Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“
erstellt von: Kiumarz Naghipour am: 09.04.2026
Nachricht aus Rojava 13. März 2026:
Liebe Freund:innen, wir melden uns mit den aktuellen Nachrichten aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution. Die letzten Tage waren ein Auf und Ab in Hinblick auf die Umsetzung der Vereinbarungen des Integrationsabkommens. Hier sind kleine Schritte hoffnungsgebend, dann wiederum sehen wir in der Umsetzung seitens der Übergangsregierung eine Assimilierungspolitik. Der Widerstand der Gesellschaft ist daher elementar, und die Kraft der Organisierung ist die Basis der Demokratie. Dekret Nr. 13 Am Mittwoch haben die Registrierungsprozesse für die syrische Staatsbürger:innenschaft begonnen. Dieser Schritt ist als positiv zu bewerten, jedoch wurden anfangs alle Bürger:innen dazu verpflichtet, sich als syrisch-arabisch zu registrieren, was wiederum die kurdische Identität verleugnet. Nach zahlreichen Protesten hat die Regierung von dieser Registrierung abgesehen, und Menschen können sich nun als syrische Staatsbürger:innen registrieren. Gefangenenaustausch In den letzten Tagen haben wir in der Stadt Qamishlo vermehrt Schüsse gehört. Mit einem Blick in den Himmel war ein buntes Feuerwerk zusehen. Für jede Person, die aus der Gefangenschaft der syrischen Übergangsregierung zurück in ihre Heimatstadt kehrt, wird ein Feuerwerk entzündet. Die Freigelassenen wurden von ihrer Familie und der Gesellschaft mit Freude in Empfang genommen. Die Unsicherheiten, die Besorgnis und die Unwissenheit hören damit nicht vollständig auf, sorgen jedoch für große Erleichterung. In den letzten Tagen wurden insgesamt 400 Personen befreit, darunter befinden sich auch einige Kämpferinnen der Selbstverteidigungseinheiten der Frauen, der YPJ. Insgesamt wurden bisweilen 870 Gefangene von den 4000 Vermissten in Nord- und Ostsyrien freigelassen. Von der deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann und ihrem kurdischen Kollegen Ahmed Polat wurde nichts bekannt gegeben. Suweida Die Einwohner von Suwayda bekräftigten heute bei einer Demonstration ihr Bekenntnis zum Selbstbestimmungsrecht und forderten die Rückkehr der Vertriebenen. Gleichzeitig appellierten sie an die Vereinten Nationen, Druck auf die Truppen der Übergangsregierung auszuüben, damit diese die drusischen Dörfer verlassen. Zain Abu Sarhan aus dem Dorf Labin appellierte an die Vereinten Nationen und die Garantiestaaten, einzugreifen und den Bewohnern die Rückkehr in ihre Dörfer zu ermöglichen: „Wir werden unser Land und unsere Dörfer nicht aufgeben. Wir fordern den Abzug der sogenannten Sicherheitskräfte und Stammestruppen aus den Dörfern im Westen und Norden von al-Maqran, nachdem wir neun Monate lang vertrieben wurden und unsere Häuser zerstört wurden. Wir fordern außerdem eine rasche Rückkehr und die Umsetzung unseres Rechts auf Selbstbestimmung.“ Serekaniye Am 9. Oktober 2019 eröffnete der türkische Staat einen Besatzungskrieg auf das Gebiet in Nordsyrien, besonders in Serekaniye (Ras al-Ayn) und Gire Spi (Tal Abiad), welcher gegen die allgemein anerkannten Menschenrechte verstößt. Die Angriffe auf Nordsyrien wurden mit der Ausrede der Errichtung einer „Sicherheitszone“ begründet. Das genannte Gebiet wird seit dem durch die Türkei und seinen Milizen (SNA) besetzt. Die Angriffe waren nicht nur der Grund für die Flucht Hunderttausender Menschen. Gleichzeitig wurde auch ein Ort, an dem es Demokratie, Frauenrechte und Glaubensfreiheit gab, vernichtet. Trotz dieser anhaltenden Bedingungen fordern Binnenvertriebene aus Serêkaniyê ihre Rückkehr. Derzeit leben viele im Lager Washokani in der Nähe von Hasaka. Dort verschlechtert sich allerdings die humanitäre Lage, die von zunehmender wirtschaftlicher Not und sinkenden Hilfsleistungen geprägt ist. Huriya Deham Suleiman, eine Vertriebene aus dem Dorf Lilan in der Nähe von Serêkaniyê, sagte: „Einige Bewohner versuchten bereits, einzeln in ihre Häuser und Dörfer zurückzukehren. Auch ich ging zurück. Doch es gab kein Lebenszeichen – die Häuser sind zerstört, und das Dorf ist immer noch voller Landminen.