Bericht aus Rojava von „Women Defend Rojava“ Aktuallisierung am 02. Februar 2026
erstellt von: Kiumarz Naghipour am: 01.02.2026
Aktuallisierung am 02.Februar 2026:
Wir melden uns mit einem täglichen Update aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution, wo die Menschlichkeit gerade verteidigt wird.
Zunächst möchte ich über die laufenden Entwicklungen des Abkommens zwischen der Syrischen Übergangsregierung und der Autonomen Selbstverwaltung berichten.
Das Abkommen beinhaltet einen Waffenstillstand und die Integration der Selbstverwaltung in die staatlichen Strukturen und ist heute offiziell in Kraft getreten. Ziel ist es, einen weiteren blutigen Krieg zu verhindern und die Errungenschaften der Revolution im Staat zu sichern.
Die Frauen hier bestehen weiterhin auf dem System der Ko-Vorsitzenden und darauf, dass die YPJ eine autonome militärische Kraft bleibt. Dies muss im Mittelpunkt unserer Bemühungen stehen, damit die Errungenschaften der Frauenrevolution nicht verloren gehen.
Die Tatsache, dass diese Errungenschaften fehlen und es noch immer keine allgemeine Garantie für Frauenrechte gibt, erfordert weiterhin höchste Wachsamkeit beim Schutz der Errungenschaften der Frauenrevolution und der Sicherstellung ihrer Weiterentwicklung. Heute wurden auch die Kandidaten für wichtige Verwaltungs- und Führungspositionen vorgeschlagen. Wir sehen, dass die Nominierungen ausschließlich Männer betreffen. Dagegen müssen wir weiterhin ankämpfen. Ebenso wie wir weiterhin auf dem System des Ko-Vorsitzes bestehen.
Heute fanden in Haseke Verhandlungen statt, und für morgen sind weitere Gespräche in Qamishli geplant.
Ziel ist es, konkrete Schritte für die institutionelle Zusammenarbeit zu entwickeln, insbesondere hinsichtlich der Ernennung von Verwaltungs- und Sicherheitspersonal in den kurdischen Gebieten, wie ich bereits erwähnt habe.
Um die Sicherheit der Gesellschaft zu gewährleisten, wenn die Einheiten des syrischen Innenministeriums in die überwiegend kurdischen Städte einreisen, hat die Asaij, die lokale Sicherheitskräfte, eine Ausgangssperre verhängt.
In der Gesellschaft herrscht eine allgemeine Stimmung der Verwirrung und Unsicherheit darüber, wie sich die Dinge entwickeln werden.
Die meisten Menschen antworten auf die Frage nach ihrer Meinung zu dem Abkommen etwa so:
„Ich weiß nicht, wir werden sehen, aber wir sind bereit, unsere Werte und Errungenschaften notfalls zu verteidigen.“
Vor allem die Frauen machen ihre Haltung in diesen Tagen durch Demonstrationen und öffentliche Erklärungen deutlich:
„Wir sagen der Welt, dass wir Kurden uns niemals unterwerfen werden; wir werden immer Widerstand leisten. Unser Motto lautet: ‚Berxwedan jiyane‘“, sagt Şukriye Osman bei einer Demonstration in Qamishli.
Der vereinbarte Truppenabzug von der Frontlinie hat bisher nur teilweise stattgefunden. Am wichtigsten ist jedoch, dass die Belagerung von Kobani nun schon 14 Tage andauert. Vierzehn Tage ohne Lebensmittel, Medikamente und Heizöl und mit wiederholten Strom- und Internetausfällen. Während der Hunger in Kobani unerträglich wird, sitzen direkt jenseits der Grenze in der Türkei 25 dringend benötigte Hilfstransporter fest und werden seit vier Tagen vom türkischen Militär daran gehindert, Kobani zu erreichen.
Neben den Transportern hat sich eine Mahnwache gebildet, um gegen die Menschenrechtsverletzungen an den 600.000 Menschen zu protestieren, die in Kobani belagert werden.
