Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“

erstellt von: am: 19.03.2026

Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava, aktuallisiert am 30. März:

Liebe Freund:innen, wir melden uns mit aktuellen Nachrichten aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution. In den letzten Tagen war das Thema Kunst und Kultur besonders in der Gesellschaft Rojavas present. Gedenken für die internationalistischen Gefallenen Jedes Jahr findet in Rojava ein Gedenken für die Internationalisten statt, die im Kampf für ein freies Leben und zur Verteidigung der Rojavarevolution gestorben sind. Hunderte von Menschen sind dieses Jahr zusammen gekommen, um sich gemeinsam an die Träume und die Ideen der Gefallenen zu erinnern. Sie lebten und starben für ein gerechtes und befreites Leben, in dem die Menschen so sein können, wie sie sind. Für ein Leben was auf Gemeinschaftlichkeit und Liebe basiert. In Theaterstücken, in Gedichten, in Videobotschaften der Familienangehörigen und in Tänzen wurde dem Kampf der Gefallenen Bedeutung gegeben. Blumen, fest verwurzelt in der Erde und in voller Blüte, wachsend, aufgereiht zwischen den Bildern der Gefallenen, symbolisieren die Hoffnung auf Freiheit. Die Teilnehmenden tragen mit voller Stolz die Ideen, die Inspriation, den Mut, die Entschlossenheit der Gefallenen im Herzen und leben diese weiter. – Sehîd Namirin – Die Gefallenen sind unsterblich. Welttag des Theaters Anlässlich des 27. März, dem Theaterwelttags, haben die kurdischen Kulturorganisationen TEV-ÇAND und Hunera Mizgîn die Wichtigkeit der Kunst und Kulturarbeiten betont. Die Rolle des Theaters im gesellschaftlichen und politischen Widerstandes ist in unserer heutigen Zeit, der Zeit der kapitalistischen Moderne von besoderer Bedeutung. Der Geist und das Denken wird durch die kapitalistische Moderne stark beeinflusst. Die Gesellschaft ist immer mehr einem Gefühl der Sinnlosigkeit und Handlungsunfähigkeit ausgesetzt. Um dem etwas entgegenzusetzen, ist es wichtig die Hoffnung auf ein erfülltes und gerechtes Leben zu verbreiten. Kunst und Kultur spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie bieten uns Gelegenheiten den Geist des Widerstandes und das Feuer der Freiheit zu entfachen. Revolutionäres Theater Diese Woche haben wir das revolutionäre Theaterstück Mamma Togni der Theatergruppe Komina Şano besucht. Das Stück, geschrieben von Franca Rame und Dario Fo wurde zum Anlass des 100 jährigen Todestages des Autors und Regisseur Dario Fo aufgeführt. Die Idee, Dario Fo mit der Aufführung seines Stückes zu würdigen, ist in den Bergen Kurdistans entstanden. Auch dort sind Kunst und Kultur ein elementarer Bestandteil des Lebens. Mamma Togni ist ein dramarischer Monolog und spielt in der Nachkriegszeit des zweiten Weltkrieges in Italien. Das Stück erzählt die Geschichte von Giuseppina Modena, auch bekannt als Mamma Tongi, einer Mutter, Antifaschistin und Revolutionärin. Die Theatergruppe hat den Monolog um die Stimmen der Mütter aus Kurdistan erweitert. Das Stück zeigt auf, dass der Faschismus in Italien die gleiche menschenfeindliche Ideologie ist, wie sie auch der IS, der türkischen Staates und die syrischen Übergangsregierung hat. Es basiet auf der gleichen Staats- und Machtlogik, sowie Ausgrenzung und Ermordung all derjenigen die nicht ihrer Ideologie