Lesung: Die Feldpostbriefe von Falladas Bruder Ulrich Ditzen 1896–1918
erstellt von: Axel Kleinecke am: 12.02.2026
Lesung: Die Feldpostbriefe von Falladas Bruder Ulrich Ditzen 1896–1918
Ulrich Ditzen, geboren 1896 war der jüngere Bruder von Rudolf Ditzen, der unter dem Pseudonym Hans Fallada als Schriftsteller weltberühmt wurde. Mit 17 Jahren meldete sich Ditzen 1914 freiwillig zum Wehrdienst, er starb 1918 an der Front.
Die Hans-Fallada-Gesellschaft und das Literaturzentrum Neubrandenburg haben im Rahmen ihrer Forschungen über die Familie Falladas die zahlreichen Feldpostbriefe von Ulrich Ditzen als das einzige Vermächtnis, dieses musisch begabten jungen Mannes aus bürgerlichem Hause zusammen-getragen und in Buchform herausgegeben. Unter dem Titel „‘Sonst nichts Neues.‘ Briefe aus dem ersten Weltkrieg von Hans Falladas Bruder Ulrich Ditzen“ zeichnen die Briefe des frisch gebackenen Abiturienten über die Zeit von vier Jahren bis zu seinem Tod ein sehr persönliches Gegenbild zu den anonymen Zahlen und Fakten des Kriegsgeschehens des ersten Weltkrieges. Nicht die Hölle der Materialschlachten, zu denen der junge Ditzen in Nord-frankreich als Kanonier unreflektiert seinen Beitrag leistet, tritt in seinen Berichten in den Vordergrund, sondern ein fast naives persönliches Erleben des Frontlebens in anekdotischer oft amüsanter Erzählweise. Eine schwere eigene Verwundung durch Giftgas bagatellisiert er im Nachhinein. Er hat es ja überlebt. Begegnungen mit Tod und Gewalt bei Kameraden dagegen können ihn sehr erschüttern.
In seinen Briefen spiegelt sich das Leben deutscher Soldaten im Krieg: der tägliche Kampf um Lebensmittel, die Allgegenwart von Tod und Gewalt, die Karrierejagd nach dem ersehnten Kriegsorden, dem „Eisernen Kreuz“. Kommentare zur Feindbildpropaganda wechseln mit Reflexionen über die Männergesellschaft an der Front. Von der anfänglichen Kriegsbegeisterung war bald nur wenig übrig. Träume, Ängste und Hoffnungen eines jungen Menschen und die Sinnfrage das eigene Leben betreffend ziehen sich durch die Briefe und immer wieder die Sehnsucht, nach Hause zu kommen, in den Kreis der Familie.
Dieser Podcast bietet den vollständigen Mittschnitt einer Lesung aus den Feldpostbriefen von Ulrich Ditzen am 5. Februar im Kultursalon des Arbeitskreises Regionalgeschichte in Neustadt (Neustadt-Averhoy. Im Dorn 7) zur Eröffnung der Ausstellung „‘Sonst nichts Neues‘ – Die Feldpostbriefe von Hans Falladas Bruder Ulrich Ditzen“. Es lesen Christian Wintersteinund Hubert Brieden (Arbeitskreis Regionalgeschichte).
Aufnahme und Technik Axel Kleinecke
Ergänzend zu diesem Podcast ist bei Radio Flora ein Podcast mit einem Radiobeitrag zum Ersten Weltkrieg zu hören. Der Titel: „Erster Weltkrieg: ‚Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts'“