Die Türkei schweigt in den letzten Tagen weitgehend, obwohl das Waffenstillstandsabkommen auch die Rückkehr der Bevölkerung in ihre seit Jahren türkisch besetzten Heimatregionen wie Afrin und Serekanye vorsieht.
Türkische schwere Waffen sind weiterhin an der Grenze stationiert und bereit für eine militärische Invasion in Rojava. Dies setzt den Verhandlungsprozess unter Druck.
Der organisierte Widerstand geht unvermindert weiter. Ich möchte ein Zitat der 62-jährigen Mutter Zerîfa teilen, die dem Volksverteidigungsposten in Kobani angehört und Tag und Nacht im Schichtdienst für die Sicherheit und Verteidigung ihrer Gemeinde sorgt:
„Wir haben genug Tränen von Müttern gesehen. Jetzt stehen wir unseren Kindern bei und leisten Widerstand – bis zur letzten Kraft, bei Schnee, Regen und Kälte.“
Gestern fanden in ganz Kurdistan und weltweit Demonstrationen und Aktionen im Rahmen des Abschlusses der globalen Aktionswoche für Rojava statt. Die Demonstranten forderten: „Ein sofortiges Ende der Militärangriffe der syrischen Übergangsregierung und ihrer Milizen, die Aufhebung der Belagerung von Kobanê und die politische und rechtliche Anerkennung der Demokratischen Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens (DAANES).“
Besonders bewegend waren die Demonstrationen in Shengal und Camp Maxmur, die ihre Solidarität zum Ausdruck brachten und deutlich machten: Angriffe auf die kurdische Gesellschaft in Rojava sind auch Angriffe auf die kurdische Gesellschaft in Sindschar und Machmur.
Ich möchte auch etwas zur gewalttätigen Lage in Ostkurdistan und im Iran sagen. Aufgrund der Internetblockade gelangen kaum Informationen nach außen.
Die Menschenrechtsorganisation HRNA hat nun neue Zahlen zu den Toten und Verhafteten der jüngsten Proteste seit dem 28. Dezember veröffentlicht: Laut ihren Angaben wurden fast 7.000 Demonstranten ermordet und fast 50.000 bei Angriffen der iranischen Streitkräfte verhaftet. 146 der Ermordeten waren Kinder unter 18 Jahren.
Wir können davon ausgehen, dass trotz dieser enormen Repression der Widerstand weitergeht.
Gleichzeitig droht US-Präsident Trump wiederholt mit einer militärischen Invasion im Iran und legitimiert dies mit seinem Krieg gegen den Terror und der Vernichtung von Atomwaffen.
Das hat Geschichte: Im Irak legitimierten die USA 2003 ihre mörderische Militärinvasion ebenfalls mit Atomwaffen, deren Existenz später widerlegt wurde, und mit einem Kampf gegen den Terrorismus, der durch den Krieg eher gestärkt als geschwächt wurde.
Während die EU das iranische Regime nun als terroristisches Regime eingestuft hat, beschuldigt das iranische Regime alle europäischen Armeen, Terroristen zu sein.
Während sich die Mächte gegenseitig bekämpfen, erhebt sich die Gesellschaft und fordert eine wirklich demokratische Alternative, nicht die westliche Lüge, die dem Nahen Osten nur noch mehr Instabilität gebracht hat, und vor allem die Befreiung der Frauen.
Wir stehen den Demonstranten im Iran zur Seite und wollen uns klar gegen alle Formen des Terrorismus aussprechen, sei es vom iranischen Regime oder von den westlichen Staaten.