entsprechen. Zu Beginn des Theaterstückes bereitet Mamma Togni das Essen zu und erfährt währenddessen von einer Versammlung der Faschisten auf dem Marktplatz. Sie kennt den Faschismus aus eigener Erfahrung und weiß, dass solche Versammlungen nicht legitimiert werden dürfen. Sie macht sich auf den Weg zum Marktplatz. Mamma Togni, eine Frau die tief mit der Gesellschaft und der Geschichte verwurzelt erhebt ihre Stimme. Als symbolischen Akt schlägt sie mit ihrem Gehstock gegen den Mikrofonständer und den Redner. Die Versammlung wird gestört und es kommt zu einem Aufstand der Gemeinde. Genauso schnell kommt auch die Polizei und nimmt sie und die Aufständigen fest, doch der Protest lässt sich selbst im Gefängnis nicht niederschlagen. Mit dem Rückhalt der Gesellschaft erkämpft Mama Togni die Freilassung der Gefangenen. Eine weitere Szene widmet sich der Rolle als Mutter von gefallenen Freiheitskämpfern. Mit dem Tod ihres Sohnes, der im Kampf gegen den Faschismus gefallen ist, ist sie zur Mutter der Gesellschaft geworden. Zutiefst berührt stand das Publikum am Ende des Stückes auf klatscht und sang bella Ciao. Angriffe auf religiöse Minderheiten Suweida Der Bericht der Vereinigten Nationendokumentiert eine massive Gewalt durch die Angriffe auf Suweida im Juli. Dadurch sind 1.700 Menschen getötet und rund 200.000 weitere vertrieben worden. Die UN-Untersuchungskommission spricht von möglichen Kriegsverbrechen und sieht Anhaltspunkte dafür, dass auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorliegen könnten. Seqlbiya Dennoch schöpfen die Menschen in Suweida Kraft aus der Organisierung und gehen auf die Straße um zu demonstrieren. Letzten Samstag versammelten sich die Anwohner:innen und protestieren in Solidarität mit den Menschen in Seqlbiya, die am Freitag vom islamistischen Gruppen angegriffen worden sind. Seqlbiya ist eine christlich geprägten Stadt in der Provinz Hama. Als Auslöser der Angriffe, schildert die Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR), dass mehrere junge Mädchen von Männern aus der benachbarten Stadt Qalaat al-Madiq belästigt worden seien. Dieser Übergriff wurde durch den Eingriff Außenstehender verhindert. Darauf hin mobilisierten die Angreifer zur Plünderung und Zerstörung und Gewalttaten. Die Einwohner der Stadt organisierten daruaf hin einen Sitzstreik, um gegen die jüngsten Spannungen zu protestieren und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen sowie die Verbreitung unkontrollierter Waffen in der Region einzudämmen. Faschistische Mentalität Die Angriffe einer faschistischen Staatsideologie, einer Macht des Hasses und dem Genozid von Identitäten erleben wir in Syrien immer mehr. Das spiegelt sich vor allem in den Angriffen auf religiöse Minderheiten, wie der drusischen, der alawitischen und christlichen Bevölkerung wieder. Sie sind geprägt von einer Politik der Spaltung und enormer Gewalt. Zu den Auswirkungen einer faschistischen Staatsmentalität hat Kongra Star die Broschüre „The Hate Machine and Identity Genocide in Syria (2025-2026)“ veröffentlicht, welche auf der Website nachzulesen ist. Um der faschistischen Staatsmentalität etwas entgegen zu setzen, haben sich Proteste gegen den Besuch von dem selbsternannten syrischen Pesidenten Al- Jolani in Berlin am 30. März angekündigt. Und damit revolutionäre Grüße aus Rojava.

Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava, aktuallisiert am 26. März:

Liebe Freundinnen, liebe Genossinnen, liebe Schwestern,
hier kommt das nächste Update aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.
Auch in der letzten Woche wurden weitere Schritte in den Verhandlungen des Integrationsabkommen erreicht. Der SDF Kommandeur Çiya Kobanê wurde zum stellvertretenden Kommandanten der 60. Division, einem Truppenverband der Syrischen Armee, ernannt. Die 60. Division ist vor allem im Norden und Osten von Aleppo stationiert und hat damit großen Einfluss auf die militärische Kontrolle in der Region.
Es ist als positiv zu bewerten, dass gerade ein Kommandant der SDF in der Region in Verantwortungspositoionen mit einbezogen wird. Aleppo ist immer noch sehr von den Spuren der Angriffen, die 6. Januar Anfang dieses Jahres begonnen, gezeichnet. Die aus dieser Zeit Vertrieben sind immer noch nicht zurück gekehrt, die Infrastruktur ist immer noch im Wiederaufbau.
Außerdem erinnern wir uns, dass Aleppo als strategisches Ziel für den Anfang der Angriffe ausgewählt wurde. Die Geschichte Aleppos, aber auch das politische Interesse der Region, sowie die Handelsrouten, die in die Türkei führen, sind stark von dem faschistischen türkischen Staat umkämpft.
Ebenso bedeutsam war die Ernennung des Kommandanten der Volksverteidiguungseinheit YPG, Sîpan Hemo. Er ist am 10. März den Posten des stellvertretenden Verteidigungsminister angestreten und wurde somit in die syrische Militärstruktur offiziell integriert.
Mala Jin
Wir haben mit der Frauen von Mala Jin über das Integrationsabkommen gesprochen.
Mala Jin ist eine Organisierung von Frauen in Nordostsyrien, an die sich alle Teile der Gesellschaft wenden können um Konflikte innerhalb der Familie oder mit Anderen zu lösen. Ein Ziel ist es dadurch eine vollständige Gleichberechtigung der Frauen in den Familien und der Nachbar:innenschaft zu erreichen. Mala Jin entwickelt eine neue Form der Gerechtigkeit und Konfliktlösung auf der Grundlage von Dialog und Mediation. Das erste Mala Jin wurde offiziell am 20. März 2011 in Qamishlo eröffnet.
In Anbetracht, dass die Syrische Übergangsregierung keine Fraueninstitutionen anerkennt, haben wir die Frauen gefragt, was die Unsicherheiten einer weiteren Finanzierung für die Institution Mala Jin bedeutet.
Daraufhin hat Behiya Murad, Sprecherin von Mala Jin in Qamishlo, geantwortet: „Wisst ihr, wir haben keine Angst, wir haben die Arbeiten von Mala Jin anfänglich auch ohne Bezahlung gemacht. Wir haben erst seit 2019 Geld für unsere Arbeit bekommen. Wir haben uns am Anfang im Untergrund organisiert, das machen wir zur Not auch wieder. Denn für uns bedeutet die Freiheit der Frau, den Ursprung für ein gleichberechtigtes und demokratisches Leben aller.“
Die Frauen von Mala Jin wirken sehr kämpferisch und entschlossen. Die Kraft der Frauenrevolution steckt in der gesellschaftlichen, eigenständigen Organisierung und kann nicht durch den Syrischen Staat zerstört werden.
Die Bedeutung der Frauen im Integrationsprozesses
Bis heute wurde kein offizieller Posten an eine Frau vergeben. Am Montag dieser Woche erst erklärte die syrische Übergangsregierung, dass keine Frau in der Syrischen Armee teilhaben wird.
