Afrin – Überfall der Türkei in die kurdische Provinz in Nordsyrien

Axel Kleinecke

Seit dem letzten Wochenende läuft unter dem Namen „Olivenzweig“ eine
völkerrechtswidrige Militäraktion der Türkei gegen Afrin, die westliche der drei kurdischen
Provinzen in Nordsyrien. Nach Artilleriebeschuss und massivem Bombardement haben
türkische Truppen mit schwerem Gerät am letzten Sonntag die syrische Nordgrenze in
Richtung der Stadt Afrin mit dem Ziel überquert, dieses vorwiegend von Kurden besiedelte
Gebiet unter türkische Kontrolle zu bringen. Was sind die Gründe Erdogans für diesen
Überfall?
Schon vor der Befreiung von Kobane aus den Händen des IS durch kurdische Kämpfer und
Kämpferinnen der YPG und YPJ hatte sich in Nordsyrien nach dem Rückzug von Assads
Verwaltung aus diesen multiethnischen Gebieten unter kurdischer Führung eine friedliche
autonome basisdemokratische Selbstverwaltung entwickelt, die sich bis heute erfolgreich
erweitert und stabilisiert hat. Bekannt geworden ist dieses von Öcalan, dem Führer der
kurdischen Arbeiterpartei PKK entwickelte revolutionäre Gesellschaftsmodell unter dem
Namen „Rojava“. Dieses auf Freiheit, Gleichheit und Frauenemanzipation in den
verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Religionen in den nordsyrischen Gebieten basierende
friedliche Miteinander, basisdemokratisch in räteähnlichen Strukturen organisiert, könnte ein
Modell für das ganze multikulturell zerrissene Syrien sein; es wird auch schon in befreiten
Gebieten Aleppos und anderswo verwirklicht.
Für Erdogans neo-osmanische Expansionsträume droht Rojava ebenso zu einem Hindernis zu
werden wie es seinem Bestreben, die Türkei zu entdemokratisieren, diametral gegenübersteht.
Unter Duldung der Großmächte glaubt Erdogan jetzt, diesen störenden Faktor für seine Pläne
vernichten zu können. Die Verteidigungskräfte von Rojava YPG und YPJ, die maßgeblich zum
Sieg über den IS beigetragen haben, sind zwar von großer Kampfkraft und mit modernen
Waffen ausgerüstet, alleine aber der militärischen Übermacht der Türkei auf die Dauer doch
nicht gewachsen. Rojava braucht Unterstützung und Solidarität. Erdogan versucht seinen
Vernichtungskrieg gegen Rojava durch seine auch in unseren Medien geduldete Propaganda zu
rechtfertigen, mit der er die PKK und YPG und YPJ erfolgreich als Terroristen diffamiert. Die
Nato schweigt zu Erdogans Überfall auf Afrin ebenso wie Deutschland und andere europäische
Länder, und die längst fällige Rehabilitierung der PKK ist gegen Erdogans Diktat
Das Gespräch mit Meike Nack von der Frauenstiftung WJAR, die selbst ein Jahr in
Nordsyrien gelebt hat, ermöglicht uns in der Sendung neben einer Einschätzung der Lage
Einblicke in den Alltag von Rojava, viele Einzelheiten über das friedliche, um Ausgleich
bemühte Leben unter der autonomen basisdemokratischen Selbstverwaltung, die jetzt durch
Erdogans Invasion bedroht ist. Es wird auch deutlich, wie wichtig die internationale Solidarität
mit Rojava jetzt ist, und wie notwendig speziell in Deutschland der aktive Widerstand gegen
die Passivität der Bundesregierung und gegen deutsche Waffendeals mit dieser Türkei ist.
Internetseiten zur weiteren Information:
www.heise.de/tp/ www.medico.de https://anfdeutsch.com http://civaka-azad.org



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