Abschließend möchte ich Ihnen eine Botschaft eines YPG-Kämpfers vorlesen, der sich aus Kobani an die Welt wendet:
„Wir sind wieder an der Front und verteidigen Kobani gegen dieselbe Ideologie, gegen die wir vor über zehn Jahren gekämpft haben.“
„Die Uniformen sind neu, die Bärte kürzer, aber die Ideologie ist dieselbe.“
„Wir kämpfen für die Kinder von morgen. Für Hoffnung. Für Gerechtigkeit, bis zum letzten Atemzug. Mehr kann ich nicht sagen. Aber ich wende mich an alle Menschen auf der ganzen Welt, die dies sehen: Schaut nicht weg. Ihr seid diejenigen, die die Welt verändern können. Jeder Mensch kann etwas bewirken. Jeder einzelne Mensch kann etwas bewirken. Schließt euch uns an. Überwindet Mauern, Grenzen, Barrieren – sie sind nicht real. Sie sind ein Mythos. Schließt euch dem Kampf für Gerechtigkeit an, mit Ehre und Stolz.“
Mit diesen Worten,
revolutionäre Grüße aus Rojava,
2. Februar 2026
Aktuallisierung am 01.Februar 2026:
Liebe Freund*innen, ich möchte dieses tägliche Update mit einem Bericht über Kobani beginnen. Die Stadt ist weiterhin belagert. Schulen, Moscheen, Kindergärten, Hallen und leerstehende Geschäfte, wurden geöffnet, um die Vertriebenen aufzunehmen. Familien haben ihre Häuser geöffnet und beherbergen jeweils vier bis fünf weitere Familien. ANHA schätzt die Zahl der von der Belagerung Betroffenen auf 600.000. Viele von Ihnen sind aus Raqqa und Tabqa, oder Aleppo, sowie dem angegriffenen Umland in die Stadt geflohen. In Kobani sind Treibstoff, Säuglingsmilch und Medikamente ausgegangen. Laut dem Ko-Vorsitzenden der Sozialbehörde sind alle Lebensmittelgeschäfte ausverkauft. Dorfbewohner und Bauern, die fliehen mussten, können ihre Ernte nicht mehr einbringen. Ein humanitärer Korridor muss sofort geöffnet werden! Heute ist der weltweite Solidaritätstag für Rojava. In den meisten Städten Rojavas fanden große Märsche und Demonstrationen statt, sowie auch weltweit gab es Proteste. In Qamislo wurden Bilder von Märtyrern hochgehalten, um an die Opfer im Kampf für ein freies Leben zu erinnern. Vorgestern wurde ein Teil der Karawane, die aus Europa für die Verteidigung Rojavas und der Menschheit nach Kobane losgezogen war, vom türkischen Staat in der Region Riha (Urfa) schikaniert und verhaftet. Sie befinden sich weiterhin in Haft. Unsere Gedanken sind bei unseren Freund*innen, und wir fordern ihre sofortige Freilassung. Die Verhaftungen zeigen einmal mehr die Motive des türkischen Staates, der kein Interesse an einer friedlichen Lösung der Kurdischen Frage und einem friedlichen Zusammenleben der Völker im Mittleren Osten hat. Es ist die Fortsetzung seines Versuchs, die Kurdische Gesellschaft und ihre Verbündeten zu vernichten und zum Schweigen zu bringen. Das gleiche Bild von Menschenrechtsverletzungen zeigt sich bei den Protesten in Bakur, dem türkischen Teil Kurdistans, gegen die Massaker in Rojava. In der nordkurdischen Provinz Mardin kam es zu Massenverhaftungen, darunter auch von Jugendlichen unter 18 Jahren. Die Gefangenen wurden gezwungen, die türkische Flagge zu küssen, mit kaltem Wasser übergossen und anschließend in der Kälte im Freien ausharren gelassen. Menschen wurden bis zu der Zufügung von Knochenbrüche gefoltert, um an ihre Passwörter zu gelangen. Die Haftbedingungen und die angewandten Foltermethoden erinnern an die Zustände in türkischen Gefängnissen im Jahr 1982, als sich dort eine große Widerstandsbewegung formierte. Wir erinnern an den Widerstand