Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“(aktuallisiert am 30.April)
erstellt von: Kiumarz Naghipour am: 09.04.2026
Nachricht aus Rojava20260430:
Liebe Freund:innen,
wir melden uns mit den aktuellen Nachrichten aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.
Rojava ist eine Region in Nord- und Ostsyrien. Hier leben viele Bevölkerungsgruppen wie Araber:innen, Kurd:innen, Assyrer:innen, Armenier:innen, Jesid:innen und viele mehr miteinander.
Seit 15 Jahren baut die Gesellschaft hier ein eigenes, selbstverwaltetes System auf, das auf den Werten der Frauen basiert. Organisiert in Kommunen, Räten und Fraueninstitutionen wird die Gesellschaft zur stärksten Kraft. Die Menschen hier sind überzeugt, dass die Gesellschaft nur in Freiheit und Demokratie leben kann, wenn Frauen nicht mehr unterdrückt werden, sondern ihren freien Willen leben können.
Solidaritätsschreiben an die YPJ
Am 26. April wurde die Kampagne „Wir sind alle YPJ“ von Kongra Star, dem Dachverband der Frauenorganisationen in Rojava, ausgerufen.
Frauen aus dem Mittleren Osten schließen sich zusammen und drücken ihre Solidarität aus. Sie betonen, dass die YPJ als eine Einheit in die syrische Armee integriert werden müsse. Die YPJ bedeutet für viele Frauen Schutz, den Erhalt von Frauenrechten sowie die Anerkennung von Frauen in allen Lebensbereichen. Wenn die Arbeit der YPJ verboten wird, bedeutet das, dass es keine Demokratie in Syrien geben wird.
In der Jineologie-Akademie überreichten Frauen aus Ägypten, dem Libanon, Sudan und Jemen ein Solidaritätsschreiben an die Frauen der YPJ.
Die Kommandantin der YPJ, Rohlat Afrin, bedankte sich für die Initiative und betonte, dass die Unterstützung aus der Bevölkerung eine wichtige Quelle des Vertrauens und der Anerkennung sei.
Dass die Organisierung der Frauen nicht akzeptiert wird, zeigt, dass die Übergangsregierung und ihre patriarchale Mentalität wissen:
„Die Organisierung von Frauen ist die stärkste Form der Selbstverteidigung.“ Daher wollen sie dies unterbinden.
Genozid an den Armenier:innen
Am Sonntag nahmen viele Menschen an der Gedenkveranstaltung zum Genozid an den Armenier:innen in der Stadt Heseke teil.
Bilder der Gefallenen hängen an der Wand und lassen die Erinnerung und die Geschichten der Menschen nicht vergessen. In einer Schweigeminute werden sie gewürdigt. Bei einem gemeinsamen Gesang werden Kerzen angezündet.
Auf Erlass des osmanischen Innenministers Talât Bey begannen am 24. April 1915 in Istanbul mit der Verhaftung Hunderter Armenier, die der armenischen Führungsschicht angehörten, die Ausgrenzung und Verfolgung der armenischen Bevölkerung, die sich innerhalb weniger Monate zu einem Vernichtungskrieg im gesamten Osmanischen Reich entwickelten.
Während die ersten Opfer in Konzentrationslager interniert wurden, folgte am 27. Mai das sogenannte Deportationsgesetz, das die Armenier de facto zu Spionen der Entente erklärte und ihre Deportation legitimierte.
Die Ereignisse vom 24. April 1915 waren der Auftakt für den Genozid an den Armenierinnen und Armeniern des Osmanischen Reichs. Dem Genozid, von den Armenier:innen „Aghet“ (Katastrophe) genannt, fielen 1,5 Millionen Menschen zum Opfer.
Teilnehmer:innen der Veranstaltung kämpfen für die Anerkennung der armenischen Sprache und Identität.
„Unser Volk war einem grausamen Genozid ausgesetzt. Wir werden diese Tage nicht vergessen und kämpfen weiter, bis unsere Rechte gesichert sind.“
Ein weiterer Teilnehmer macht die Verbindung zur heutigen politischen, gesellschaftlichen und menschlichen Lage in Syrien deutlich.
Der Ko-Vorsitzende des Armenischen Gesellschaftsrates, Arif Kasabiyan, erklärte: „Der Genozid von 1915 wiederholt sich heute in Syrien.“ Um weitere Verbrechen zu verhindern, sei es notwendig, sich zu organisieren und gemeinsam Widerstand zu leisten. „Einheit ist der Schlüssel, um die Pläne zu durchkreuzen, die auf unsere Auslöschung abzielen“, sagte er.
Europäischer Gerichtshof fechtet den Austritt der Türkei aus der Istanbuler Konvention an
Frauen, die sich in Istanbul organisieren, verweisen auf die Verletzung grundlegender Rechtsprinzipien.
Das Abkommen des Europarates aus dem Jahr 2011 soll Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt durch verbindliche Rechtsnormen unterbinden. Damals unterschrieb die Türkei als erstes Land das Übereinkommen – nun möchte sich die Türkei ab dem 1. Juli wieder davon lösen.
2021 trat die Türkei per Dekret, also durch eine einzige Unterschrift von Erdogan und ohne parlamentarische Abstimmung, aus der Konvention aus.
Das Abkommen werde von einer Gruppe von Menschen dazu benutzt, „Homosexualität zu normalisieren“, lautet die Begründung aus dem Präsidentenpalast.
Die Anwältin Esin Yeşilırmak, die die Plattform vertritt, sieht in dem Vorgehen mehrere Rechtsverletzungen. Dazu zählen unter anderem das Recht auf wirksame Beschwerde, das Diskriminierungsverbot sowie das Recht auf ein faires Verfahren. „Unsere Beschwerde stützt sich auch auf den Grundsatz der demokratischen Gesellschaft und die rechtliche Sicherheit, die durch diese Entscheidung beeinträchtigt werden“, sagte Yeşilırmak.
Dass der Austritt durch eine einzige Unterschrift entschieden worden ist, mache „die Entscheidung über die Kündigung der Istanbul-Konvention nichtig“, erklärte Yeşilırmak.
Die Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof folgt auf eine Entscheidung des türkischen Verfassungsgerichts, das mehrere Klagen gegen das Vorgehen zurückgewiesen hat.
Fall Rojwelat Kızmaz
Die Wichtigkeit einer rechtsmäßigen Aufarbeitung von Feminiziden zum Schutz von Frauen muss selbstverständlich sein. Der türkische Staat übernimmt keine Verantwortung, mildert die Sachverhalte oft ab oder leugnet sie.
Dieses Vorgehen sehen wir ebenso bei dem Feminizid an Rojwelat Kızmaz.