Ster Qasim, Aktivistin und Mitglied des Frauenrats in Nord- und Ostsyrien, einem Zusammenschluss von Frauen mit unterschiedlichen ethnischen, religiösen und kulturellen Hintergründen, betont ebenfalls die Wichtitgkeit der Verankerung der Rechte syrischer Frauen in der Verfassung. Syrische Frauen müssen ein Mitspracherecht in politischen Entscheidungen haben und auch aktiv an der Mitgestaltung der Verfassung wirken. Sie betonte, dass die neue syrische Verfassung die ethnische, rassische, nationale und soziale Vielfalt respektieren müsse und erklärte:
„Frauen sind Teil der Gesellschaft, und die Verfassungsbestimmungen sollten eindeutig sein, um die Rechte der Frauen zu gewährleisten und gleichzeitig mit internationalem Recht und internationalen Normen übereinzustimmen.“
Drohnenangriff
Ein ehemaliger US-Militärstützpunkt im Nordosten Syriens ist am Montagabend mit Drohnen angegriffen worden. Ziel war der Stützpunkt Kharab al-Jir, der erst vor etwa einem Monat im Zuge eines Abkommens zwischen den SDF und der syrischen Übergangsregierung geräumt worden war.
Es wurden anscheinend mehrere mit Sprengstoff beladene Drohnen sowie Raketen eingesetzt. Sîpan Hemo, Kommandant der SDF und stellvertretender Verteidigungsminister für die östlichen Regionen, machte Gruppen aus dem pro-iranischen Umfeld verantwortlich und erklärte, der Angriff sei von irakischem Gebiet aus erfolgt. Er kritisierte die Behörden im Irak scharf und forderte, solche Angriffe künftig zu verhindern.
Verletzt wurde niemand, es entstand jedoch Sachschaden an der Anlage.
Der Stützpunkt liegt nahe Rimêlan und war früher ein wichtiger logistischer Knotenpunkt der internationalen Anti-IS-Koalition. US-Truppen sind inzwischen nicht mehr vor Ort. Stattdessen nutzen aktuell sowohl Asayîş-Kräfte aus Rojava als auch Einheiten der syrischen Regierung das Gelände gemeinsam.
Freilassung von der YPJ Kämpferin Narin Axin
Narîn Axîn, eine Kämpferin der YPJ, ist nach zwei Monaten Gefangenschaft wieder zu ihrer Einheit im Nordosten Syriens zurückgekehrt. Sie war Ende Januar in Deir ez-Zor während einer Offensive der syrischen Übergangsregierung und verbündeter Milizen festgenommen worden. Das Video, das ihre Gefangenschaft gemeinsam mit der Kämpferin Amara Intîqam zeigte, sorgte weltweit für Aufmerksamkeit.
Axîn stammt aus Minbic und ist Araberin. Ihre Entscheidung, sich 2022 den YPJ anzuschließen, beschreibt sie als Bruch mit traditionellen Rollenbildern: „Ich wollte die mir auferlegte Lebensweise durchbrechen und eine Kämpferin werden, die ihr Land verteidigt“, sagt sie. Innerhalb der YPJ habe sie nicht nur militärische Ausbildung erhalten, sondern auch einen Prozess persönlicher Veränderung durchlaufen. „Ich habe dort gelernt, mich selbst zu verstehen und eine neue Identität aufzubauen“, erzählte Axîn.
Am 19. März wurde sie im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen, zusammen mit sieben weiteren Frauen, darunter drei YPJ-Kämpferinnen. Trotz der Gefangenschaft betont Axîn, dass sie ihren Widerstand nie aufgegeben habe.
Heute steht Narîn Axîn wieder in den Reihen der YPJ. Ihre Botschaft richtet sich an andere Frauen in Gefangenschaft: „Ob politisch, zivil oder militärisch – ich sage allen Frauen in Gefängnissen: Glaubt an euch. In meiner Gefangenschaft nannten sie mich ein ‚Geschenk‘. Heute stehe ich hier: in Uniform, aufrecht und stark.“