des 14. Juli’ s und die tiefe Überzeugung der Gefangenen, ein Leben in Freiheit zu führen. Was nun in Rojava mit dem neuen Integrationsabkommen geschieht, ist vollständig von unserem Widerstand und der internationalen Solidarität abhängig. Nichts ist in Stein gemeißelt, nur weil ein paar Unterschriften geleistet wurden. Es gilt weiterhin die Errungenschaften der Frauenrevolution zu schützen. Rojava zu verteidigen bedeutet nicht nur, das Land militärisch zu schützen, sondern das zu bewahren, was Rojava für so viele von uns bedeutet: ein Leben in Freiheit für Frauen. Wir müssen mit derselben Entschlossenheit, mit der die Frauenverteidigungseinheiten der YPJ dafür kämpften, den Einmarsch der syrischen Armee in die mehrheitlich kurdischen Städte zu verhindern, auf der unbedingten Notwendigkeit der autonomen Selbstverteidigung von Frauen bestehen. Auch weil die Frauenverteidigungseinheiten im Abkommen bisher unerwähnt bleiben. Wir müssen auf dem System der Ko-Vorsitze bestehen, in dem jede Leitungsposition von einem Mann und einer Frau geteilt wird, damit niemand eine Machtposition innehat, sondern Frauen stets gleichberechtigt an Entscheidungsprozessen beteiligt sind. Wir sehen bereits, wie die arabische Frauenorganisation Zenobia massiven Angriffen ausgesetzt ist und ihre Zukunft ungewiss ist, da ihre Mitglieder nach der Einnahme von Rakka und Tabka durch die STG massiv verfolgt werden. Die Errungenschaften der Frauen wurden stets durch Kampf und Beharrlichkeit errungen. Diesen Geist brauchen wir heute mehr denn je. Women Defend Rojava, ist nicht nur der Name einer Kampagne, sondern die Erklärung jeder Frau, die diese Worte spricht: Die Revolution in Rojava ist für alle Frauen, und wir als Frauen werden sie verteidigen. Women Defend Rojava, ist ein Versprechen. Mit kämpferischen Grüßen, 01. Feb 2026
Aktuallisierung am 31.Januar:
Liebe Freundinnen, Genossinnen und Schwestern,
Wir grüßen euch mit einem weiteren Update aus Rojava. Heute ist Samstag der 31.01. Es ist globaler Aktions Tag im Rahmen der Kampagne „Women Defend Rojava“. Die meisten von euch waren heute bestimmt auf Demonstrationen oder bei Veranstaltungen und Aktionen. Auch wir waren mit den Frauen hier in Rojava auf der Straße. Im Krieg verändert sich die Situation oft von heute auf morgen. Nichts lässt sich planen und vorbereiten. Aber manchmal fallen die Dinge auch genau passend zusammen. So wie heute. Was wäre passender gewesen, als an diesem Tag – ein Tag nach der Bekanntgabe des neuen Abkommend zwischen der SDF und der Syrischen Übergangsregierung – als Frauen auf die Straße zu gehen! Einem Tag, an dem wir einander eines wieder versichern: wir als Frauen, werden unsere Revolution verteidigen.
Seit dem vereinbarten Waffenstillstand können wir sagen, dass die Situation an den Frontlinien mehr oder weniger ruhig erscheint. Doch wir wissen, dass es mit der Syrischen Übergangsregierung keinen wahrhaftigen Frieden gibt. Wenn wir in die anderen Regionen Syriens schauen, sehen wir, dass es kontinuierlich zu Angriffen und Ermordungen kommt.
Dieses Abkommen bedeutet keine Änderung der SDF oder ihrer imperialistischen Unterstützung. Sie wollen nach wie vor die Revolution zerstören. Wenn sie heute zu Zugeständnissen bereit sind, dann nur, weil sie dazu gezwungen sind. Wir vertrauen ihnen nicht, dass sie die Rechte der Frauen schützen, sondern vertrauen vielmehr auf die Fähigkeit der Gesellschaft, sich zu verteidigen.