Sie wurde 2024 tot aufgefunden, doch bis heute bleiben rechtliche Schritte zur Aufklärung der Ursachen und Gründe aus. Die Familie fordert neue Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, da die vorherigen Ermittlungen den Fall schnell abwickelten und als Suizid deklarierten.
Für die Feststellung eines Suizids fehlen Informationen und eine Grundlage, die diese Annahme validiert. Ähnlich ging die Staatsanwaltschaft auch im Fall Gülistan Doku vor, der bis heute nicht vollständig aufgeklärt ist.
Es ist wichtig, eine frauenverachtende Aufklärungsarbeit nicht hinzunehmen und gemeinsam die Würde aller Menschen zu schützen.
Aufruf zu Einheit und Stärkung der Rolle der Frau
Bei einem Dialogseminar der Konferenz für den Demokratischen Islam in Derik wird die Notwendigkeit des sozialen Zusammenhalts und der Solidarität zur Integration von Frauen und Männern betont.
Die Einheit und Stärkung der Rolle der Frauen im Integrationsprozess wird hervorgehoben.
Die Veranstaltung fand unter dem Motto „Gemeinsam für eine geeinte demokratische Gesellschaft“ statt. Viele Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft sowie Vertreter:innen zivilgesellschaftlicher Organisationen nahmen teil.
In einer Schweigeminute wurde der Menschen gedacht, die für ein demokratisches Leben gefallen sind.
Sinan Sidosh, Vorsitzender der Ahl al-Beit-Vereinigung des Demokratischen Islams, betonte:
„Es ist notwendig, zwischen dem demokratischen Islam, der die Menschenrechte als Recht jedes Bürgers anerkennt und die Würde des Volkes schützt, und dem autoritären Islam, der Menschen aus Eigeninteresse ihrer Rechte und Würde beraubt, zu unterscheiden.“
Die Ko-Vorsitzende der Konferenz für Demokratischen Islam, Avin Hajji, betonte: „Frauen haben in der autoritären Gesellschaft schwer unter der Beraubung ihrer Rechte und der Auslöschung ihrer Identität und Persönlichkeit gelitten, und die heutige Übergangsregierung setzt diesen Weg fort, indem sie Frauen die Repräsentation beim Aufbau des Staates verweigert.“
Sie fuhr fort: „Frauen haben darum gekämpft, die syrische Zivilisation zu prägen und zur Bildung der Gesellschaft beizutragen. Jetzt leben wir in einem Zustand des Widerspruchs, da die Übergangsregierung weiterhin die Freiheiten der Frauen unterdrückt und sie ihrer Rechte beraubt.“
Der Demokratische Islamkongress setzt sich in Nord- und Ostsyrien für eine Religion gegen Macht, Krieg und Unterdrückung ein.
Und damit wünschen wir revolutionäre Grüße aus Rojava.
Nachricht aus Rojava 19. April 2026:
Liebe Freund:innen,
wir melden uns mit den aktuellen Nachrichten aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.
Das Leben in Rojava spiegelt uns wider – das Leben ist politisch. Die Gesellschaft ist ständig auf Zack und führt bei jeder Gelegenheit politische Diskussionen. Der Austausch sowie die Weitergabe von Wissen und Nachrichten sind Teil der Kultur. Dem schließen wir uns an und berichten von den aktuellen Geschehnissen und den dazugehörigen Diskursen.
Suweida
Seitdem der selbsternannte Präsident al-Sharaa in Damaskus an der Macht ist, kommt es immer wieder zu Angriffen auf die drusische Minderheit in Suweida.
Die Drusen sind eine Religionsgemeinschaft im Nahen Osten. Weltweit gibt es etwa eine Million Angehörige, von denen die Mehrheit in Syrien, Israel, Jordanien und im Libanon lebt. Obwohl der Glaube der Drusen stark von schiitischen, insbesondere ismailitischen Traditionen geprägt ist, sind die Unterschiede zum Islam so groß, dass von einer eigenständigen Religion gesprochen wird. Die Drusen interpretieren den Koran häufig anders als Sunniten und Schiiten. Sie gehören zu den abrahamitischen Religionen – wie Islam, Christentum und Judentum – bezeichnen sich jedoch nicht als Muslime.
Seit den Angriffen der Übergangsregierung wurden viele Menschen verletzt und getötet. Derzeit gelten noch 125 Personen aus Suweida als vermisst, darunter mindestens ein Kind und 29 ältere Menschen.
Gleichzeitig hält der Widerstand der Bevölkerung an. Die Mütter der Entführten und Verschwundenen protestierten auf dem Karama-Platz. Sie fordern weiterhin Aufklärung über das Schicksal ihrer Söhne sowie deren sofortige Freilassung. Zudem wurde eine Mahnwache zur Unterstützung der Familien inhaftierter Zivilist:innen organisiert.
„Verschwindenlassen ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und eine blutende Wunde in jedem Haus.“
Nadia Saray al-Din berichtet, dass ihr Sohn, ein Content Creator, sich im Libanon aufhielt und nach den Massakern im Juli 2025 in der Region Al-Matuna auf der Rückreise nach Syrien festgenommen wurde. Sie erklärte, er habe lediglich seine Kamera bei sich gehabt und Inhalte produziert, um Menschen zu helfen und humanitäre Unterstützung zu leisten. Auch sie fordert Aufklärung und die Freilassung ihres Sohnes.
Al-Sharaa beim Diplomatieforum in Antalya
Diese Woche findet das Diplomatieforum in Antalya (Türkei) statt, an dem Vertreter:innen aus 150 Ländern teilnehmen. Das Forum wird vom türkischen Außenministerium im Interesse der Regierung organisiert. Diskutiert werden strategische Schritte zur Umsetzung machtpolitischer und wirtschaftlicher Ziele.
Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa äußerte sich am Rande des Forums zum Integrationsprozess in Syrien und erklärte, dieser verlaufe „planmäßig“.
Ein zentraler Punkt war die enge Zusammenarbeit mit der Türkei. Al-Sharaa bezeichnete die Beziehungen als „strategische Partnerschaft“ und verwies auf gemeinsame politische und wirtschaftliche Interessen. Die Rolle der Türkei in Nordsyrien sowie ihre anhaltende militärische Präsenz thematisierte er dabei nicht.
Zudem skizzierte er wirtschaftliche Perspektiven für Syrien. Das Land solle künftig als „Energie- und Handelsroute“ zwischen verschiedenen Regionen fungieren. In diesem Zusammenhang sprach er auch von geplanten Projekten mit regionalen Partnern.
Israel, die Türkei und Syrien
Die USA versuchen, Israel und die Türkei in Bezug auf Syrien auf eine gemeinsame Linie zu bringen, um langfristig eine breitere Allianz zwischen Damaskus, Ankara und Tel Aviv zu fördern. Beide Staaten sind strategisch wichtig, verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele: Die Türkei führt Angriffskriege gegen die kurdische Bevölkerung und eine autonome Verwaltung. Sie unterstützt daher eine starke, zentralisierte Führung unter al-Sharaa, die möglichst viele Machtbefugnisse bündelt. Israel hingegen misstraut dem Regime und dem es umgebenden Machtblock trotz punktueller Zugeständnisse und lehnt eine zu große Machtkonzentration ab. Stattdessen bevorzugt es eine fragmentierte Struktur, um seinen Einfluss zu sichern.
Trotz dieser Unterschiede bemühen sich die USA, eine Zusammenarbeit zu fördern – auch, weil es für Israel und westliche Staaten entscheidend ist, Kräfte wie HTS gegen den Iran und verbündete schiitische Milizen einzusetzen. Gleichzeitig eint die beteiligten Akteure, dass sie trotz unterschiedlicher hegemonialer Strategien kurzfristig kooperieren, um alternative politische Projekte wie Rojava zu schwächen.
Iran greift weiterhin Rojhilat an
Der Iran setzt seine Angriffe auf Kräfte aus Rojhilat in Südkurdistan fort. Bei Raketen- und Drohnenangriffen auf PDKI-Strukturen wurden drei Peschmerga-Kämpfer:innen getötet.
Die Gemeinschaft der Frauen Kurdistans (KJK) verurteilte die Angriffe scharf und ordnete sie in einen größeren politischen Zusammenhang ein. In einer Erklärung verbindet der Dachverband der kurdischen Frauenbewegung die Angriffe mit einem grundlegenden System von Gewalt gegen Kurd:innen und Frauen.
Die angegriffenen Kräfte hätten keine militärischen Maßnahmen gegen den Iran durchgeführt, weshalb die Angriffe als gezielte Strategie gegen die politische Existenz kurdischer Strukturen gewertet werden. Die KJK fordert Teheran auf, die Angriffe einzustellen und stattdessen den Dialog mit kurdischen Kräften aufzunehmen sowie deren Status anzuerkennen.
Demokratische Nation – Neslihan Şidal
„Ein Volk, das keine Selbstverwaltung entwickelt, steht vor einem existenziellen Problem, wird anfällig für Zerfall und schwächt sich“, sagt Neslihan Şidal, Bürgermeisterin von Van.
Selbstverwaltung ist seit Beginn der Menschheit eine grundlegende Voraussetzung für das Überleben von Gesellschaften. Ursprünglich spielten Frauen dabei eine führende Rolle, wurden jedoch mit dem Aufkommen patriarchaler Systeme aus Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Heute zeigt sich insbesondere in Rojava, dass Frauen wieder aktiv an Selbstverwaltung teilnehmen und eine zentrale Rolle einnehmen.
Selbstverwaltung bedeutet, dass Menschen ihre Lebensbedingungen selbst bestimmen, ihre Bedürfnisse erkennen und eigene Lösungen entwickeln. Sie ist eng mit Demokratie verbunden, da echte Demokratie nur existiert, wenn alle gesellschaftlichen Gruppen mit ihrer Identität und Stimme an Entscheidungsprozessen beteiligt sind.
Gleichzeitig führt das System der kapitalistischen Moderne laut der Sprecherin dazu, dass Gesellschaften von Selbstverwaltung entfremdet werden. Fehlt diese, ist die Existenz eines Volkes gefährdet. Am Beispiel der Kurd:innen wird deutlich, wie ihnen trotz starker sozialer Werte über lange Zeit das Recht auf eigene Verwaltung verwehrt wurde.
Selbstverwaltung bedeutet jedoch nicht die Spaltung eines Staates, sondern kann ihn durch breite Beteiligung stärken. Das Konzept der „demokratischen Nation“ beschreibt eine Gesellschaft, die sich selbst organisiert und pluralistisch gestaltet.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Beteiligung von Frauen: Ohne ihre Mitwirkung ist echte Demokratie nicht möglich. Modelle wie das Ko-Vorsitzsystem und kommunale Strukturen (Räte, Kommunen) zeigen, wie gleichberechtigte Teilhabe praktisch umgesetzt werden kann.
Ziel ist eine freie, demokratische Gesellschaft, in der alle Menschen – insbesondere Frauen – aktiv an Verwaltung und Entscheidungsprozessen beteiligt sind.
Gülistan Doku
Gewalt gegen Frauen, die mit Straflosigkeit einhergeht, nimmt stetig zu. Als Beispiele nennt der Frauenrat der Partei der Demokratischen Regionen (DBP) Fälle wie den von Gülistan Doku und Rojin Kabaiş.
In beiden Fällen erschweren staatliche Strukturen und institutionelle Versäumnisse die Aufklärung der Taten. „Die Manipulation von Spuren und die Nutzung politischer Einflussmöglichkeiten verschärfen die Situation zusätzlich“, heißt es von einer Sprecherin.
Im Fall der seit über sechs Jahren in Dersim verschwundenen Studentin Gülistan Doku wurden neue Haftbefehle erlassen. Mehrere Angehörige und der Ex-Freund der Vermissten wurden nach Vernehmungen festgenommen und größtenteils inhaftiert. Vor dem Gerichtsgebäude kam es zu Protesten; die Polizei verhinderte ein direktes Aufeinandertreffen.
Parallel dazu wurde der frühere Gouverneur Tuncay Sonel festgenommen und nach Erzurum überstellt; die Ermittlungen sollen umfassend geführt werden.
Der Fall gilt seit Jahren als Symbol für mangelnde Aufklärung seitens der zuständigen Behörden. Die aktuellen Entwicklungen werden als Ergebnis anhaltenden öffentlichen Drucks sowie des Engagements von Familie und Frauenbewegung gesehen.
Serêkaniyê
Viele Vertriebene können nach langen Verhandlungen und unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimat zurückkehren. In Afrin sind bereits Hunderte von Menschen angekommen und beginnen, sich ein neues Leben aufzubauen. Auch Rückführungen nach Serêkaniyê werden derzeit vorbereitet.
Bei der Rückkehr einiger Familien in ihre Heimatstadt Serêkaniyê wurde jedoch von einem türkischen Stützpunkt aus auf die Gruppe geschossen. Am Donnerstag hatten Vertriebene aus dem Dorf Erşê versucht, über die Straße zwischen Til Temir und Serêkaniyê in ihre Heimat zurückzukehren.
Dieser Angriff des türkischen Staats verdeutlicht erneut die Strategie, durch Angst, Gewalt und Unsicherheit eine Rückkehr der Menschen zu verhindern und ihnen ein Leben in Würde zu erschweren.
Und damit revolutionäre Grüße aus Rojava.
Nachricht aus Rojava 16. April 2026:
Liebe Freund:innen,
wir melden uns mit den aktuellen Themen aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.
Çarşema Serê Salê
Die Autonome Verwaltung hat die Aussetzung der offiziellen Arbeitszeiten in allen ihren Institutionen und Abteilungen am Mittwoch, den 15. April 2026, anlässlich des Feiertags „Roter Mittwoch“ (dem jesidischen Neujahr) bekannt gegeben.
Das religiöse Neujahrsfest der Jesidinnen und Jesiden, Çarşema Serê Salê („erster Mittwoch im April“), wird am ersten Mittwoch im April nach dem julianischen Kalender gefeiert (im gregorianischen Kalender zwischen dem 14. und 21. April). Der Mittwoch gilt als heiliger Ruhetag und erinnert an die Vollendung der Schöpfung, weshalb das Fest auch „Roter Mittwoch“ genannt wird.
Das Fest ist dem Engel Tausi Melek gewidmet, der im Zentrum des jesidischen Glaubens steht und als Gottesvertreter auf Erden gilt. Er soll jährlich zur Erde kommen, um Segen und Glück zu bringen. Daher symbolisiert das Fest sowohl den Jahresbeginn als auch den Neubeginn des Lebens.
Zu den wichtigsten Bräuchen gehören das Färben von Eiern am Vortag, die die Ur-Perle und den Ursprung des Lebens symbolisieren, sowie das Schmücken von Hauseingängen mit Blumen und bunten Eierschalen als Zeichen für Glück. Außerdem werden rot-weiße Frühlingsarmbänder getragen, die Glück bringen sollen, wenn sie von selbst abfallen.
Im Heiligtum Lalisch werden viele Lichter entzündet, wobei Frauen eine wichtige Rolle als Hüterinnen des Feuers einnehmen. Das Fest wird im Familienkreis und in der Gemeinschaft gefeiert. Auch Friedhöfe werden besucht, um der Verstorbenen zu gedenken. Mit dem Wunsch „Sersala we pîroz be!“ beginnt ein neues, gesegnetes Jahr, das gemeinsam mit Musik und Freude gefeiert wird.
Zeynep Cansız
Viele Menschen in Kurdistan würdigen in den letzten Tagen das Leben von Zeynep Cansız, der Mutter von Sakine Cansız, einer der Mitbegründer:innen der PKK.
Nach dem Tod von Zeynep Cansız heben viele Organisationen ihre Bedeutung für die kurdische Bewegung und den Frauenkampf hervor.
Die Rolle von Müttern im kurdischen Widerstand bedeutet großen Einsatz, Lebenshingabe und Schmerz um die Gefallenen im Kampf um die Freiheit.
Die alevitischen Dachverbände FEDA und DAKB erinnerten an Zeynep Cansız:
„Sie hat nicht nur ein Kind großgezogen, sondern einen Wert geprägt, der den Freiheitskampf eines Volkes mitgestaltet hat.“
Bildungssystem Nord- und Ostsyrien
Sprache macht Sein – was wir denken, können wir in einer Sprache in Lauten ausdrücken und beschreiben. Wir denken durch Worte und Bilder. Diese werden durch Sprache sowie durch Schriftsprache vermittelt. Alles, was wir hören und lesen, prägt unser Denken.
Es sind die Geschichten unserer Großeltern, die der Nachbarinnen, die der Verkäuferin auf dem Markt, aber auch die der Politik und der Medien. Diese haben eine große Relevanz für unser Bewusstsein und die Entwicklung unserer eigenen Identität, unserer Gedanken und unseres Handelns.
Heute haben wir Hassana Hussein kennengelernt, die Sprecherin der Rechtsprechung der Lehrergewerkschaft in der Region Cizîrê.
Sie erzählte über die Herausforderungen, mit denen das Schulsystem in Nord- und Ostsyrien seit den Verhandlungen eines Integrationsabkommens konfrontiert ist.
Ein wichtiger Punkt dabei ist der Erhalt der kurdischen Sprache. Nach dem Fall des Assad-Regimes haben sich die Schulen immer weiterentwickelt, und kurdische, aramäische und arabische Sprachen wurden als Unterrichtssprachen eingeführt. Die Übergangsregierung möchte nun Arabisch als einheitliche Unterrichtssprache durchsetzen. Das heißt: keine Vielfalt, sondern Assimilation und Unterdrückung.
Sie erzählte, dass in den Schulen in Damaskus Frauen nur noch Mädchen und Männer nur noch Jungen unterrichten dürfen. Eine erste Umsetzung der Geschlechtertrennung wurde damit vollzogen, und gewaltvolle sowie patriarchale Strukturen werden gefestigt.
Des Weiteren berichtete sie von der Bedeutung der Literatur und davon, dass in den letzten Jahren die Schüler:innen ihre eigenen Bibliotheken aufgebaut haben. So können sie das Lesen sowie Geschichten über ihr Land, ihre Kultur, ihre Religion und ihre Identität kennenlernen. Die Bücher sind für alle zugänglich und können ausgeliehen werden.
Diese Bibliotheken würden ebenfalls mit dem Vorhaben der Übergangsregierung geschlossen werden.
Bibliothek in Şengal
In der Ortschaft Dohula bei Şengal ist eine neue Bibliothek eröffnet worden. Die Einrichtung wurde vom Verband der ezidischen Jugend ins Leben gerufen. Die Bibliothek trägt den Namen „Şehîd Pîr Şeko“ und wurde im Zentrum der Organisation eröffnet.
In arabischer und kurdischer Sprache sind dort Literatur, politische Schriften sowie zahlreiche Bücher zur Geschichte, Kultur und Religion der Ezid:innen zu finden. Sie dienen der kollektiven Erinnerung. Werke von Abdullah Öcalan sowie Bücher von Zekî Şengalî und Sakine Cansız haben ihren Platz in den Regalen gefunden.
Wenn Jugendliche ihre eigenen Räume für Bildung erschaffen, ist dies ein wichtiger Schritt für den gesellschaftlichen Aufbau und Zukunftsperspektiven, insbesondere in einer Bevölkerung, die Genozid, Vertreibung und Zerstörung erlebt hat.
Gedenken Anfal-Operation
Seit 2004 wird am 14. April der Opfer der Anfal-Operation gedacht. Viele Überlebende fordern bis heute Aufklärung, Gerechtigkeit und Entschädigung.
Die Anfal-Operation (1986–1989) war ein vom irakischen Baath-Regime unter Saddam Hussein organisierter Genozid an der kurdischen Bevölkerung und anderen Minderheiten. In mehreren Phasen wurden etwa 182.000 Menschen getötet, Millionen vertrieben oder in Lager deportiert. Tausende Dörfer sowie Infrastruktur wurden zerstört, und es kam wiederholt zum Einsatz chemischer Waffen, darunter der Giftgasangriff auf Halabja 1988.
Die Gewalt folgte einem systematischen Muster: Luftangriffe, anschließende Bodenoffensiven, gezielte Tötungen von Männern sowie die Verschleppung von Frauen, Kindern und Älteren in Lager, wo viele an Hunger, Krankheiten und Misshandlungen starben. Verantwortlich war Ali Hasan al-Madschid („Chemie-Ali“).
Überlebende wurden bis 1991 in Umsiedlungslagern festgehalten. Besonders betroffen waren sogenannte „Anfal-Frauen“, die oft ihre Familien verloren hatten und unter schwierigen sozialen Bedingungen lebten.
Freilassung der Kämpferin Henan
Die YPJ-Kämpferin Henan ist nach drei Monaten Gefangenschaft im Al-Aqtan-Gefängnis in Raqqa endlich befreit worden.
Zuvor war sie im Al-Aqtan-Gefängnis stationiert, einem Gefängnis, das bis zur Übernahme und den schweren Angriffen der Übergangsregierung von QSD und YPJ bewacht worden ist. Das Al-Aqtan-Gefängnis gilt als eine der am strengsten gesicherten Einrichtungen für hochrangige IS-Mitglieder in Nord- und Ostsyrien. Durch die Angriffe Anfang des Jahres konnten mehr als 2000 IS-Mitglieder aus dem Gefängnis fliehen.
Nach der Übernahme durch HTS wurden auch Kämpferinnen der QSD dort gefangen gehalten.
Henan berichtet von schwerer Folter. Neben psychischem Druck sei sie auch zeitweise körperlicher Gewalt ausgesetzt gewesen. Die Kraft, dies zu überstehen, habe sie aus der Einheit der Frauen gewonnen:
Sie sagt: „Ich habe an die Frauen gedacht, mit denen ich zusammen gekämpft habe. Ihre Kraft hat mich aufrecht gehalten.“
Nach der Freilassung kehrt sie zu ihrer Familie und in die Gesellschaft zurück. Um ein demokratisches Syrien und ein würdevolles Leben für alle Menschen aufzubauen, weiß sie, was zu tun ist, und sagt entschlossen:
„Ich bin eine kurdische Frau und eine Kämpferin. Ich will die Freiheit meines Volkes.“
Feminizide
Wenn es um die Aufklärung von Feminiziden geht – dem Mord an Frauen* aufgrund ihres Geschlechts und strukturell verankerter Gewalt –, übernimmt der Staat meist wenig oder keine Verantwortung. Oft werden solche Morde heruntergespielt oder als Suizid deklariert.
So auch beim Feminizid an Rojin Kabaiş. Dem Menschenrechtsverein IHD in Istanbul zufolge warfen Unterstützer:innen und Jurist:innen den Behörden vor, zentrale Spuren nicht konsequent verfolgt zu haben. Gleichzeitig berichteten sie von Drohungen gegen die Familie.
Die juristische Vertreterin der Initiative „Gerechtigkeit für Rojin Kabaiş“ betont:
„Die Aufklärung dieses Falls bedeutet auch, andere ungeklärte Fälle von Gewalt gegen Frauen ans Licht zu bringen.“
Die Unterstützer:innen kündigten an, den Fall weiter zu begleiten und Druck für eine lückenlose Aufklärung aufrechtzuerhalten. Wichtig ist, dass der Widerstand und die Forderungen nach gesetzmäßiger Aufklärung anhalten.
Viele Frauen in Europa organisieren sich gegen Feminizide im Dachverband Stop Feminizide und gehen einen wichtigen Schritt, um geschlechtsspezifische Morde zu bekämpfen.
Und damit wünschen wir revolutionäre Grüße aus Rojava.
Nachricht aus Rojava 13. April 2026:
Liebe Freund:innen, wir melden uns mit den aktuellen Nachrichten aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution. Die letzten Tage waren ein Auf und Ab in Hinblick auf die Umsetzung der Vereinbarungen des Integrationsabkommens. Hier sind kleine Schritte hoffnungsgebend, dann wiederum sehen wir in der Umsetzung seitens der Übergangsregierung eine Assimilierungspolitik. Der Widerstand der Gesellschaft ist daher elementar, und die Kraft der Organisierung ist die Basis der Demokratie. Dekret Nr. 13 Am Mittwoch haben die Registrierungsprozesse für die syrische Staatsbürger:innenschaft begonnen. Dieser Schritt ist als positiv zu bewerten, jedoch wurden anfangs alle Bürger:innen dazu verpflichtet, sich als syrisch-arabisch zu registrieren, was wiederum die kurdische Identität verleugnet. Nach zahlreichen Protesten hat die Regierung von dieser Registrierung abgesehen, und Menschen können sich nun als syrische Staatsbürger:innen registrieren. Gefangenenaustausch In den letzten Tagen haben wir in der Stadt Qamishlo vermehrt Schüsse gehört. Mit einem Blick in den Himmel war ein buntes Feuerwerk zusehen. Für jede Person, die aus der Gefangenschaft der syrischen Übergangsregierung zurück in ihre Heimatstadt kehrt, wird ein Feuerwerk entzündet. Die Freigelassenen wurden von ihrer Familie und der Gesellschaft mit Freude in Empfang genommen. Die Unsicherheiten, die Besorgnis und die Unwissenheit hören damit nicht vollständig auf, sorgen jedoch für große Erleichterung. In den letzten Tagen wurden insgesamt 400 Personen befreit, darunter befinden sich auch einige Kämpferinnen der Selbstverteidigungseinheiten der Frauen, der YPJ. Insgesamt wurden bisweilen 870 Gefangene von den 4000 Vermissten in Nord- und Ostsyrien freigelassen. Von der deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann und ihrem kurdischen Kollegen Ahmed Polat wurde nichts bekannt gegeben. Suweida Die Einwohner von Suwayda bekräftigten heute bei einer Demonstration ihr Bekenntnis zum Selbstbestimmungsrecht und forderten die Rückkehr der Vertriebenen. Gleichzeitig appellierten sie an die Vereinten Nationen, Druck auf die Truppen der Übergangsregierung auszuüben, damit diese die drusischen Dörfer verlassen. Zain Abu Sarhan aus dem Dorf Labin appellierte an die Vereinten Nationen und die Garantiestaaten, einzugreifen und den Bewohnern die Rückkehr in ihre Dörfer zu ermöglichen: „Wir werden unser Land und unsere Dörfer nicht aufgeben. Wir fordern den Abzug der sogenannten Sicherheitskräfte und Stammestruppen aus den Dörfern im Westen und Norden von al-Maqran, nachdem wir neun Monate lang vertrieben wurden und unsere Häuser zerstört wurden. Wir fordern außerdem eine rasche Rückkehr und die Umsetzung unseres Rechts auf Selbstbestimmung.“ Serekaniye Am 9. Oktober 2019 eröffnete der türkische Staat einen Besatzungskrieg auf das Gebiet in Nordsyrien, besonders in Serekaniye (Ras al-Ayn) und Gire Spi (Tal Abiad), welcher gegen die allgemein anerkannten Menschenrechte verstößt. Die Angriffe auf Nordsyrien wurden mit der Ausrede der Errichtung einer „Sicherheitszone“ begründet. Das genannte Gebiet wird seit dem durch die Türkei und seinen Milizen (SNA) besetzt. Die Angriffe waren nicht nur der Grund für die Flucht Hunderttausender Menschen. Gleichzeitig wurde auch ein Ort, an dem es Demokratie, Frauenrechte und Glaubensfreiheit gab, vernichtet. Trotz dieser anhaltenden Bedingungen fordern Binnenvertriebene aus Serêkaniyê ihre Rückkehr. Derzeit leben viele im Lager Washokani in der Nähe von Hasaka. Dort verschlechtert sich allerdings die humanitäre Lage, die von zunehmender wirtschaftlicher Not und sinkenden Hilfsleistungen geprägt ist. Huriya Deham Suleiman, eine Vertriebene aus dem Dorf Lilan in der Nähe von Serêkaniyê, sagte: „Einige Bewohner versuchten bereits, einzeln in ihre Häuser und Dörfer zurückzukehren. Auch ich ging zurück. Doch es gab kein Lebenszeichen – die Häuser sind zerstört, und das Dorf ist immer noch voller Landminen.“ Sie fügte hinzu: „Wir wollen sicher in unsere Dörfer zurückkehren. Wir leben seit Jahren in einer wahren Tragödie im Lager, insbesondere seit die Hilfsleistungen der Organisationen eingestellt wurden.“ „Wir wollen sicher in unsere Häuser zurückkehren und nach sieben Jahren der Zerstörung Unterstützung beim Wiederaufbau erhalten“, sagte sie. Raqqa Letzte Woche demonstrierten die Arbeiter:innen aus Raqqa für ihren Lohn, den die syrische Übergangsregierung seit Monaten nicht zahlt. Wenn wir durch die Straßen von Raqqa laufen, sehen wir, wie schwer die alltägliche Versorgung geworden ist. Die Menschen in Raqqa stehen derzeit in langen Schlangen vor den Geschäften, um Brot zu kaufen. In Raqqa und Deir ez-Zor, die unter der Kontrolle der provisorischen Damaskus-Regierung stehen, sind die Preise für Brot und Benzin in die Höhe geschnellt. Die Bevölkerung hat kaum noch Zugang zu Brot und sauberem Wasser. Iran–USA–Israel-Krieg Seit dem Beginn des Iran–USA–Israel-Krieges verurteilen wir die Rechtswidrigkeit dieses Krieges und die eigennützige Art und Weise, wie die USA und der zionistische Staat Israel ihn instrumentalisieren. Ihre vorgebliche Verteidigung des iranischen Volkes und der Sturz des theokratischen Regimes sind nichts weiter als Vorwände, um ihre Aggression zu legitimieren, die auf geostrategische und wirtschaftliche Vorteile abzielt. Der Völkermord und die Plünderung des palästinensischen Volkes setzen sich in den Massakern und der Zerstörung ziviler Infrastruktur im Iran, in Rojhilat und anderen Ländern des Nahen Ostens, insbesondere im Libanon und im Irak, fort, wo Bashur zu einem weiteren Schauplatz der Aggression wird. Angesichts der geopolitischen Polarisierung und der patriarchalen Hegemonie distanzieren wir Frauen uns entschieden von den Kriegsparteien und setzen uns für einen dritten Weg ein, der auf Dialog und dem Streben nach Frieden, Freiheit und Respekt beruht. Trotz Waffenruhe zwischen USA und Iran wird der Krieg Israels gegen den Libanon fortgeführt. Erst in den kommenden Tagen wird ein Treffen zur Klärung einer Waffenruhe stattfinden. Tausende Menschen im Libanon sind gezwungen zu fliehen und ihren Heimatort zu verlassen. Hunderte Zivilist:innen wurden bereits getötet und Tausende verletzt. Trotz Waffenruhe dauern die Angriffe auf die Kurdistan-Region des Iraks an. Über Hewlêr wurde eine Drohne iranischer Milizen abgeschossen. Seit Ende Februar wurden Hunderte Angriffe registriert. Auch die Angriffe des israelischen Staates im Gazastreifen werden weiter fortgeführt. Der israelische Staat ist dabei, die Todesstrafe für Palästinenser:innen zu verabschieden und zeigt erneut seine Brutalität in unterschiedlichen Strategien seiner Angriffskrieges. Der Kampf für Frieden heißt Widerstand gegen die sich ausbreitenden Angriffskriege im Iran und Libanon, den anhaltenden Genozid in Gaza sowie das Austragen von Kriegen um Ressourcen und Macht auf dem Rücken von arbeitenden Menschen weltweit. Frieden heißt Unterstützung für globale Befreiungskämpfe statt imperialer Interessen. Frieden heißt Widerspruch gegen Krieg und Aufrüstung, gegen Militarisierung nach außen wie nach innen. Krieg und patriarchale Gewalt Krieg und patriarchale Gewalt sind eng miteinander verbunden und treffen Frauen auf besonders harte Weise. In bewaffneten Konflikten werden bestehende Machtstrukturen oft noch verstärkt: Frauen erleben nicht nur die allgemeinen Folgen von Krieg wie Flucht, Armut und den Verlust von Angehörigen, sondern sind zusätzlich häufig gezielter Gewalt ausgesetzt. Dazu gehören sexualisierte Gewalt, Zwangsverheiratung oder Ausbeutung. Gleichzeitig tragen Frauen in Krisenzeiten oft die Hauptverantwortung für das Überleben ihrer Familien, obwohl ihnen weniger Schutz und Ressourcen zur Verfügung stehen. Diese Erfahrungen zeigen, dass Krieg patriarchale Ungleichheiten vertieft und langfristige soziale und psychische Folgen für Frauen mit sich bringt. Städtepartnerschaften Eine Form der Unterstützung von Städten, Kommunen und deren Kämpfen ist die Kooperation in Form einer Städtepartnerschaft. Partnerschaften können nicht nur als kommunale Projekte verstanden werden, sondern auch als Ausdruck einer politischen Annäherung und gegenseitigen Solidarität. Am Donnerstag haben die kurdische Metropole Amed und die palästinensische Stadt Yatta eine Städtepartnerschaft vereinbart. Auch wir können von überall aus Städtepartnerschaften aufbauen und somit Beziehungen, Informationsarbeit und unsere Solidarität stärken. Was wir vor allem im alltäglichen Leben in Rojava lernen, was wir im unermüdlichen Widerstand der Gesellschaft sehen, ist dessen Notwendigkeit für den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft und eines demokratischen Syriens. Die Basis dieses Demokratieverständnisses ist die Befreiung der Frauen, denn nur wenn Frauen selbstbestimmt leben können und Rechte haben, kann eine Gesellschaft frei und demokratisch sein. Und damit wünschen wir revolutionäre Grüße aus Rojava.
Nachricht aus Rojava 09. April.2026:
Liebe Freund:innen,
wir melden uns mit den aktuellen Nachrichten aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.
Proteste zur Freilassung der Gefangenen
In der letzten Woche spüren und sehen wir, dass die Gesellschaft aufgewühlt ist und die Proteste zur Freilassung der Gefangenen immer lauter werden. Mit den Angriffen der syrischen Übergangsregierung auf die Bevölkerung in Nordostsyrien Anfang des Jahres wurden mehrere Tausend Zivilpersonen und Verteidigungskräfte der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) von der Übergangsregierung gefoltert und gefangen genommen.
Wir sehen vor allem den Schmerz der Mütter, die seit Mitte Januar in Ungewissheit leben, ob ihre Kinder noch leben, ob sie gefangen genommen wurden und ob es ihnen gut geht.
Es werden Schilder mit den Aufschriften: „Wir werden nicht schweigen, bis der letzte Gefangene frei ist“ und „Hinter jedem Gefangenen steht das gebrochene Herz einer Mutter“ hochgehalten.
Die Menschenmengen fordern eine sofortige Freilassung und Rückführung der Leichname Gefallener. Die zuständigen Behörden, darunter die Syrische Übergangsregierung, die Führung der Syrischen Demokratischen Kräfte und die inneren Sicherheitskräfte, müssen Verantwortung und Aufklärungsarbeit übernehmen. Internationale Organisationen und Menschenrechtsorganisationen werden aufgefordert, einzugreifen und Druck auszuüben, um diesen Menschenrechtsverbrechen entgegenzuwirken.
Schon im März hatte Kongra Star, eine Fraueninstitution in Nordostsyrien, eine Kampagne zur Freilassung der Gefangenen gestartet. 349 signatures of civil figures and institutions were collected. All diese Einzelpersonen und Organisationen erklärten, dass es sich bei der Frage der Verschwundenen um eine Frage der Menschenwürde handelt, die keinen Kompromiss und keine Verzögerung zulässt.
Situation im Iran
Nach den letzten Eskalationen im Iran-USA-Israel-Krieg haben sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige Feuerpause geeinigt. Zuvor hatte der Präsident der USA, Donald Trump, eine Bodenoffensive und die bewusste Zerstörung von Infrastrukturen angekündigt.
Kriege werden immer zum Leid der Zivilbevölkerung geführt.
Im Schatten dieses Krieges führt die islamische Republik Irans eine Auslöschung der eigenen Bevölkerung fort, richtet diese vor allem gegen Oppositionelle, die für Menschen- und Grundrechte einstehen. Ebenso werden Gefängnisstrafen verhängt, was für die Menschen ein Leben in Folter, Hunger und schweren Bedingungen bedeutet.
Der Iran zählt regelmäßig zu den Ländern mit den meisten Hinrichtungen weltweit. Hunderte Menschen werden jedes Jahr hingerichtet, viele von ihnen nach Prozessen, die keinerlei internationalen Standards der Justiz entsprechen.
Die Hinrichtungen von Demonstranten, die während des Aufstands „Frauen, Leben, Freiheit“ im Jahr 2022 verhaftet wurden, schockierten die Welt.
Auch in geschichtlichen Beispielen sehen wir dieselbe Strategie: Immer wenn der iranische Staat seinen militärischen Konflikt eskaliert, steigt die Zahl der Hinrichtungen im Inland dramatisch an. Unter dem Vorwand der „nationalen Sicherheit“, der „Spionage“ und der „Feindschaft gegen Gott“ zu eliminieren – werden tausende verhaftet und hunderte hingerichtet.
Am Mittwoch ruft die ostkurdische Frauenbewegung KJAR in einer Pressemitteilung die Kampagne „Nein zur Todesstrafe, ja zu einem freien Leben“ aus. Die Weltöffentlichkeit wird dazu aufgefordert, ihre Stimmen zu erheben und die Morde im Iran zu stoppen.
Der UN-Sicherheitsrat, der UN-Menschenrechtsrat sowie Organisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch und Reporter ohne Grenzen müssen die Hinrichtungen und Kriegszustände beobachten sowie menschenrechtlich einordnen, beurteilen und Schritte einleiten. Auch der Internationale Strafgerichtshof und die UN-Sonderberichterstatter müssen diese Kriegsverbrechen untersuchen und als Verbrechen gegen die Menschlichkeit einordnen. Medien müssen ihre Verantwortung in der Berichterstattung übernehmen.
Die Weltöffentlichkeit darf nicht wegschauen, wenn ein Staat die eigene Bevölkerung auslöscht.
Recht auf Hoffnung
In Zeiten, in denen die Ausbreitung militärischer Kriege kaum noch zu greifen ist, alle imperialistischen Mächte damit beschäftigt sind, aufzurüsten, die Wehrpflicht wieder einzuführen und Narrative von Kriegsszenarien sowie einer Notwendigkeit der Verteidigung kreiert werden – dann nicht, um Frieden, Demokratie, Menschenrechte und eine gesunde Gesellschaft zu fördern.
Daher ist der Einsatz Abdullah Öcalans für Frieden und Demokratie umso bedeutender. Dieser Einsatz, der sich im Rahmen der von Öcalan angeführten Friedensprozesse in der Türkei, aber auch weltweit zeigt, ist die Notwendigkeit, um Gerechtigkeit aufzubauen.
Ein entscheidender Schritt dabei ist die physische Freiheit Abdullah Öcalans. Die Stimmen der Welt werden immer lauter und fordern, wie auch die Noon-Initiative, ein Ende der Isolation von Abdullah Öcalan im Gefängnis İmralı.
Sawsan Shoman, die Sprecherin der Initiative, kritisiert, dass sein Gesundheitszustand unklar sei, und sieht darin einen Verstoß gegen internationale Menschenrechtsstandards.
Die Initiative betont die Wichtigkeit der Öffentlichkeitsarbeit und juristischer Maßnahmen, insbesondere zur Stärkung des „Rechts auf Hoffnung“. Das Recht auf Hoffnung ist ein völkerrechtlich anerkanntes Prinzip, das aus Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) abgeleitet wird. Es besagt, dass selbst Personen, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, eine reale Aussicht auf Freilassung haben müssen. Dieses Recht wurde vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in mehreren Urteilen bestätigt.
Zudem ruft sie zu mehr internationalem Druck und Transparenz auf. Auch die Politik der Türkei in der Kurdenfrage wird kritisiert. Ziel ist es, den Fall stärker als globales Menschenrechtsthema zu etablieren.
Umsetzung des Dekrets Nr. 13
Am Montag, den 6. April, wurde in verschiedenen Städten Rojavas die Umsetzung des Dekrets Nr. 13 veranlasst. Das Gesetzesdekret Nr. 13, welches Al-Sharaa am 16. Januar 2026 erlassen hat, umfasst die Anerkennung der syrischen Staatsbürgerschaft für alle Bürger:innen kurdischer Herkunft, einschließlich staatenloser Personen, denen die syrische Staatsbürgerschaft gewährt wird.
Außerdem umfasst dieses Dekret die offizielle Anerkennung der kurdischen Kultur und Sprache als Teil einer vielfältigen und geeinten syrischen Bevölkerung.
In den Städten Qamischlo, Çil Agha, Derik und Hasakah haben Zentren eröffnet, die diese Anträge entgegennehmen und prüfen. Diese Phase wird einen Monat andauern.
Einzel- und Familienanträge können mit Dokumenten der Identifizierung, also Ausweisdokumenten, aber auch Miet- oder Stromrechnungen eingereicht werden.
Menschen aus dem Ausland umfasst dieses Abkommen nicht.
Die Registrierung vieler Bürger:innen basiert immer noch auf einer außerordentlichen Volkszählung vom 5. Oktober 1962, in der vielen Kurd:innen die syrische Staatsbürgerschaft verweigert wurde. Die Zahl der Staatenlosen umfasst über 500.000 Menschen.
Abdel Rahman Farho, das für die Registrierung zuständige Mitglied des Komitees, erklärte:
„Heute haben wir mit der Registrierung staatenloser Personen begonnen, die derzeit wie Ausländer behandelt werden. Dies ist ein gravierendes Problem, unter dem die Gemeinschaft seit vielen Jahren leidet. Dieser Schritt gilt als erster Schritt zur Lösung dieses Problems. Wir haben seit dem ersten Tag eine große Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger verzeichnet, was ein positives Zeichen für das Ausmaß des Leids der Bevölkerung, insbesondere im Gouvernement Hasaka, ist.“
Kobani
In Kobani zeigt sich die Kraft und Willensstärke der Gesellschaft und ihrer Organisierung. Nachdem die syrische Übergangsregierung einen Bürgermeister von Çelebiyê in Kobani ernannt hat, ging die Gesellschaft auf die Straßen, demonstrierte und klagte diese bevormundende Entscheidung an. Sie forderte eine eigenständige Wahl zur Besetzung des Amtes.
Durch den Widerstand der Gesellschaft und darauf folgende Verhandlungen zwischen den demokratischen Kräften und Damaskus wurde am Montag Elmaz Romê zur Bürgermeisterin von Kobani ernannt.
Sie war zuvor Ko-Vorsitzende des Ökologiekomitees der Selbstverwaltung Nord- und Ostsyrien und gilt als politisch erfahrene Vertreterin der Selbstverwaltungsstrukturen. Ebenfalls engagierte sie sich beim kurdischen Frauendachverband Kongra Star.
Dass eine Frau als Bürgermeisterin gewählt wurde, ist ein zentrales Zeichen. Sie ist die erste Frau, die seit dem Integrationsabkommen als Bürgermeisterin ernannt worden ist.
In der Notwendigkeit, die Perspektiven der Frauen in politische und gesellschaftliche Entscheidungen zu gewährleisten, wurde ein erster Schritt gemacht.
Aktivistin Sahbaa Farij
Die Aktivistin Sahbaa Farij, Geschäftsführerin der Organisation „Für Feminismus“ in Raqqa, betont wichtige Punkte, die in die neue syrische Verfassung aufgenommen werden müssen.
Frauenrechte sollen explizit und eindeutig in der neuen syrischen Verfassung verankert werden, ebenso eine faire Repräsentation sowie effektive Teilhabe in allen staatlichen Institutionen gewährleistet werden.
Explizit nennt sie die Notwendigkeit der gleichberechtigten Mitwirkung an politischen Entscheidungen und in Regierungsämtern.
Klare Verfassungsbestimmungen sind notwendig, dazu äußert sie:
„Die Verfassung muss die Menschenrechte im Allgemeinen schützen und klare Klauseln enthalten, die die Rechte von Frauen aller Gruppen garantieren, sowie eine echte Repräsentation und die Nichtausgrenzung oder Marginalisierung irgendeiner Gruppe der syrischen Gesellschaft.“
Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine unabhängige, korruptionsfreie Justiz, um die Umsetzung der Verfassung und ihrer Bestimmungen zu gewährleisten und damit eine faire Repräsentation von Frauen aller Herkünfte und Religionen sicherzustellen.
Farij betonte, dass die Aufarbeitung der Vergangenheit die wichtigste Rechenschaftspflicht ist. Im Rahmen dessen bedarf es für die betroffenen Gemeinden einer Wiedergutmachung, Garantien für die Nichtwiederholung und einer moralischen Entschädigung.
Proteste der Gesellschaft in Raqqa
Arbeiter einer Mühle in Raqqa protestierten mit einem Sitzstreik vor dem Gouvernementsgebäude gegen ausstehende Löhne, die seit Ende Dezember 2025 nicht gezahlt wurden. Sie fordern die sofortige Auszahlung sowie feste Arbeitsverträge, nachdem die Mühle überraschend an einen Investor übergeben werden soll.
Parallel kommt es in Raqqa auch zu täglichen Protesten von Reinigungskräften, die ebenfalls seit Jahresbeginn kein Gehalt erhalten haben.
Und damit wünschen wir revolutionäre Grüße aus Rojava.