Und damit verabschieden wir uns mit revolutionären Grüßen aus Rojava.

Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava, aktuallisiert am 22. März:

Tägliche Nachricht 22.03.2026 Liebe Freund:innen, wir melden uns mit den täglichen Nachrichten aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution. In den letzten Tagen haben wir viel erlebt. Die ganze Gesellschaft ist auf den Beinen und in Vorbereitung der Festlichkeiten. Dieses Jahr finden das Fastenbrechen Eid al-Fitr und Newroz, das Fest des Frühlings und des Widerstandes, zur selben Zeit statt. Fastenbrechen Für die Vorbereitungen für das große, mehrtägige Fest des Fastenbrechens, Eid al-Fitr, haben Familien ihre Häuser geputzt, es wurden Kekse mit Nüssen und Datteln gebacken, Süßigkeiten gekauft, Essen wird vorbereitet, um die ganze Familie und alle Gäste zu empfangen. Der Beginn des Eid al-Fitr beginnt mit der ersten Sichtung des Hilal, der winzigen Mondsichel am Abend nach Neumond. Am ersten Morgen nach dem Fastenbrechen ist es Tradition, dass bei Sonnenaufgang die Gesellschaft zum Şehidlik, der Gedenk- und Grabstätte der gefallenen Märtyrer:innen, fährt. Die Familien der Gefallenen verteilen dort Süßigkeiten und gedenken mit den Besuchern den Gefallenen. Für die Familien, deren Angehörige Anfang dieses Jahres durch die Angriffe der syrischen Übergangsregierung und des türkischen Staates starben, ist das Zusammenkommen wichtig, um zu trauern sowie die Ideen über ein befreites, demokratisches Leben der Gefallenen fortzuführen. Nach dem Besuch des Şehidliks ist es Tradition, dass die Kinder von Haustür zu Haustür wandern und nach Süßigkeiten fragen. Mit gefüllten Taschen kehren sie wieder zurück nach Hause, wo schon die ersten Gäste eingetroffen sind. Die Tage des Fastenbrechens sind nämlich auch die Tage, in denen die Gesellschaft sich gegenseitig besucht. Es wird gemeinsam Kaffee oder Tee getrunken, Süßigkeiten werden verteilt und vor allem wird über die jüngsten Ereignisse diskutiert. Einige Familien haben über die Spaltung der arabischen und kurdischen Bevölkerung als Strategie der imperialistischen Mächte berichtet, andere haben von ihrer Arbeit, der Wichtigkeit der Anerkennung der kurdischen Sprache oder vom Freitagsgebet in der Moschee erzählt. Newroz Zeitgleich fanden in den letzten Tagen die Neujahrsvorbereitungen statt. An jedem Abend wurde in einem anderen Stadtteil ein Feuer entzündet, Menschen sind zusammengekommen und haben getanzt. Newroz wird in ganz Kurdistan sowie im Iran, Afghanistan, Aserbaidschan, Tadschikistan und Belutschistan gefeiert. Am 21.03. ist die gesamte Bevölkerung erneut zusammengekommen und haben ein Feuer als Symbol der Energie entzündet. Tausende von Menschen haben in den Städten, Dörfern, Bergen und am Fluss zusammen getanzt, gesungen und Musik gemacht. Die Tänze sind gemeinschaftliche Kriestänze, bei denen sich alle an die Hände nehmen und einen gemeinsamen Rhythmus durch den Körper der anderen spüren. Die Menschen tragen bunte Kleider aus verschiedenen Mustern und Stoffen oder einen traditionellen Gurila-Anzug. Der Frühling erblüht nicht nur in der Natur, sondern auch im Geiste der Menschen. Tiere kommen aus ihrem Winterschlaf und so auch die Gesellschaft. Kulturelle Bräuche und Rituale sind für ein gemeinsames Leben von hoher Bedeutung. Das Zusammenkommen wird geleitet von einer gemeinsamen Basis und Geschichte. Gerade in Zeiten des Krieges sind die Feste, das Zusammenkommen und der Wiederstandes die Momente in denen die Bevölkerung Engergie schöpft. Anlässlich Newroz rufen die Frauen der Bevölkerung dazu auf, an der kurdischen Identität festzuhalten. Das Fest stellt ein Symbol für Freiheit und Identität dar und trägt gleichzeitig eine kulturelle Dimension und ein über Generationen weitergegebenes historisches Erbe in sich. In Ahmed in Nordkurdistan wurden die Worte von Abdullah Öcalan verlesen. Er wendet sich an die Bevölkerung und ruft alle zum aktiven Handeln auf. „Es liegt in unserer Hand, dieses Jahr für alle Völker des Nahen Ostens zu einem wirklichen Jahr der Freiheit zu machen.“ Angriffe der Syrischen Übergangsregierung und des türkischen Staates Als wir vom Newroz-Fest zurückgekehrt sind, erreichten uns schreckliche Nachrichten. Nach den Newrozfeierlichkeiten sind die Menschen wieder zurück nach Hause gefahren. Dabei kam es zu schweren Angriffen von Gruppen der Übergangsregierung und Unterstützer:innen des türkischen Staates. Diese Gruppen haben auf der Straße zwischen Afrin und Aleppo mobile Kontrollpunkte errichtet und fragen die zurückkommenden Anwohner, ob sie Kurden seien und greifen diese an. Sie werden aus ihren Fahrzeugen gezerrt und ihre Fahrzeuge werden zerstört. Die Gruppen nehmen ihnen kurdische Flaggen ab und verbrennen sie, zerren sie aus den Autos und schlagen sie. Ein Motorrad eines Kurden wurde in Brand gesteckt. In Afrin, Tal Rifaat und Al Bab kommt es zu besonders schweren Verfolgungensjagten auf Kurden, die Newroz feiern und die kurdische Flagge bei sich haben. In dem Zuge macheten sich weitere Konvois der syrischen Übergangsregierung und des türkischen Staates auf den Weg nach Sheikh Maqsoud, um ihre Gräueltaten zu verrichten. Als Vorwand nannten die angreifenden Gruppen, dass während der Newrozfeierlichkeiten in Kobanê eine Person die syrische Flagge vom Fahnenmast heruntergeholt habe. Die Sicherheitskräfte des Kantons Dschazira verurteilten die Übergriffe gegen kurdische Bevölkerung in Afrin und Aleppo und rufen dazu auf, sich nicht von den Angriffen provozieren zu lassen. Noch am selben Abend gingen in Derik, Heseke und Qamişlo Hunderte Menschen auf die Straße, um gegen die Angriffe auf die kurdische Bevölkerung zu protestieren. Sie riefen alle Seiten zur Zurückhaltung angesichts der Provokationen auf. In den Angriffen, gerade nach den Newrozfeierlichkeiten, sehen wir einmal mehr, wie sehr der türkische Staat und die syrische Übergangsregierung den Widerstandsgeist und den Glauben an ein freies Leben in Frieden in Syrien brechen wollen. Dazu werden die Strategien der Einschüchterung und die gegenseitige Hetze gegen die arabischen und kurdischen Bevölkerungsgruppen angewandt. Diese Strategien dienen der Destabilisierung der Bevölkerung und eines demokratischen Zusammenlebens. Freilassung weiterer Gefangener Während der letzten Tage wurden im Zuge des Gefangenenaustausches 300 Gefangene der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) in Hesekê freigelassen. Sie wurden am Donnerstagabend im Norden der Stadt von Angehörigen sowie Vertreter:innen der Selbstverwaltung empfangen. Die Freigelassenen stammen aus verschiedenen Regionen Nord- und Ostsyriens, darunter Hesekê, Qamişlo, Kobanê, Efrîn, Deir ez-Zor, Şedadê und Aleppo. Sie waren im Januar während der Offensive gegen die Selbstverwaltung von Truppen und Milizen der Übergangsregierung verschleppt worden. Jede freigelassene Person ist eine große Errungenschaft und hat eine große Bedeutung für die Familien, die teilweise schon seit Jahren in Ungewissheit, Angst und Trauer leben. Angriffe der iranischen Revolutionsgarde In den letzten Tagen hat das iranische Regime vermehrt Camps und zivile Einrichtungen in Başur, Südkurdistan, angegriffen. Am Donnerstagabend griff die iranische Revolutionsgarde mit acht Drohnen das Camp Sûrdaş in der Nähe von Dukan bei Silêmanî an. An mehreren Stellen brachen Brände aus. In dem Camp leben Familienangehörige von Kämpfer:innen der Komala-Partei, dem Lager ostkurdischer Parteien. Bisher gibt es keine Angaben zum Ausmaß von Schäden oder Verletzten. Die Allianz der politischen Kräfte Ostkurdistans verurteilt diese Angriffe scharf. Im Zuge dessen wurde eine dringende Erklärung an den Generalsekretär und den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, die Regierung der Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten, die irakische Zentralregierung sowie internationale Menschenrechtsorganisationen gerichtet. In der Erklärung wird darauf hingewiesen, dass die Islamische Republik Iran in den letzten 21 Tagen ihre systematischen Angriffe fortgesetzt hat, indem sie wiederholt die nationale Souveränität des Irak sowie internationales Recht verletzt hat. Das Regime hat zahlreiche Raketen- und Drohnenangriffe durchgeführt und dabei Geflüchtetenlager sowie Einrichtungen kurdischer Parteien zerstört. Daher ist es wichtig, auch diese Angriffe zu thematisieren und internationalen Druck aufzubauen. Wir wissen, dass die kurdischen Regionen und die Organisierung im Mittleren Osten eine zentrale Rolle in dem Krieg spielen. Die Strategie des Friedens, der diplomatischen Lösungsfindung und der Deeskalation der Kurdischen Bevölkerung bleibt weiterhin bestehen. Daher ist es wichtig die Angriffe zu thematisieren und internationalen Druck aufzubauen. Wir wissen dass die kurdischen Regionen und Organisierung im Mittleren Osten eine zentrale Rolle in dem Krieg im Mittleren Osten spielen. Die Strategie des Friedens, der diplomatischen Lösungsfindung und der Deeskalation der Kurdischen Bevölkerung müss weiterhin verteidigt werden. Und damit senden wir euch Revolutionäre Grüße aus Rojava.

Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava, 18 März:

Liebe Freundinnen, Schwestern und Genossinnen,

wir melden uns hier mit einem neuen Update aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution, wo das Leben verteidigt wird.

Frauenkonferenz

Am Dienstag fand unter der Leitung von Kongra Star in Rojava eine Konferenz von verschiedenen Frauenorganisationen statt. Die Konferenz wurde in Qamishlo unter dem Motto „Lasst uns gemeinsam für die Verankerung der Frauenrechte in der syrischen Verfassung kämpfen“ eröffnet. 400 Frauen aus allen Fraueninstitutionen und -organisationen Rojavas nahmen daran teil, zum Beispiel der YPJ, der Ezidischen Frauenorganisation, der PYD, der syrischen Zukunftspartei, Mala Jin oder der Jineoloji.

Die Konferenz schloss mit einer Erklärung, in der die politische und militärische Lage, rechtliche Fragen und die Verankerung der Frauenrechte in den Gesetzen sowie Fragen der demokratischen Integration erörtert wurden. In der Erklärung forderten sie, dass die Errungenschaften der Frauenrevolution in Nord- und Ostsyrien sowie in ganz Syrien als Grundrechte in der Verfassung anerkannt und verankert werden.

Sie schlossen die Erklärung mit den Worten: „Die Errungenschaften der Frauenrevolution zu bewahren und in der Verfassung zu verankern, ist eine Verpflichtung, die uns ewig begleiten wird. Wir werden unseren organisierten Kampf fortsetzen, um sicherzustellen, dass diese Strategien in eine rechtliche Realität umgesetzt werden, die die Rechte aller syrischen Frauen schützt, ihre Würde wahrt und ihnen eine führende Rolle bei der Gestaltung des umfassenden demokratischen Wandels in Syrien sichert.“

Am Ende wurde noch lautstark ‚Jin, Jiyan, Azadi‘ gerufen und damit die Philosophie der Frauenrevolution bekräftigt.

Vorbereitung Newroz

Seit ein paar Tagen laufen die Vorbereitungen für Newroz, das kurdische Neujahrsfest, das am 21. März gefeiert wird.

In Kurdistan wird mit Newroz nicht nur die Ankunft des Frühlings, sondern auch der Beginn des anhaltenden Widerstands des kurdischen Volkes verbunden. Newroz als Symbol des Widerstands erinnert an die Befreiung des Kurd:innen vom grausamen Herrscher Dehok.

Der Legende nach kam Dehok durch Gewalt an die Macht und ließ täglich zwei junge Menschen töten, um Schlangen zu füttern, die ihm aus den Schultern gewachsen waren. Einige Wächter retteten jedoch heimlich Menschenleben, indem sie die Opfer teilweise ersetzten. Viele Menschen flohen in die Berge, wo sich erste Gemeinschaften bildeten.

Der Schmied Kawa organisierte schließlich den Widerstand gegen Dehok und führte das Volk zur Befreiung. Mit dem Sturz des Tyrannen endeten Leid und Unterdrückung. Aus Freude über diesen Sieg entstand das Newrozfest, das bis heute gefeiert wird.

Feuer spielt dabei eine zentrale Rolle: Es symbolisiert sowohl Kawas Aufstand als auch den Sieg über die Tyrannei. Bis heute stehen die Newroz-Feuer für den Freiheitswillen und die Hoffnung des kurdischen Volkes auf Unabhängigkeit.

In Vorbereitung auf das Fest am Samstag werden gerade jeden Tag an verschiedenen Orten Rojavas kleinere Feuer entzündet, um die getanzt wird.

Am Montag hat die Syrische Übergangsregierung Newroz zum syrischen Nationalfeiertag erklärt. Das war ein historischer Schritt, da Newroz-Feierlichkeiten unter dem vorherigen Regime verboten und kriminalisiert wurden. Das Newroz offiziell als Feiertag anerkannt wird, war eine zentrale Forderung der Kurd:innen und ist ein positiver Schritt in der Anerkennung der Existenz des kurdischen Volkes in Syrien. In Damaskus wurden im Vorfeld des Newroz Festes festliche Banner aufgehangen – allerdings nur auf arabisch, was die fehlende Bereitschaft der Syrischen Übergangsregierung zeigt, auch die kurische Sprache als Nationalsprache anzuerkennen.

Überschwemmungen

Was die Newroz Feierlichkeiten zur Zeit etwas erschweren, ist die Wetterlage in Rojava. Heftige Regenfälle haben in mehreren Regionen Überschwemmungen und Sturzfluten ausgelöst. In der Efrîn-Region und im Umland von Qamişlo kamen dabei zwei Kinder ums Leben. In Hesekê wurden rund 200 Häuser durch Überschwemmungen beschädigt worden.
Dabei handelt es sich um eine der schwersten Überflutungen seit Jahren, die ausgelöst wurde durch starke Regenfälle.
Auch die Brücke am innerkurdischen Grenzübergang Sêmalka zwischen West- und Südkurdistan, also Rojava und Bashur, ist nach einem starken Anstieg des Wasserstands im Tigris vorübergehend unbenutzbar geworden. Bis mindestens zum Ende des Ramadanfestes soll der Grenzübergang noch geschlossen bleiben.

Situation Syrien
In verschiedenen Regionen Syriens wird derzeit wieder der Protest lauter gegen die Syrischen Übergangspolitik. Die Probleme, mit denen die Menschen in den Regionen zu kämpfen haben, sind häufig ausstehende Löhne, steigende Preise und fehlende Versorgung mit Strom, Gas und Lebensmittel.

In der Damaskus hat die Syrischer Übergangsregierung diese Woche den Verkauf von Alkohol eingeschränkt bzw. den Ausschank von Alkohol in Restaurants und Nachtclubs vollständig verboten. Auch der Verkauf im Handel wurde größtenteils verboten, lediglich in einigen mehrheitlich christlichen Viertel ist es noch möglich. Begründet wurde die Entscheidung damit, die „öffentliche Moral“ bewahren zu wollen – es zeigt jedoch die islamistische Mentalität der Regierung.

Damit verabschieden wir uns aus Rojava und wünschen ein frohes Newroz Fest, an alle, die feiern.

Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava, 16 März:


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