Was nun geschehen wird, hängt vom anhaltenden Widerstand der Frauen überall auf der Welt ab, die sich dafür einsetzen, dass wir die Errungenschaften dieser Revolution weiterhin verteidigen und sicherstellen, dass dieser Prozess eine demokratische Integration in den Staat und kein Assimilationsprozess ist. Frauenrechte werden in der Vereinbarung nicht erwähnt, ebenso wenig wie die Freilassung unserer YPJ-Kämpferinnen. Anhaltende Solidarität und Widerstand sind unerlässlich, der Kampf geht weiter!
Kein Waffenstillstand mit der HTS, sondern nur die eigene Stärke, kann eine Garantie für Sicherheit sein. Selbstverteidigung hat viele Gesichter. Das haben wir in den letzten Wochen beeindruckend gesehen. Es gibt die militärischen Kräfte, die SDF, aber mindestens genau so wichtig ist der unglaubliche Druck, den Millionen Kurd:innen und solidarische Menschen an ihrer Seite auf den Straßen Kurdistans und der Welt in den letzten Wochen ausgeübt haben. Es gibt die politischen Kräfte, diplomatische Anstrengungen, aber sie ziehen ihre Kraft aus dem Rückhalt der Bevölkerung. Die Gesellschaft hier in Rojava beweist wieder einmal, dass die stärkste Selbstverteidigung Organisierung ist. Eine organisierte Gesellschaft, die sich ihrer selbst bewusst ist, die demokratische Werte hat und sie mit Selbstvertrauen und Entschlossenheit verteidigt, lässt sich nicht unterdrücken. Und mit dieser Klarheit sieht sie auch der kommenden Zeit entgegen.
Der Krieg ist nicht vorbei. Vielleicht nimmt der militärische Krieg an Intensität ab, doch wir haben auch schon in den letzten Wochen gesehen, dass dieser Krieg mindestens genau so aktiv in den Medien und mit allen Mitteln der Speziellen Kriegführung geführt wird. Es ist ein Krieg um Informationen, um die Deutungshoheit, um unsere Köpfe, Herzen, unsere Moral. Auch wenn unsere Körper keine Kugeln treffen, spüren wir die Einschläge der Falschinformationen, die dazu da sind, uns zum Aufgeben zu bringen, bevor wir überhaupt zu kämpfen beginnen. In diesem Sinne ist es besonders wichtig jetzt und immer genau hinzuschauen. Die Selbstverwaltung in Rojava lebt, die Frauenrevolution lebt und wird sich durch keine Integration zersetzen lassen. Wir müssen uns bewusst sein über den dritten Weltkrieg, in dessen Chaos wir leben. Der Kapitalismus, das nationalstaatliche System und die patriarchale Mentalität haben die Welt in eine tiefe Krise gefahren und die Reaktion der herrschenden Mächte darauf ist immer mehr Gewalt, mehr Repression, mehr Krieg. Das sehen wir im Mittleren Osten, in Europa, in Abya Yala, in Asien, in den USA. Um unsere Gesellschaften, das Leben auf dieser Erde vor dieser großen Zerstörungswut zu schützen, brauchen wir viele Methoden im Kampf. Wir brauchen Selbstverteidigung in allen ihren Formen.