“ Sie fügte hinzu: „Wir wollen sicher in unsere Dörfer zurückkehren. Wir leben seit Jahren in einer wahren Tragödie im Lager, insbesondere seit die Hilfsleistungen der Organisationen eingestellt wurden.“ „Wir wollen sicher in unsere Häuser zurückkehren und nach sieben Jahren der Zerstörung Unterstützung beim Wiederaufbau erhalten“, sagte sie. Raqqa Letzte Woche demonstrierten die Arbeiter:innen aus Raqqa für ihren Lohn, den die syrische Übergangsregierung seit Monaten nicht zahlt. Wenn wir durch die Straßen von Raqqa laufen, sehen wir, wie schwer die alltägliche Versorgung geworden ist. Die Menschen in Raqqa stehen derzeit in langen Schlangen vor den Geschäften, um Brot zu kaufen. In Raqqa und Deir ez-Zor, die unter der Kontrolle der provisorischen Damaskus-Regierung stehen, sind die Preise für Brot und Benzin in die Höhe geschnellt. Die Bevölkerung hat kaum noch Zugang zu Brot und sauberem Wasser. Iran–USA–Israel-Krieg Seit dem Beginn des Iran–USA–Israel-Krieges verurteilen wir die Rechtswidrigkeit dieses Krieges und die eigennützige Art und Weise, wie die USA und der zionistische Staat Israel ihn instrumentalisieren. Ihre vorgebliche Verteidigung des iranischen Volkes und der Sturz des theokratischen Regimes sind nichts weiter als Vorwände, um ihre Aggression zu legitimieren, die auf geostrategische und wirtschaftliche Vorteile abzielt. Der Völkermord und die Plünderung des palästinensischen Volkes setzen sich in den Massakern und der Zerstörung ziviler Infrastruktur im Iran, in Rojhilat und anderen Ländern des Nahen Ostens, insbesondere im Libanon und im Irak, fort, wo Bashur zu einem weiteren Schauplatz der Aggression wird. Angesichts der geopolitischen Polarisierung und der patriarchalen Hegemonie distanzieren wir Frauen uns entschieden von den Kriegsparteien und setzen uns für einen dritten Weg ein, der auf Dialog und dem Streben nach Frieden, Freiheit und Respekt beruht. Trotz Waffenruhe zwischen USA und Iran wird der Krieg Israels gegen den Libanon fortgeführt. Erst in den kommenden Tagen wird ein Treffen zur Klärung einer Waffenruhe stattfinden. Tausende Menschen im Libanon sind gezwungen zu fliehen und ihren Heimatort zu verlassen. Hunderte Zivilist:innen wurden bereits getötet und Tausende verletzt. Trotz Waffenruhe dauern die Angriffe auf die Kurdistan-Region des Iraks an. Über Hewlêr wurde eine Drohne iranischer Milizen abgeschossen. Seit Ende Februar wurden Hunderte Angriffe registriert. Auch die Angriffe des israelischen Staates im Gazastreifen werden weiter fortgeführt. Der israelische Staat ist dabei, die Todesstrafe für Palästinenser:innen zu verabschieden und zeigt erneut seine Brutalität in unterschiedlichen Strategien seiner Angriffskrieges. Der Kampf für Frieden heißt Widerstand gegen die sich ausbreitenden Angriffskriege im Iran und Libanon, den anhaltenden Genozid in Gaza sowie das Austragen von Kriegen um Ressourcen und Macht auf dem Rücken von arbeitenden Menschen weltweit. Frieden heißt Unterstützung für globale Befreiungskämpfe statt imperialer Interessen. Frieden heißt Widerspruch gegen Krieg und Aufrüstung, gegen Militarisierung nach außen wie nach innen. Krieg und patriarchale Gewalt Krieg und patriarchale Gewalt sind eng miteinander verbunden und treffen Frauen auf besonders harte Weise. In bewaffneten Konflikten werden bestehende Machtstrukturen oft noch verstärkt: Frauen erleben nicht nur die allgemeinen Folgen von Krieg wie Flucht, Armut und den Verlust von Angehörigen, sondern sind zusätzlich häufig gezielter Gewalt ausgesetzt. Dazu gehören sexualisierte Gewalt, Zwangsverheiratung oder Ausbeutung. Gleichzeitig tragen Frauen in Krisenzeiten oft die Hauptverantwortung für das Überleben ihrer Familien, obwohl ihnen weniger Schutz und Ressourcen zur Verfügung stehen. Diese Erfahrungen zeigen, dass Krieg patriarchale Ungleichheiten vertieft und langfristige soziale und psychische Folgen für Frauen mit sich bringt. Städtepartnerschaften Eine Form der Unterstützung von Städten, Kommunen und deren Kämpfen ist die Kooperation in Form einer Städtepartnerschaft. Partnerschaften können nicht nur als kommunale Projekte verstanden werden, sondern auch als Ausdruck einer politischen Annäherung und gegenseitigen Solidarität. Am Donnerstag haben die kurdische Metropole Amed und die palästinensische Stadt Yatta eine Städtepartnerschaft vereinbart. Auch wir können von überall aus Städtepartnerschaften aufbauen und somit Beziehungen, Informationsarbeit und unsere Solidarität stärken. Was wir vor allem im alltäglichen Leben in Rojava lernen, was wir im unermüdlichen Widerstand der Gesellschaft sehen, ist dessen Notwendigkeit für den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft und eines demokratischen Syriens. Die Basis dieses Demokratieverständnisses ist die Befreiung der Frauen, denn nur wenn Frauen selbstbestimmt leben können und Rechte haben, kann eine Gesellschaft frei und demokratisch sein. Und damit wünschen wir revolutionäre Grüße aus Rojava.
Nachricht aus Rojava 09.04.2026:
Liebe Freund:innen,
wir melden uns mit den aktuellen Nachrichten aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.
Proteste zur Freilassung der Gefangenen
In der letzten Woche spüren und sehen wir, dass die Gesellschaft aufgewühlt ist und die Proteste zur Freilassung der Gefangenen immer lauter werden. Mit den Angriffen der syrischen Übergangsregierung auf die Bevölkerung in Nordostsyrien Anfang des Jahres wurden mehrere Tausend Zivilpersonen und Verteidigungskräfte der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) von der Übergangsregierung gefoltert und gefangen genommen.
Wir sehen vor allem den Schmerz der Mütter, die seit Mitte Januar in Ungewissheit leben, ob ihre Kinder noch leben, ob sie gefangen genommen wurden und ob es ihnen gut geht.
Es werden Schilder mit den Aufschriften: „Wir werden nicht schweigen, bis der letzte Gefangene frei ist“ und „Hinter jedem Gefangenen steht das gebrochene Herz einer Mutter“ hochgehalten.
Die Menschenmengen fordern eine sofortige Freilassung und Rückführung der Leichname Gefallener. Die zuständigen Behörden, darunter die Syrische Übergangsregierung, die Führung der Syrischen Demokratischen Kräfte und die inneren Sicherheitskräfte, müssen Verantwortung und Aufklärungsarbeit übernehmen. Internationale Organisationen und Menschenrechtsorganisationen werden aufgefordert, einzugreifen und Druck auszuüben, um diesen Menschenrechtsverbrechen entgegenzuwirken.
Schon im März hatte Kongra Star, eine Fraueninstitution in Nordostsyrien, eine Kampagne zur Freilassung der Gefangenen gestartet. 349 signatures of civil figures and institutions were collected. All diese Einzelpersonen und Organisationen erklärten, dass es sich bei der Frage der Verschwundenen um eine Frage der Menschenwürde handelt, die keinen Kompromiss und keine Verzögerung zulässt.
Situation im Iran
Nach den letzten Eskalationen im Iran-USA-Israel-Krieg haben sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige Feuerpause geeinigt. Zuvor hatte der Präsident der USA, Donald Trump, eine Bodenoffensive und die bewusste Zerstörung von Infrastrukturen angekündigt.
Kriege werden immer zum Leid der Zivilbevölkerung geführt.
Im Schatten dieses Krieges führt die islamische Republik Irans eine Auslöschung der eigenen Bevölkerung fort, richtet diese vor allem gegen Oppositionelle, die für Menschen- und Grundrechte einstehen. Ebenso werden Gefängnisstrafen verhängt, was für die Menschen ein Leben in Folter, Hunger und schweren Bedingungen bedeutet.
Der Iran zählt regelmäßig zu den Ländern mit den meisten Hinrichtungen weltweit. Hunderte Menschen werden jedes Jahr hingerichtet, viele von ihnen nach Prozessen, die keinerlei internationalen Standards der Justiz entsprechen.
Die Hinrichtungen von Demonstranten, die während des Aufstands „Frauen, Leben, Freiheit“ im Jahr 2022 verhaftet wurden, schockierten die Welt.
Auch in geschichtlichen Beispielen sehen wir dieselbe Strategie: Immer wenn der iranische Staat seinen militärischen Konflikt eskaliert, steigt die Zahl der Hinrichtungen im Inland dramatisch an. Unter dem Vorwand der „nationalen Sicherheit“, der „Spionage“ und der „Feindschaft gegen Gott“ zu eliminieren – werden tausende verhaftet und hunderte hingerichtet.
Am Mittwoch ruft die ostkurdische Frauenbewegung KJAR in einer Pressemitteilung die Kampagne „Nein zur Todesstrafe, ja zu einem freien Leben“ aus. Die Weltöffentlichkeit wird dazu aufgefordert, ihre Stimmen zu erheben und die Morde im Iran zu stoppen.
Der UN-Sicherheitsrat, der UN-Menschenrechtsrat sowie Organisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch und Reporter ohne Grenzen müssen die Hinrichtungen und Kriegszustände beobachten sowie menschenrechtlich einordnen, beurteilen und Schritte einleiten. Auch der Internationale Strafgerichtshof und die UN-Sonderberichterstatter müssen diese Kriegsverbrechen untersuchen und als Verbrechen gegen die Menschlichkeit einordnen. Medien müssen ihre Verantwortung in der Berichterstattung übernehmen.
Die Weltöffentlichkeit darf nicht wegschauen, wenn ein Staat die eigene Bevölkerung auslöscht.
Recht auf Hoffnung
In Zeiten, in denen die Ausbreitung militärischer Kriege kaum noch zu greifen ist, alle imperialistischen Mächte damit beschäftigt sind, aufzurüsten, die Wehrpflicht wieder einzuführen und Narrative von Kriegsszenarien sowie einer Notwendigkeit der Verteidigung kreiert werden – dann nicht, um Frieden, Demokratie, Menschenrechte und eine gesunde Gesellschaft zu fördern.
Daher ist der Einsatz Abdullah Öcalans für Frieden und Demokratie umso bedeutender. Dieser Einsatz, der sich im Rahmen der von Öcalan angeführten Friedensprozesse in der Türkei, aber auch weltweit zeigt, ist die Notwendigkeit, um Gerechtigkeit aufzubauen.
Ein entscheidender Schritt dabei ist die physische Freiheit Abdullah Öcalans. Die Stimmen der Welt werden immer lauter und fordern, wie auch die Noon-Initiative, ein Ende der Isolation von Abdullah Öcalan im Gefängnis İmralı.
Sawsan Shoman, die Sprecherin der Initiative, kritisiert, dass sein Gesundheitszustand unklar sei, und sieht darin einen Verstoß gegen internationale Menschenrechtsstandards.
Die Initiative betont die Wichtigkeit der Öffentlichkeitsarbeit und juristischer Maßnahmen, insbesondere zur Stärkung des „Rechts auf Hoffnung“. Das Recht auf Hoffnung ist ein völkerrechtlich anerkanntes Prinzip, das aus Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) abgeleitet wird. Es besagt, dass selbst Personen, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, eine reale Aussicht auf Freilassung haben müssen. Dieses Recht wurde vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in mehreren Urteilen bestätigt.
Zudem ruft sie zu mehr internationalem Druck und Transparenz auf. Auch die Politik der Türkei in der Kurdenfrage wird kritisiert. Ziel ist es, den Fall stärker als globales Menschenrechtsthema zu etablieren.
Umsetzung des Dekrets Nr. 13
Am Montag, den 6. April, wurde in verschiedenen Städten Rojavas die Umsetzung des Dekrets Nr. 13 veranlasst. Das Gesetzesdekret Nr. 13, welches Al-Sharaa am 16. Januar 2026 erlassen hat, umfasst die Anerkennung der syrischen Staatsbürgerschaft für alle Bürger:innen kurdischer Herkunft, einschließlich staatenloser Personen, denen die syrische Staatsbürgerschaft gewährt wird.
Außerdem umfasst dieses Dekret die offizielle Anerkennung der kurdischen Kultur und Sprache als Teil einer vielfältigen und geeinten syrischen Bevölkerung.
In den Städten Qamischlo, Çil Agha, Derik und Hasakah haben Zentren eröffnet, die diese Anträge entgegennehmen und prüfen. Diese Phase wird einen Monat andauern.
Einzel- und Familienanträge können mit Dokumenten der Identifizierung, also Ausweisdokumenten, aber auch Miet- oder Stromrechnungen eingereicht werden.
Menschen aus dem Ausland umfasst dieses Abkommen nicht.
Die Registrierung vieler Bürger:innen basiert immer noch auf einer außerordentlichen Volkszählung vom 5. Oktober 1962, in der vielen Kurd:innen die syrische Staatsbürgerschaft verweigert wurde. Die Zahl der Staatenlosen umfasst über 500.000 Menschen.
Abdel Rahman Farho, das für die Registrierung zuständige Mitglied des Komitees, erklärte:
„Heute haben wir mit der Registrierung staatenloser Personen begonnen, die derzeit wie Ausländer behandelt werden. Dies ist ein gravierendes Problem, unter dem die Gemeinschaft seit vielen Jahren leidet. Dieser Schritt gilt als erster Schritt zur Lösung dieses Problems. Wir haben seit dem ersten Tag eine große Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger verzeichnet, was ein positives Zeichen für das Ausmaß des Leids der Bevölkerung, insbesondere im Gouvernement Hasaka, ist.“
Kobani
In Kobani zeigt sich die Kraft und Willensstärke der Gesellschaft und ihrer Organisierung. Nachdem die syrische Übergangsregierung einen Bürgermeister von Çelebiyê in Kobani ernannt hat, ging die Gesellschaft auf die Straßen, demonstrierte und klagte diese bevormundende Entscheidung an. Sie forderte eine eigenständige Wahl zur Besetzung des Amtes.
Durch den Widerstand der Gesellschaft und darauf folgende Verhandlungen zwischen den demokratischen Kräften und Damaskus wurde am Montag Elmaz Romê zur Bürgermeisterin von Kobani ernannt.
Sie war zuvor Ko-Vorsitzende des Ökologiekomitees der Selbstverwaltung Nord- und Ostsyrien und gilt als politisch erfahrene Vertreterin der Selbstverwaltungsstrukturen. Ebenfalls engagierte sie sich beim kurdischen Frauendachverband Kongra Star.
Dass eine Frau als Bürgermeisterin gewählt wurde, ist ein zentrales Zeichen. Sie ist die erste Frau, die seit dem Integrationsabkommen als Bürgermeisterin ernannt worden ist.
In der Notwendigkeit, die Perspektiven der Frauen in politische und gesellschaftliche Entscheidungen zu gewährleisten, wurde ein erster Schritt gemacht.
Aktivistin Sahbaa Farij
Die Aktivistin Sahbaa Farij, Geschäftsführerin der Organisation „Für Feminismus“ in Raqqa, betont wichtige Punkte, die in die neue syrische Verfassung aufgenommen werden müssen.
Frauenrechte sollen explizit und eindeutig in der neuen syrischen Verfassung verankert werden, ebenso eine faire Repräsentation sowie effektive Teilhabe in allen staatlichen Institutionen gewährleistet werden.
Explizit nennt sie die Notwendigkeit der gleichberechtigten Mitwirkung an politischen Entscheidungen und in Regierungsämtern.
Klare Verfassungsbestimmungen sind notwendig, dazu äußert sie:
„Die Verfassung muss die Menschenrechte im Allgemeinen schützen und klare Klauseln enthalten, die die Rechte von Frauen aller Gruppen garantieren, sowie eine echte Repräsentation und die Nichtausgrenzung oder Marginalisierung irgendeiner Gruppe der syrischen Gesellschaft.“
Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine unabhängige, korruptionsfreie Justiz, um die Umsetzung der Verfassung und ihrer Bestimmungen zu gewährleisten und damit eine faire Repräsentation von Frauen aller Herkünfte und Religionen sicherzustellen.
Farij betonte, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit die wichtigste Rechenschaftspflicht ist. Im Rahmen dessen bedarf es für die betroffenen Gemeinden einer Wiedergutmachung, Garantien für die Nichtwiederholung und einer moralischen Entschädigung.
Proteste der Gesellschaft in Raqqa
Arbeiter einer Mühle in Raqqa protestierten mit einem Sitzstreik vor dem Gouvernementsgebäude gegen ausstehende Löhne, die seit Ende Dezember 2025 nicht gezahlt wurden. Sie fordern die sofortige Auszahlung sowie feste Arbeitsverträge, nachdem die Mühle überraschend an einen Investor übergeben werden soll.
Parallel kommt es in Raqqa auch zu täglichen Protesten von Reinigungskräften, die ebenfalls seit Jahresbeginn kein Gehalt erhalten haben.
Und damit wünschen wir revolutionäre Grüße aus Rojava.