrenübergreifenden Bündnis von Friedens- und Antikriegsgruppen. „Auslöser“, fährt die Aufgebrachte in ihrem Kommentar fort, sei „eine einfache wie legitime Frage“ gewesen: „Was halten die AMAK-Aktivisten eigentlich von dem Brandanschlag auf den Bundeswehr-Fuhrpark Anfang des Monats?“ Gerade schrieb sie noch, die Medienvertreter seien gekommen, um über „das Anliegen der Einladenden“ zu berichten und gleich darauf macht sie deutlich, dass sie eigentlich über die AMAK-Planungen zu der Demonstration gegen das Sommerbiwak gar nichts wissen will, sondern über eine Aktion reden möchte, die mit AMAK gar nichts zu tun hat. Der Widerspruch in ihrem eigenen Text scheint ihr nicht aufzufallen. Vielleicht stellt sie sich auch nur dumm oder ist vergesslich. Denn auf der Pressekonferenz machte gerade die NP-Frau recht rüde deutlich, dass sie an den über das Biwak hinausgehenden Aktivitäten von AMAK kaum interessiert sei, sie habe keine Zeit und wolle nun endlich zum Thema kommen, blaffte sie los.
Stellen sich zwei Fragen: Warum besucht sie eine Pressekonferenz, für deren Thema sie nur mäßiges Interesse aufbringt? Und: Warum geht sie dorthin, wenn sie keine Zeit hat?
Die Antwort ist einfach: Ihr und den anderen PresservertreterInnen ging es einzig und allein um ein kurzes Statement zu dem hannoverschen Brandanschlag. Einer der Madsack-Journalisten hatte das gleich bei Betreten des Raumes deutlich gemacht, als er nach den „Leuten von der Kornstraße“ fragte – offensichtlich enttäuscht darüber, dass statt der vermeintlichen Autonomen nur VertreterInnen von ATTAC, dem Friedensbüro und dem Arbeitskreises Regionalgeschichte anwesend waren. Die anfängliche Enttäuschung legte sich dann bald, als sie mit der Kritik an der verleumderischen Berichterstattung der Madsack-Medien konfrontiert wurden. Langweilig war es jedenfalls nicht und diese Pressekonferenz wird ihnen in Erinnerung bleiben.
Was wurde kritisiert?
 
1. die Verfälschung eines AMAK-Zitates durch Weglassen eines darin enthaltenen Datums,
2. die Übernahme von Zitaten aus einem Verfassungsschutzbericht, ohne diese auf ihre Korrektheit zu überprüfen,
3. die Zuordnung des zeitlich neutralisierten Zitats aus dem Jahr 2011 zum Brandanschlag im Jahr 2012,
4. die grafische Gestaltung der Zeitungsseite, mit der die Zuordnung des manipulierten Zitats zum Brandanschlag auch optisch umgesetzt wurde.
 
Es ging nicht nur um die Verletzung journalistischer Sorgfaltspflicht, sondern auch um den Vorwurf von Fälschung und Manipulation. Der HAZ-Vertreter beteuerte, es sei doch richtig zitiert worden, nämlich aus dem Verfassungsschutzbericht, den er offensichtlich für eine Art Bibel hält – absolut wahrhaftig und unhinterfragbar. Auf die Idee, dass im Verfassungsschutzbericht falsch oder unvollständig zitiert werden könnte, ist er bis zu dieser Pressekonferenz anscheinend noch nicht gekommen. Warum in der HAZ auch noch das Datum des fraglichen Verfassungsschutzberichtes weggelassen wurde, das deutlich gemacht hätte, dass das AMAK-Zitat mit dem Brandanschlag in keinem Zusammenhang steht, konnte er nicht erklären.
Auf der Pressekonferenz ging es aber nicht nur um Manipulationen, sondern auch um die Einschätzung des Brandanschlages.
Die Madsack-Medien behaupten, bei dem Brandanschlag handele es sich um eine neue Anschlagsqualität. In den letzten Jahren gab es jedoch eine Reihe von Anschlägen auf Bundeswehrfahrzeuge oder auf Fahrzeuge von Unternehmen, die mit der Bundeswehr kooperieren. In der HAZ selber wurde immerhin an die Anschläge auf Einrichtungen der Bahn erinnert, die ebenfalls mit dem Kriegseinsätzen der Bundeswehr zu tun hatten, und an den Anschlag auf den Rosenpavillon in Hannover. Auf die Frage, worin denn nun angesichts dieser Anschlagsserie die neue Qualität bestünde, antwortete der HAZ-Vertreter: in der Höhe des Schadens von 600 000 Euro. Ein wenig überzeugendes Argument. Die durch die Anschläge auf die Bahn verursachten Schäden und Folgeschäden (durch Zugausfälle, Verspätungen etc) sind sicherlich höher gewesen und die durch die übrigen Anschläge auf Bundeswehrfahrzeuge verursachten Schäden lagen auch nicht wesentlich unter der hannoverschen Schadensbilanz. Menschen wurden beim Brandanschlag von Hannover nicht verletzt. Die Behauptung von einer neuen Anschlagsqualität hält also offensichtlich den Tatsachen nicht stand. Warum wird sie dennoch aufrechterhalten und aggressiv verteidigt, wie etwa von der Kommentatorin der Neuen Presse?
Die Boulevardmedien leben von der Übertreibung, der Skandalisierung, der Simplifizierung und der Personalisierung von Sachfragen. Jedes durchschnittliche Sommergewitter oder der erste Schneefall im Dezember wird zur Horrormeldung hochgeschrieben. Daneben gibt es Prominentengelaber, Sportnachrichten und andere Banalitäten. Mit gründlich recherchierten Artikeln, mit Fakten können diese Zeitungen kaum aufwarten und die meisten JournalistInnen haben entweder keine Zeit zu recherchieren oder sie sind dazu fachlich nicht mehr in der Lage. Um Zeitungen zu verkaufen, muss also alles zum gigantischen Sonderfall aufgebauscht werden, zum Riesenskandal, zur Katastrophe ... und es müssen Schuldige gefunden werden, Sündenböcke, die verantwortlich gemacht werden können. Die Journaille bläst zur Hatz … An anderer Stelle wurde diese Art des Journalismus treffend als „Meutenjournalismus“ bezeichnet.
Durch die zunehmende Boulevardisierung verlieren die Zeitungen – und nicht nur die – immer mehr ihre Bedeutung als Nachrichten- und Informationsmedien. Alles versinkt in einem Sumpf von Beliebigkeit, Geschwätz und Werbung.
 
Während der Pressekonferenz fragten die Madsack-JournalistInnen, welche Auflagen die Polizei für die Demonstration und Kundgebung vom AMAK denn erlassen habe. Die Antwort: Die gleichen wie immer. Spätestens an dieser Stelle hätte ihnen deutlich werden müssen, dass die Polizei AMAK nicht mit dem Anschlag in Verbindung bringt und das diesjährige Gefahrenpotential rund um die AMAK-Demonstration nicht höher einschätzt als in den Jahren zuvor. Die Demonstration verlief denn auch ohne irgendwelche Probleme. Selbst eine Vertreterin des Verfassungsschutzes hatte unmittelbar nach dem Brandanschlag davor gewarnt, voreilige Schlüsse zu ziehen.
Es geht den Madsack-Medien nicht mehr um Information, sondern um Stimmungsmache. Menschen sollen eingeschüchtert und davon abzuhalten werden, an antimilitaristischen Demonstrationen überhaupt noch teilzunehmen. Der Widerstand gegen die Kriege der Bundeswehr soll generell illegalisiert, die Friedens- und Antikriegsbewegung soll gespalten werden.
Von Fakten weitgehend unbeeindruckt, wird in den hannoverschen Tageszeitungen wild drauflos spekuliert. Hatte bereits ein Schreiber der HAZ die Rote Armee Fraktion wieder auferstehen sehen, präsentiert Mirjana Cvjetkovic jetzt eine originelle neue Indizidee für die Verbindung von AMAK und Brandanschlag: AMAK habe nämlich seine Aufkleber und Plakate in der Farbe Magenta gedruckt und …. „Die Brandsätze waren in magentafarbenen Kisten verpackt.“ Und wie üblich wird der „Beweis“ per Layout gebracht: Fotos des Brandanschlages, eines AMAK-Plakates und einer roten Kiste werden nebeneinander montiert. Realsatire? Es scheint so. Selbst auf den Fotos der Neuen Presse ist erkennbar, dass die AMAK-Aufkleber in Rosa gedruckt sind und einen anderen Farbton aufweisen als die Pappkartons. Politische Blindheit paart sich da mit Farbenblindheit Ein hoffnungsloser Fall. Und hätten die Rosa- und Rottöne mit einem guten Fotobearbeitungsprogramm nicht noch angeglichen werden können? Da kann noch nachgebessert werden.

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