Vor fast zwei Wochen hat Mazloum Abdi als Oberkommandant der SDF den Integrationsplan der Syrischen Übergangsregierung entschieden abgelehnt. Dieses Abkommen, hätte das Sterbenlassen der Revolution bedeutet. Stattdessen hat sich die Bevölkerung entschieden ein weiteres Mal Widerstand zu leisten. Durch diesen Widerstand wurde der nötige Druck erzeugt, um ein neues Abkommen zu erwirken, dass den zentralen Forderungen der Selbstverwaltung nachkommt. Die SDF bleiben bestehen und werden offiziell als Divisionen in das Syrische Militär eingegliedert, nicht als einzelne Personen. Keine Streitkräfte der HTS werden die kurdischen Dörfer und Städte betreten. Einheiten der Sicherheitskräfte des Syrischen Innenministeriums werden auf Basen in Heseke und Qamischlo kommen, um die Integration weiter umzusetzen und im Anschluss die Städte wieder verlassen. Das Abkommen umfasst viele Punkte und weitere werden in der nächsten Zeit noch verhandelt werden müssen. Außerdem bleibt unklar wie lange sich von seiten der Regierung an die Abmachungen gehalten wird. Offiziell garantieren Frankreich und die USA die Umsetzung zu überwachen. Doch wir vertrauen nicht auf imperialistische Maechte, sondern auf die Kraft der organisierten Gesellschaft und der internationalen Solidaritaet.
Eines ist klar: die hegemonialen Mächte, ob regional oder international, haben schon immer, seit dem Beginn der Kurdischen Freiheitsbewegung, seit dem Aufblühen der Rojava Revolution das Interesse jedes Aufbegehren des kurdischen Volkes, jede Allianz der demokratischen Völker und ihre Selbstorganisierung zu verhindern. Und dennoch sind wir heute hier. Und haben einem weiteren Vernichtungsplan mit unserem Widerstand durchkreuzt.
Die syrische Übergangsregierung, unterstützt mit militärischer und finanzieller Hilfe sowie politischer Legitimiation von der Türkei, den USA, der EU, Israel und Großbritannien, konnte nicht in die kurdischen Städte eindringen. HTS und das Bündnis staatlicher Kräfte glaubten, die Frauenrevolution mit einem einzigen Großangriff zerschlagen zu können. Sie irrten sich. Sie wurden zurück an den Verhandlungstisch gezwungen und Frieden wieder auf die Tagesordnung gesetzt.
Nur ein gemeinsamer Kampf, gemeinsamer Widerstand, sichert das Überleben der Frauenrevolution – jedes Mal.
Der Kampf geht weiter. Die nächsten Tage und Wochen brauchen unser aller Wachsamkeit und anhaltenden Druck. Wir wissen, dass wir einer islamistischen Regierung und ihren imperialistischen Partnern gegenüberstehen, die frei von Werten und Menschlichkeit sind. Und gleichzeitig wissen wir, dass hier in Rojava Tausende Frauen leben, die nie wieder akzeptieren werden, versklavt zu werden. Der Widerstand der Frauen ist gerade in dieser Zeit die zentrale rote Linie gegen jede Unterwanderung der Revolution. Wir wissen, dass nichts weiter von einander entfernt sein könnte, als Islamistische, faschistische Phantasien und eine demokratische Frauenrevolution. Gerade deshalb gab es keinen besseren Tag, als heute, um als Frauen zusammen auf die Straße zu gehen.
Wie Rihan Loqo, vom Diplomatie Komitee von Kongra Star es heute in Qamishlo klar ausgesprochen hat: „Dieses System, das sie wollen, in dem sie die Existenz der Frau zu nichte machen, dieses System können sie uns nicht aufzwingen. […] Solande die Rechte, die Existenz, die Geschichte, der Wille von Frauen in diesem System nicht geschützt werden, werden wir nicht ruhen, wir werden nicht abwarten und wir werden dieses System nicht akzeptieren. Wir werden jeden Tag auf den Straßen sein, für unsere Errungenschaften, unsere Existenz, unsere Geschichte, unsere Revolution.“
In diesem Sinne, seid wachsam, bleibt aktiv, der Krieg ist noch nicht vorbei und es liegt noch ein langer Kampf vor uns. Unser Kampf als Frauen hat eine Jahrtausende alte Geschichte und eine noch mindestens so lange Zukunft. Wir werden noch viele Veränderungen sehen, viele Methoden brauchen, aber eines ist klar: unsere Freiheit, unsere Selbstbestimmung, unsere kommunale Organisierung ist unverhandelbar.
Jin, Jiyan, Azadî: