Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“(aktuallisiert am 21. August 2026)
erstellt von: Kiumarz Naghipour am: 25.08.2026
Nachricht aus Rojava, aktuallisiert am 21.August:
Liebe Freundinnen und Freunde,
Festival der Rückkehr zur Kultur der Mütter
Mütter sind seit Jahrtausenden Entwicklerinnen und Bewahrerinnen gesellschaftlicher Kultur und Traditionen. In Kobanê haben hunderte Frauen sowie Vertreterinnen regionaler Institutionen und Organisationen das „Festival der Rückkehr zur Kultur der Mütter” gefeiert. Damit wollten sie deutlich machen, wie wichtig es ist, dass Frauen und die Gesellschaft insgesamt in dem aktuellen Prozess die Kultur der Region lebendig halten und sie vor Angriffen und Ausbeutung schützen.
Die Identität, Kultur und Errungenschaften der Frauen werden massiv angegriffen. Deshalb ist es wichtig, dass Frauen ihre Identität, ihre Arbeit und ihren Kampf auf jede erdenkliche Weise sichtbar machen. Frauen in traditionellen Kleidern stellten Gerichte der Region vor, es wurde von Frauen produziertes Kunsthandwerk ausgestellt und Tanz- und Musikgruppen der Frauenkulturbewegung Hîlala Zerîn präsentierten ihr Können.
Solidarität mit den Frauen Afghanistans!
Kongra Star folgte dem Aufruf afghanischer Frauen, am fünften Jahrestag der erneuten Machtübernahme der Taliban am 15. August weltweite Protest- und Solidaritätsaktionen durchzuführen. In einer Erklärung bekräftigte die Frauenbewegung ihre uneingeschränkte Solidarität mit den Frauen Afghanistans in ihrem Kampf gegen die schwere Unterdrückung durch die Taliban. Anlässlich dieses Jahrestages verurteilte Kongra Star die systematische Missachtung der Rechte von Frauen – darunter das Recht auf Bildung, Erwerbstätigkeit und Teilhabe am öffentlichen Leben sowie das Recht auf Meinungsäußerung – und rief internationale Institutionen und Menschenrechtsgruppen dazu auf, über symbolische Erklärungen hinauszugehen und konkrete Schritte zu unternehmen, um Druck auf die Taliban auszuüben und diese Menschenrechtsverletzungen zu beenden.
Der 15. August und das Vermächtnis des Widerstands
Der 15. August gilt als Meilenstein im kurdischen Widerstandskampf. In verschiedenen Städten Rojavas, darunter Qamishlo, Hasakah, Dêrik, Dirbesiye, Tirbespiye, Girke Lege und Kobani, wurde dieser Tag mit Veranstaltungen und Gedenkfeiern gewürdigt. Überall kamen Einwohner:innen und Vertreter:innen lokaler Institutionen und Organisationen zusammen. Es wurden Reden gehalten und es gab kulturelle und künstlerische Darbietungen sowie traditionelle Tänze. Alle Teilnehmenden betonten, wie wichtig es sei, die Errungenschaften und Werte zu bewahren, die aus dieser Zeit des Kampfes hervorgegangen sind.
Gedenken an 745 Gefallene
In Qamishlo veranstaltete der Rat der Familien von Gefallenen eine Gedenkfeier für 745 in verschiedenen Jahren und an unterschiedlichen Orten ihr Leben verloren habende Gefallene der kurdischen Befreiungsbewegung und aus Rojava. Die Teilnehmenden betonten, dass das Gedenken an die Gefallenen über Veranstaltungen und Bilder hinausgehen müsse. Eine wahre Verbundenheit mit ihrem Opfer bedeute, ihren Weg fortzusetzen und die Werte zu wahren, für die sie ihr Leben gegeben hätten. Auf der Veranstaltung wurden auch die sich wandelnden politischen Umstände im Jahr 2026 sowie die Notwendigkeit thematisiert, die Herausforderungen der aktuellen Phase zu verstehen und sich auf einen neuen Abschnitt des Kampfes vorzubereiten. Während eine Präsentation wichtige Etappen des kurdischen Kampfes Revue passieren ließ – vom Widerstand des 14. Juli und dem Durchbruch des 15. August bis hin zu den Gefallenen der Rojava-Revolution –, entzündeten Mütter der Gefallenen Kerzen vor den Bildern ihrer Kinder.
Das Recht auf Rückkehr nach Serekaniye
Der Gouverneur von Hasaka hat sich mit Vertretern internationaler Organisationen sowie mit Mitgliedern des für die Umsetzung des Abkommens vom 29. Januar zuständigen Komitees getroffen, um die Vorbereitungen für die Rückkehr der Bewohner von Serekaniye zu erörtern.
Zugleich fordern die aus Serekaniye Vertriebenen weiterhin eine sichere, würdevolle und organisierte Rückkehr in ihre Heimat. Die Bewohner des Camps Washokani bestehen nach jahrelanger Vertreibung auf ihrem Recht auf Rückkehr und äußern angesichts der aktuellen Entwicklungen Sorge um die Sicherheit der Rückkehrenden. Sie fordern stärkere Sicherheitsgarantien, eine grundlegende Versorgung, Wiederaufbaumaßnahmen sowie Schritte, die sicherstellen, dass zurückkehrende Familien gefahrlos und in Würde in ihren Häusern leben können.
