Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“( Mai 2026)
erstellt von: Kiumarz Naghipour am: 13.05.2026
Nachricht aus Rojava20260006:
Liebe Freund:innen,
wir melden uns aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.
Rojava ist eine Region in Nordostsyrien, in der 2012 eine sozialistisch-demokratische Revolution ausgerufen wurde. Die Menschen hier organisieren sich nach dem Gesellschafts- und Verwaltungsmodell des Demokratischen Konföderalismus. Dieses Konzept wurde von Abdullah Öcalan, dem Repräsentanten der Freiheitsbewegung in Kurdistan, entwickelt.
Nach diesem Modell organisieren sich die Menschen basisdemokratisch in Räten, Komitees, Kommunen und Frauenstrukturen. Die Befreiung der Frauen ist nach der Philosophie „Jin, Jiyan, Azadî“ eine zentrale Säule einer demokratischen Gesellschaft. Denn erst wenn alle Frauen befreit sind, kann auch die Gesellschaft frei leben.
Gedenken an Malda Kosar
Malda Kosar, Mitglied der Jineologie-Akademie, wurde am 5 Mai 2019 auf dem Weg nach al-Hol vom IS ermordet. Am vierten Jahrestag fand in Heseke eine Gedenkfeier statt, an der Mitglieder, der Jineologie-Akademie und der Organisation „Kongra Star“ teilnahmen.
Nach einer Schweigeminute sprachen die Anwesenden über Maldas Arbeit in der Jineologie. Rozaf Ehmed, Mitglied der Jineologie-Akademie, sprach der Familie und den Angehörigen ihr Beileid aus und sagte:
„Wir gedenken aller Märtyrer:innen der Freiheit, allen voran Malda Kosar. Sie war eine Märtyrerin des Kampfes der Frauen für Freiheit. Obwohl sie noch jung war, setzte sie sich unermüdlich für Frauen ein, die in einer freien Gesellschaft leben wollen. Malda war eine starke Persönlichkeit und engagierte sich täglich für die Sozialwissenschaften. Sie arbeitete aktiv daran, das Bewusstsein für die Freiheit der Frauen zu stärken. Heute folgen wir dem Weg unserer Genossin und werden unseren Kampf und Widerstand verstärken, um ihre Ziele zu verwirklichen.“
Auch Nûda Salih von Kongra Star betonte, dass sich das Konzept der freien Frau durch das Engagement von Malda Kosar und ihren Mitstreiterinnen verbreitet habe:
„Heute ist die Philosophie ‚Jin, Jiyan, Azadî‘ weltweit bekannt. Ein freies und würdiges Leben zu führen ist nicht einfach – wir zahlen einen hohen Preis dafür. Es lebe die freie Frau!“
- Mai – Gedenken an Dersim
Am 4. Mai gedenken viele Menschen in Rojava und weltweit dem Genozid an der alevitisch-kurdischen Bevölkerung in Dersim 1937/38. Zehntausende Menschen wurden getötet oder deportiert. Bis heute fehlt eine umfassende Aufarbeitung und Anerkennung als Genozid.
Überlebende und Nachfahren bezeichnen diesen Tag als „Tertele“ – den Tag, an dem „die Welt unterging“ – oder als „Roza Reş“ (der schwarze Tag).
Bei dem Massaker wurden zwischen 70.000 und 80.000 Menschen getötet, Zehntausende weitere wurden deportiert. Auch damals schwieg die internationale Gemeinschaft und legitimierte damit den Genozid.
Hintergrund war die Homogenisierungs-, Türkisierungs- und Islamisierungspolitik des damaligen Präsidenten Mustafa Kemal Atatürk. Nicht-türkische Bevölkerungsgruppen sollten assimiliert werden, ihre Sprachen und Identitäten wurden verboten und bis heute unterdrückt.
Gegen diese Politik formierte sich 1937 ein Aufstand unter der Führung von Seyit Riza. Der bewaffnete Widerstand wurde unter anderem von Alişer und Zarife organisiert. Frauen spielten dabei eine zentrale Rolle. Gefordert wurden Selbstverwaltung, Reformen und das Recht auf Existenz und Land.
Die Antwort des Staates war militärische Gewalt. Am 4. Mai 1937 wurde die türkische Armee beauftragt, eine „Endlösung“ für das „Dersim-Problem“ umzusetzen – der Beginn des Genozids. Bis heute fehlt eine umfassende Aufklärung und Verantwortungsübernahme durch den türkischen Staat.
Iran
Mit großem Schmerz und tiefer Trauer verfolgen wir die Entwicklungen im Iran. In den letzten Wochen wurden zahlreiche politische Gefangene und Demonstrierende hingerichtet.
Mehrab Abdollahzadeh, ein Demonstrant aus Urmia in Ostkurdistan, wurde am frühen Sonntagmorgen hingerichtet. Die Justiz warf ihm vor, für den Tod eines Basidsch-Mitglieds verantwortlich zu sein.
Auch Mehdi Rassouli, Mohammad Reza Miri und Ebrahim Dolatabadi wurden im Zusammenhang mit den Protesten exekutiert. Laut offiziellen Angaben wurden ihnen Spionage für Israel und Zusammenarbeit mit Geheimdiensten vorgeworfen.
In den vergangenen zweieinhalb Monaten wurden mindestens 25 politische Gefangene hingerichtet, viele weitere sind von der Todesstrafe bedroht – darunter auch kurdische politische Gefangene.
Die Liste der Hinrichtungen wächst täglich. Wir werden dies nicht schweigend hinnehmen.
Die Friedensmütter in Rojhilat fordern ein sofortiges Ende der Hinrichtungen politischer Gefangener. Auch die PJAK unterstützt diesen Aufruf und ruft zu internationalem Druck und gemeinsamer Mobilisierung auf.
Neue Wassertanks in Qamischlo
In Qamischlo wird ein zusätzlicher Wassertank gebaut, um die Versorgung zu sichern und Ausfälle abzufedern. Die Wasserinfrastruktur wird mit Unterstützung von UNICEF ausgebaut.
Durch die zusätzliche Speicherkapazität sollen künftig Wasserreserven angelegt und eine Notfallversorgung sichergestellt werden.
Die Wasserknappheit ist unter anderem Folge der Politik der Türkei, die seit Jahren Wasser als Druckmittel einsetzt, indem sie Flüsse reguliert und Wasser zurückhält.
Die Folgen sind Ernteausfälle, erschöpfte Brunnen, zunehmende Krankheitsausbreitung und ökologische Schäden. Zudem wurden in den vergangenen Jahren wiederholt Wasserwerke bombardiert, wie etwa die Anlage in Alok, was zur Vertreibung von Menschen führte.
Steigende Brotpreise in Cizîrê
In Qamischlo und Hesekê steigen die Brotpreise deutlich. In der Region Cizîrê erhöhen sie sich von 4000 auf 5500 syrische Lira.
Grund dafür sind gestiegene Produktionskosten, insbesondere durch den Anstieg der Dieselpreise von 15 auf 55 US-Cent pro Liter. Auch Wechselkursschwankungen wirken sich auf die Kosten aus. Die Preisanpassung wurde von den Bäckereibetrieben gefordert.
YPJ-Demonstration
Am Mittwoch fand in Qamischlo ein großer Solidaritätsmarsch mit der YPJ statt. Hunderte Menschen versammelten sich auf den Straßen, trugen YPJ-Fahnen und Blumensymbole.
Gemeinsam riefen sie: „We are all YPJ.“
Die Gemeinschaft der Frauen Kurdistans (KJK) unterstützt die Kampagne „Wir sind alle YPJ“ und fordert die Anerkennung der Frauenverteidigungseinheiten. Die Ablehnung ihres Status durch Damaskus wird als ideologischer Angriff auf Frauenrechte bewertet.
Mit revolutionären Grüßen aus Rojava