Damit senden wir euch revolutionäre Grüße aus Rojava
Nachricht aus Rojava, aktuallisiert am 06.August:
Liebe Freund:innen,
Die Zukunft der Frauenschutz-Einheiten (YPJ)
Im Rahmen des Dialogs mit der syrischen Übergangsregierung werden die Diskussionen über die Zukunft der Frauenschutz-Einheiten (YPJ) fortgesetzt, wobei Vorschläge vorliegen, die Einheiten als eigenständige Anti-Terror-Einheit in das Innenministerium zu integrieren. Frauenorganisationen und Aktivistinnen haben betont, dass jede künftige Regelung den Willen der Frauen und ihre Erfahrungen in der Selbstverteidigung anerkennen und gleichzeitig den rechtlichen und organisatorischen Status der YPJ sichern muss, den diese durch jahrelangen Kampf als wesentliche Kraft zum Schutz der Gesellschaft und zum Aufbau eines demokratischen Syriens errungen hat.
Frauen, die Verfassung und die Gestaltung der Zukunft Syriens
Das Syrische Frauenforum zum Aufbau der Zukunft erörterte in dieser Woche Wege zur Stärkung der Rolle der Frauen bei der Ausarbeitung der neuen Verfassung, der Festigung des zivilen Friedens und dem Aufbau eines demokratischen Syriens auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Die Teilnehmerinnen des Forums betonten, dass der Schutz der Frauenrechte die Gewährleistung ihrer wirksamen Vertretung in Entscheidungsgremien, die Verankerung verfassungsrechtlicher und gesetzlicher Garantien für Gleichberechtigung, die Stärkung der Rolle von Frauen bei der Friedenskonsolidierung, die Bewahrung der kulturellen Vielfalt Syriens sowie die Anerkennung der Erfahrungen von Frauen in Nord- und Ostsyrien als Vorbild für die politische und gesellschaftliche Teilhabe von Frauen erfordert.
Gerechtigkeit für Kämpferinnen und der Schutz ihrer Rechte
Der Frauenrat der Partei der Demokratischen Union (PYD) verurteilte die gegen die 2019 von der Dschihadistenmiliz „Ahrar al-Sham“ gefangen genommene und in die Türkei verschleppte YPJ-Kämpferin Çiçek Kobanê verhängte lebenslange Haftstrafe. Sie bezeichnete Verschleppung und Verurteilung als Verstoß gegen das Völkerrecht und als Angriff auf Frauen, die ihre Gemeinschaften gegen den IS verteidigt haben. Die Türkei hat das bereits 2021 verhängte Urteil nach einem jahrelangen Revisionsprozess am 24.07. bestätigt.
Der Frauenrat forderte in ihrere Erklärung internationale Maßnahmen, um Gerechtigkeit zu gewährleisten, die Rechte der Inhaftierten zu schützen und die für solche Verstöße Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Der zwölfte Jahrestag des Völkermords von Sinjar
Anlässlich des zwölften Jahrestags des Völkermords von Sinjar haben viele politische und gesellschaftliche Akteure der Region den Jahrestag genutzt um erneut ihre Solidarität mit auszudrücken und die Forderungen nach der internationalen Anerkennung des an der jesidischen Gemeinschaft begangenen Völkermords, nach der Rechenschaftspflicht der Verantwortlichen und nach Aufklärung über das Schicksal der vermissten Frauen und Kinder bestärkt. Sie betonten zudem die Notwendigkeit, die jesidische Gemeinschaft zu schützen und die sichere und würdige Rückkehr der Bevölkerung von Sinjar zu gewährleisten. Sie hoben hervor, dass die Verhinderung einer Wiederholung solcher Gräueltaten und damfür eine Stärkung der Selbstverteidigungsmechanismen der Gemeinschaft sowie die Anerkennung der Rolle der Frauenschutz-Einheiten (YPJ) bei der Rettung Tausender Zivilisten und der Verteidigung von Frauen während der ISIS-Angriffe notwendig sind. Sie sind grundlegende Garantie gegen künftige Völkermorde, die sich gegen Frauen und ethnische oder religiöse Gemeinschaften richten.
Weizen – Zentrum der Landwirtschaft Kultur und Tradion in Rojava
Wichtig für Rojava und die Region Cizire ist der Weizen. Als Teil des fruchtbaren Halbmondes Mesopotamiens ist die Landwirtschaft und Produktion von Weizen eine jahrtausende alte Tradition in der Region, die bis heute großen Einfluss auf das Leben der Menschen hat. Die Ernte ist vorbei und traditionell kommt die Bevölkerung in den Dörfern und Stadvierteln zusammen und gekochter Weizen wird verteilt. In diesem Jahr fand mit dem Ziel die Geschichte und Kultur der Landwirtschaft und insbesondere des Weizens in der Region sichtbar zu machen und zu schützen, das erste Weizenfest in der Region Cizire in Qamishlo statt. Auf dem Festival wurde traditionelles Essen ebenso wie alte Werkzeuge der Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion vorgestellt.
Auch viele Frauenorganisationen und Strukturen wie Jinwar und die Stiftung der Freien Frauen waren Vorort und haben Handarbeiten, selbstgemachte Lebensmittel rund um das Thema Weizen präsentiert. Sie nutzten die Gelegenheit die Bedeutung von Frauen für die Landwirtschaftliche Kultur zu verdeutlichen, ihre Projekte vorzustellen und Produkte zu verkaufen um damit ihre Projekte finanzieren zu können.
Damit senden wir euch revolutionäre Grüßen aus Rojava