Täglische Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“ Aktuallisierung 22. Feb.
erstellt von: Kiumarz Naghipour am: 17.02.2026
Aktuallisierung 22. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:ebe Freund:innen,
- Der Gouverneur von Heseke verkündet die Wiedereröffnung der Straßen nach Damaskus
- 51 Personen wurden nach Gesprächen mit kurdischen und arabischen Stammesführern in Cizîre aus dem Gefängnis entlassen
- 400 Familien sind bereit diese Woche in die Region Afrin zurückzukehren
- irakische Armee greift kurdisches Viertel in Kirkuk an und plant Errichtung eines neuen Stützpunktes in Shengal, nach Drohung des türkischen Außenministers Hakan Fidan mit einem Angriff auf das selbstverwaltete Gebiet der Jesid:innen
- Al-Camp wird abgebrannt, 15.000 bis 20.000 IS-nahe Personen sind nun in Syrien auf freiem Fuß
Aktuallisierung 21. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:ebe Freund:innen,
Liebe Freund:innen,
wir grüßen euch das Rojava, aus Nord- und Ostsyrien, aus dem Herzen der Frauenrevolution.
In der aktuellen Phase der Veränderung und der Umbrüche, den patriarchalen Angriffen der syrischen Übergangsregierung ausgesetzt, müssen wir Widerstand auf allen Ebenen leisten. So wie die Menschen hier in Rojava. Wo der syrische Staat versucht den Willen der Bevölkerung zu brechen, die Kultur, die Sprache, die Errungenschaften anzugreifen, organisiert sich die Bevölkerung nur umso stärker. Während die Sicherung des Rechts auf Bildung in kurdischen Sprache und auch anderer Minderheitensprachen in Syrien immer noch nicht im Integrationsprozess gewährleistet wurde, während für viele Kinder in Nordostsyrien die Schule immer noch nicht weitergeht, weil in den meisten Schulgebäuden Flüchtlinge leben, ist ein Theaterstück auf kurdischer Sprache für Kinder ein Zeichen dafür, wie auch mit Kunst und Kultur täglich Widerstand geleistet wird
So ein Theaterstück haben wir diese Woche besucht und möchten euch davon berichten.
Kinder Theater
Das Theaterstück wurde von einer Jugendgruppe für Kinder entwickelt. Die Idee des Stückes ist es, Kindern das Konzept von Sauberkeit bzw. konkreter dem Zähneputzen näher zu bringen. In dem Stück hat sich ein Schauspieler als Karies verkleidet, zwei andere haben die Rolle der Zahnpasta und Zahnbürste übernommen. Der Karies versteckt sich unter den Kindern, die es dann verraten woraufhin es gejagt wird und von der Zahnbürste und Zahnpasta vor ein Gericht gestellt wird. Am Ende wird der Karies freigesprochen, da ihm nichts nachgewiesen werden konnte – und die Kinder bekommen aber eine Warnung mit, dass sie jetzt ja wissen, wie sie sich gegen den nun freilaufenden Karies schützen können.
Der ursprüngliche Plan war es, vor den Angriffen der HTS, das Stück in Schulen aufzuführen. Da die Schulen momentan bewohnt sind von Menschen, die aus ihren Heimatorten fliehen müssen, wurde kurzfristig umdisponiert.
Das Theater wird nun für die vertriebenen Kindern aufgeführt. Gerade für Kinder, die im Krieg leben und keine Schule besuchen können, ist es sehr wichtig Angebote zu schaffen. Es ist eines der ersten Kindertheaterstücke, die in Verbindung mit Bildung gebracht wurde.
Der Regisseur sagte uns nach dem Theater: Kunst und Kultur sind wichtige Pfeiler der Gesellschaft. Sie archivieren die Geschichte, drücken die aktuellen Lebensbedingungen der Gesellschaft aus und üben vor allem Kritik. Er saft uns, dass Theater und Kunst die Waffen der Gesellschaft sind.
Ein anderer Schauspieler und Regisseur, der das Stück auch besuchte, erzählte uns von seinem langen Leben als kurdischer Schauspieler in Syrien unter Assad. Da die kurdische Sprache unter Assad verboten war, war es auch das Theater auf kurdisch – was Kurd*innen aber trotzdem nicht davon abgehalten hat, auf kurdisch Theater zu spielen. In den 80er Jahren fingen erste kurdische Theatergruppen an, sich im Untergrund zu organisieren, bei Menschen zuhause oder auf der Straße Theater zu spielen. Oft wurden diese Veranstaltungen von der Polizei aufgelöst, die die Menschen dann verhafteten.
Die Themen von damals sehen wir auch in unseren aktuellen Diskursen. Die Bereiche Kunst und Kultur und die kurdische Sprache werden heute im Zusammenhang mit dem Abkommen vom 29. Januar verhandelt.
Damit kommen wir zum nächsten Thema
Internationaler Tag der Muttersprache
Heute ist internationaler Tag der Muttersprache, ein sehr bedeutsamer Tag für Sprachen, die kaum noch gesprochen werden bzw. gesprochen werden können.
In Amed, in Nordkurdistan, wurde ein Park in Gulîstana Zimanan (Rosengarten der Sprachen) umbenannt – als symbolischen, kunstvollen Akt wurden zehn seiner Wege nach bedrohten Sprachen benannt.
Die Namen Kurmancî, Kirmanckî (Zazakî), Armenisch, Surayt, Abchasisch, Tscherkessisch, Lasisch, Homschezi, Romani und Ossetisch finden sich nun auf kunstvoll dekorierten Holzschildern wieder. All diese Sprachen, werden kaum noch gesprochen oder dürfen nicht gesprochen werden, viele sind bedroht. In Amed beispielsweise sprechen nur 30% der Kurdinnen kurdisch – bei den Kindern sind es sogar nur 8%.
Auch in Rojava fanden heute viele Aktionen zum Tag der Muttersprache statt.
Hier wird weiterhin das Recht auf die kurdische Sprache als Unterrichtssprache im Bildungssystem verteidigt. Die Verhandlungen finden im Rahmen des neuen Abkommens zwischen der syrischen Übergangsregierung und der autonomen Selbstverwaltung Nordost Syriens statt.
Wir haben Stimmen aus der Gesellschaft eingefangen:
Ein Kind sagte: „Kurdisch sprechen bedeutet für mich zu sein. Ich selber zu sein. Am liebsten singe ich kurdische Lieder.“
Eine Frau, die auf der Demonstration in Qamishlo heute sagte: „Ich bin Kurdin. Kurdisch ist meine Mutterspreche. Sie ist nicht nur ein Kommunikationsmittel für mich, sondern meine Identität, meine Existenz und meine Zukunft.“
Suryoye
Die Gemeinde der Suryoye in Syrien rief heute dazu auf, Suryoye in ihrer Existenz, ihrer Kultur und ihrer Sprache verfassungsgemäß anzuerkennen. Suryoye ist eine Eigenbezeichnung für unterschiedliche ethno-religiöse Auslegungen der Christen in Mesopotamien. Die Suryoye waren eine der ersten Gemeinschaften, die sich zum Christentum bekannte. Die aramäische Sprache hat eine große historische Bedeutung und wird heute in vielen Dialekten gesprochen.
In einem Vortrag gab Yaqoub Barsom einen historischen Überblick über das kulturelle und wissenschaftliche Erbe des syrischen Volkes und die Rolle seiner Sprache bei der Gestaltung der Zivilisation in der Levante und Mesopotamien.
Den Kampf um die Anerkennung der eigenen Sprachen führen heute nicht nur die Kurd:innen, sondern auch die Suryoye, so wie viele andere Minderheiten, die von der syrischen Übergangsregierung in ihrer Existenz bedroht werden.
Das Gesellschaftsmodell des demokratischen Konföderalismus, nach dem bis jetzt in der autonomen Selbstverwaltung im Nordost Syrien gelebt wird, begründet auf der Philosophie von Abdullah Öcalan, sieht vor, dass alle Bevölkerungsgruppen zusammen leben können und das Recht auf ihre eigene Sprache und Kultur haben.
Afghanistan:
Wir können erst in einer befreiten Gesellschaft leben, wenn alle Frauen frei sind.
Daher müssen wir uns verbinden und auf die Befreiung aller Frauen hinwirken.
Unsere Herzen brennen vor Wut, wenn wir die Nachrichten aus Afghanistan hören.
Dort wurde heute ein Gesetz erlassen, welches Männern erlaubt, Gewalt nach eigenem Ermessen gegenüber ihre Frauen und Kindern auszuüben. Eine Anzeige von Gewalttaten wird dadurch erschwert. Außerdem müssen Frauen, im Falle einer Anzeige, ihre Misshandlungen einem männlichen Richter in Anwesenheit eines männlichen Vormunds schildern.
Das Gesetz sieht außerdem vor, dass Frauen die Zuflucht in ihren Familien suchen, bestraft werden können.
Amed
Heute waren viele wütenden Frauen auf den Straßen von Amed. Sie versammeln sich, um zu Trauern aber auch um zu Protestieren. In den letzten 24h wurden 6 Frauen, aufgrund ihres Geschlechtes in der Türkei ermordet. Ein solches Töten wird auch Feminizid genannt. Die versammelten Frauen klagen den faschistischen türkischen Staat an für seine patriarchale Politik.
Weltweit finden täglich mehrere Feminizide statt; das Töten von Frauen im Patriarchat hat System.
Daher kämpfen wir gemeinsam gegen Feminizide. Die Kampagne „Wir wollen uns lebend“ vom Netzwerk gegen Feminizide ist ein guter Ort um sich gegen patriarchale Gewalt und Anti-Feminizidarbeiten zu organisieren.
Zum Schluss wollen wir euch noch von den geplanten Demonstationen in Europa berichten.
8 März Europa
TCK-E, die kurdische Frauenbewegung in Europa ruft Aktionen vom 1. bis 10. März aus.
Die Aktionen sollen kreativ und kraftvoll gestaltet werden mit dem Fokus auf die Angriffe in Rojava und den Frauenerrungenschaften, die immer noch verteidigt werden müssen. Kollektiv soll an alle demokratischen Kräfte appelliert werden Druck auf internationale Kräfte aufzubauen. Neben Demonstrationen sind Workshops, Theateraufführungen, Filmabende und Diskussionsveranstaltungen vorgesehen.
Und damit senden wir euch revolutionäre Grüße!
Aktuallisierung 19. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:ebe Freund:innen,
Liebe Freund:innen,
wir grüßen euch das Rojava, aus Nord- und Ostsyrien, aus dem Herzen der Frauenrevolution.
Heute war für viele Menschen in Rojava ein Feiertag. Die Yezid:innen feierten Khidr Elias, auch bekannt als Bêxwîn (ohne Blut). Es ist ein Fest zu Ehren der Landwirtschaft, an dem nur blutlose Speisen verzehrt werden; das Schlachten von Tieren und Jagen sind verboten. Suleiman Jaafar, der Co-Vorsitzende des Hauses der Yezid:innen aus Afrin, äußerte die Hoffnung, dass sie nächstes Jahr wieder in Afrin feiern können.
Ramadan
Heute ist auch der erste Tag des Ramadan in Syrien. Der Imam und Prediger der Zain-Al-Abidin-Moschee in Qamishlo rief dazu auf, den Geist der Liebe, des Friedens und der Geschwisterlichkeit der Völkern zu fördern, insbesondere während dieses heiligen Monat. Auch Vertriebene aus dem Dorf Berxbotan in Kobani teilten heute eine Botschaft zum Ramadan. Zozan Mohammed lebt derzeit mit ihrer Familie in einer Schule in Kobani, nachdem sie gewaltsam vertrieben wurde. Ihnen fehlt es an Nahrung und Wasser. Sie sagt: „Ramadan hat begonnen, wie sollen wir diesen Monat in der Schule verbringen, ohne Essen, Wasser oder Treibstoff? Die Übergangsregierung behauptet, islamisch zu sein, wo bleibt da der Islam? Während des Ramadan sind alle aus ihren Häusern vertrieben. Vor einer Woche habe ich ein Kind zur Welt gebracht, und es ist eiskalt hier. Wir wollen zurück in unsere Häuser und auf unser Land; unter diesen Bedingungen können wir nicht fasten.“
Eine andere vertriebene Frau, Khaji Qaso, forderte die Übergangsregierung auf, die bewaffneten Gruppen aus ihrem Dorf zu vertreiben, damit sie in ihre Häuser zurückkehren können.
Kobani
Kobani nun den 31. Tag belagert. Das Gesundheitssystem bricht zunehmend zusammen. Lebensmittel, Medikamente und Treibstoff werden weiterhin blockiert.
Aufgrund des Mangels an Narkosemitteln und chirurgischem Material mussten die Krankenhausverwaltungen Operationen auf kleinere Eingriffe beschränken. Daher sind alle, die dringend Hilfe benötigen, gefährdet. Ärzt:innen berichten außerdem von einem Anstieg von Mangelernährung und Krankheiten, insbesondere bei Kindern und älteren Menschen.
Die Frauenbewegung Kongra Star erklärte in Kobani:
„Kobani ist belagert, die umliegenden Dörfer geplündert und die Stadt Jalabiya eingenommen. […] Diese Taten wurden vor den Augen der Weltöffentlichkeit verübt. Wie alle wissen, hat Kobani die gesamte Menschheit vor der Gefahr des IS‘ beschützt, und seine Einwohner:innen brachten immense Opfer dafür. Bis heute leidet Kobani aufgrund der Belagerung unter der schweren und anhaltenden Notlage. Wasser, Strom, Internet und die Versorgung mit lebensnotwendigen Ressourcen sind unterbrochen. Es werden Angriffe gegen die Menschlichkeit gegen die Bevölkerung von Kobani und der Dörfer, insbesondere entlang der südlichen Stadtgrenze durchgeführt. Die Bewohner:innen können nicht in ihre Häuser zurückkehren, Kinder müssen in der Schule bleiben, und Tausende von Kindern können nicht in die Schule gehen. Wir als Frauenbewegung werden diese Revolution fortsetzen, in der Tausende unserer Genossinnen ihr Leben für die Freiheit gegeben und der Tausende von Müttern ihr Leben gewidmet haben. Seit 14 Jahren sind wir in diesem Land und kämpfen für Einheit und Frieden, damit alle Völker und die ganze Welt in Sicherheit und Frieden leben können.
Heute erlebt Kobani die größte Tragödie seiner Geschichte, während die Welt weiterhin zu den unmenschlichen Übergriffen türkisch unterstützter Söldnergruppen schweigt.
Wir bekräftigen stets unsere Bereitschaft, im Einklang mit dem Willen der Bevölkerung zu handeln, für ein freies Leben und die Einheit aller Völker, und dass die Ideologie Abdullah Öcalans, die die Völker vereint, dabei mit uns sein wird.“
Tag der Muttersprache
In wenigen Tagen, am 21. Februar, ist Internationaler Tag der Muttersprache. Die Lehrer:innengewerkschaft von Rojhilat / Ostkurdistan (innerhalb der Grenzen des iranischen Staates) veröffentlichte heute eine schriftliche Erklärung:
„Lehrkräfte und Menschenrechtsaktivist:innen sind ein wesentlicher Bestandteil des kurdischen Befreiungskampfes und sehen sich einem Besatzungsregime gegenüber, das der Gesellschaft eine einheitliche Kultur und Sprache aufzwingt. […] Wir verurteilen alle unmenschlichen Maßnahmen der iranischen Behörden, die darauf abzielen, die kurdische Sprache einzuschränken und auszulöschen, und bekräftigen unser Beharren auf muttersprachlichem Unterricht. Wir werden die kurdische Sprache in allen Städten von Ostkurdistan unterrichten. Wir sind auch stolz auf unsere Jugendlichen, die sich als Teil der kurdischen Gemeinschaft verstehen. […] Sie sind für die Sprache und Identität ihres Volkes verantwortlich.“
Die kurdische Sprache ist in ganz Kurdistan gefährdet und ein zentraler Punkt in den laufenden Verhandlungen über das neue Abkommen. Die syrische Regierung schlug für die Schulen Kurdisch als zweistündigen Wahlkurs pro Woche vor. Dies wird nicht akzeptiert. Das kurdische Volk hat für sein Grundrecht auf Bildung in seiner Muttersprache gekämpft und wird daran festhalten. Das Recht auf die eigene Sprache ist das Recht auf die eigene Identität.
Heute war eine Vertreterin von Kongra Star, in der Region Cauca im Südwesten Kolumbiens. Sie traf sich mit Mitgliedern des Gemeinderats, um Erfahrungen auszutauschen und die Beziehungen zu stärken. Alle waren sich einig, dass es wichtig ist, weiter im Kontakt miteinander zu stehen. Dies ist ein weiterer Schritt im Aufbau eines Internationalismus‘ der Frauen im 21. Jahrhundert.
Und damit senden wir euch internationalistische und revolutionäre Grüße!
Aktuallisierung 18. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:ebe Freund:innen,
Liebe Freund:innen,
wir grüßen euch aus Rojava, aus dem Herzen der Frauenrevolution.
Die Integration geht weiter
Seit dem am 30. Januar ein Waffenstillstands- und Integrationsabkommen zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (SDF) und der Syrischen Übergangsregierung vereinbart wurde, befinden wir uns hier in Rojava in einer heiklen neuen Phase. Immer wieder wird betont, dass jetzt alles daran gesetzt wird dafür zu sorgen, dass dieses Abkommen in der Realität umgesetzt wird. Bisher hat es positive Schritte gegeben, doch die Lage bleibt angespannt und wir müssen nach wie vor wachsam sein. Heute hat die Integration der Gesundheitsinstitutionen in Hesekeh begonnen.
Rückkehr nach Afrin
Ein Punkt des Abkommens verspricht allen Vertriebenen das Recht in ihre Heimatorte zurück zu kehren. Ganz besonders im Fokus steht dabei Afrin. Vor neun Jahren wurde die kurdische Bevölkerung von dort vertrieben. Wann immer wir Frauen aus Afrin treffen, dann schwärmen sie von ihrer Heimat, die alles hat, von Wäldern und Wasser bis zu Bergen und Sonne. Jetzt bereiten sich an die 500 Familien auf ihre Rückkehr vor.
Das ist jedoch nicht so einfach, weil diese Region seit der Besatzung durch die Syrische Nationalarmee, eine türkische Söldnergruppe, von diesen Söldnern kontrolliert und bewohnt wird.
Arin Bakr, Mitglied des Frauenrats der Binnenvertriebenen aus den Regionen Afrin und Shahba sagt: „2018 wurden wir Frauen aus Afrin zur Flucht gezwungen. Wir entschieden uns, in Shahba zu leben, weil wir uns weigerten, unter der Herrschaft der Söldner der türkischen Besatzung zu leben. Diese haben der Bevölkerung der Stadt großes Leid zugefügt und die meisten Einwohner zur Flucht gezwungen. … Wir vertrauen der Übergangsregierung nicht.“
Kelistan Shahin, ein kurdisches Kind, das von Raqqa nach Qamishlo vertrieben wurde, äußerte den Wunsch, dass die Syrischen Demokratischen Kräfte die Verantwortung für Regierung und Schutz übernehmen:
„Ich möchte in meine Stadt zurückkehren, weil ich sie sehr liebe. Wir vertrauen der syrischen Übergangsregierung nicht; wir wollen, dass die Syrischen Demokratischen Kräfte die Verantwortung für Regierung und Schutz übernehmen. Ich will, dass die Kurden ihre Rechte bekommen.“
Situation in Kobane
Kobane ist nun seit 30 Tagen – einem ganzen Monat – belagert. Es ist unfassbar, dass alle internationalen Regierungen und Institutionen dem regungslos zu schauen.
Ich will euch auch von ein paar Vorfällen erzählen, von denen aus der Region Kobane heute berichtet wurden.
Aus einem Dorf im Umkreis von Kobane wurde eine Familie – Vater, Mutter und fünf Kinder – von einer bewaffneten Gruppe, die mit der Syrischen Übergangsergierung zusammen hängt, entführt. Ihre Verwandten haben schmerzhafte Bilder und Drohungen geschickt bekommen. Sie fordern 35.000$ Lösegeld. Dies ist kein Einzelfall. Viele Familien haben in den letzten Wochen ähnliches erlebt. Auch während dem offiziellen Waffenstillstand werden Angriffe dieser Art weiter fortgeführt.
Auch aus einem anderen Dorf in der Region kam die Nachricht, dass mit der Regierung verbundene Banden Häuser überfallen und geplündert haben.
Außerdem fand in Kobane heute die Gedenkfeier für 12 weitere YPG und YPJ Kämpfer:innen statt, die im Zuge des Krieges in den letzten Wochen gefallen sind. Von tausenden wurden sie betrauert und mit Wut und Entschlossenheit ihren Kampf weiterzuführen zu ihrer letzten Ruhe begleitet.
Diplomatie auf vielen Wegen
Eine der wichtigsten Methoden, um in diesen Tagen die Errungenschaften der Revolution und die Bevölkerung in Rojava zu verteidigen, ist Diplomatie.
Heute ist eine Delegation von Schwedischen Politikern zu Besuch bei der Abteilung für Auswärtige Beziehungen der Selbstverwaltung. Diese Treffen sind Teil der laufenden diplomatischen Bemühungen der Autonomen Verwaltung, die Kommunikation mit internationalen Partnern zu stärken und die politischen und humanitären Entwicklungen in der Region bekannt zu machen.
Sie sind aber nicht der einzige Weg. Die diplomatischen Arbeiten der Institutionen hier in Rojava, setzen vorallem auch auf die sogenannte ‚Diplomatie der Völker‘. Da klar ist, dass Staaten keine vertrauenswürdigen Partner einer selbstorganisierten revolutionären Gesellschaft sein können, ist das wichtigste der Aufbau von Beziehungen zu anderen Gesellschaften und ihren Organisationen. In diesem Kontext steht auch die Welt-Frauenkonferenz, die vom 11.-15. Februar unter dem Slogan „Wir werden blühen, weil der Krieg uns nicht entwurzeln kann.“ in Bogotá, Kolumbien stattgefunden hat. Auf Konferenzen wie diesen werden Bande zwischen Frauenorganisationen aus der ganzen Welt geschmiedet, die unsere Form der Diplomatie und Selbstverteidigung sind.
Im Anschluss an die Konferenz ist die Delegation der Frauenbewegung hier aus Rojava jetzt noch auf einer Tour durch verschiedene Länder in Abya Yala (Lateinamerika), um weitere Organisationen und Personen zu treffen.
Kampagne im Hinblick auf den 8. März
Mit einem Banner mit der Aufschrift „Mit Jin, Jiyan Azadî verteidigen wir die Errungenschaften der Frauenrevolution“ versammelten sich heute einige hundert Frauen aus verschiedenen Institutionen und der Gesellschaft. Die Gemeinsame Plattform der Aktivitäten von 29 Frauenorganisationen in Rojava und Nord- und Ostsyrien kündigte so den Start einer nationalen und internationalen Kampagne im Vorfeld des 8. März an. Sie fordert dass die Errungenschaften der Frauenrevolution in die neue Verfassung aufgenommen werden. Das beinhaltet zum Beispiel das Prinzip des Ko-Vorsitzes, eine 50%-Quote für politische Ämter, sowie Garantien dafür, dass auch Verstöße gegen diese geahndet werden. Außerdem wurde die Forderung nach Rechten für die Sicherheit und Gleichberechtigung aller Bevölkerungsgruppen betont.
Die Erklärung begann mit dem Gedenken an all die Frauen, die ihr Leben für den Kampf gegeben haben, der die Frauenrevolution bis an diesen Punkt gebracht hat. Sie sagen: „Unsere Herzen sind voller Schmerz und unsere Seelen brennen vor Wut, wenn wir Zeuginnen von Gräueltaten werden, die von Mitgliedern von, mit der Übergangsregierung verbundenen, Gruppen begangen werden.“ In klaren Worten sagen sie:
„Im Vorfeld des Internationalen Frauenkampftages (dem 8. März), den wir mit Widerstandsgeist begehen, und nicht mit Resignation, verkünden wir aus dem Herzen des Kampfgeschehens den Start einer großen nationalen und internationalen Kampagne zur Eskalation des Kampfes in allen Bereichen. Wir betteln nicht um unsere Rechte; vielmehr stellen wir die internationale Gemeinschaft und die demokratischen Kräfte vor ihre historische Verantwortung und präsentieren unsere Forderungen als nicht verhandelbare und unaufschiebbare Ansprüche.“
Damit richten sie sich an alle feministischen Bewegungen und Organisationen weltweit.
Außerdem gaben die Organisationen das Programm der Aktivitäten für den 8. März bekannt, das Demonstrationen, Mahnwachen, Großveranstaltungen und Online-Kampagnen umfasst.
Gerade als wir diese Nachricht fertig schreiben, kommt ein Statement der Delegation, die zuletzt auf Imrali mit Abdullah Öcalan gesprochen hat. Darin geben sie wieder, dass Abdullah Öcalan die Unterzeichnung des neuen Abkommens begrüßt und sie als den Beginn der Phase der demokratischen Integration ansieht. Weitere Details werden wir morgen mit euch teilen!
In diesem Sinne wünschen wir euch viel Kraft und Erfolg für eure Vorbereitungen auf den 8. März. Macht auch ihr die Stimmen der Frauen aus Rojava als Quelle der Kraft und Inspiration an all euren Orten am 8. März hörbar! Lasst uns gemeisam die Frauenrevolution verteidigen und unseren Kampf international auf eine neue Ebene bringen!
Aktuallisierung 17. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:ebe Freund:innen,
Liebe Freund:innen,
wir melden uns mit den täglichen Nachrichten aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.Gesundheitssektor
Wir beginnen unsere heutige Nachricht mit der allgemeinen Situation in Syrien, welche angespannt bleibt. Tagtäglich kommt es in den südlichen Gebieten Syrien, zu Protesten der Bevölkerung und Gewaltakten durch die syrische Übergangsregierung. Die Proteste richten sich vor allem gegen die ökonomische Lage, die steigenden Preise und fehlende Unterstützung durch die Regierung.
Gerade werden vor allem Stimmen im Gesundheitssektor laut. Die Strukturen sind überlastet, es gibt keine Arbeitsrechte und wenig Gehalt.
Assistenzärzte in Krankenhäusern im südlichen Latakia protestierten gegen die niedrigen Gehälter und forderten bessere Arbeitsbedingungen. Sie kündigten an, ihre Aktionen zu verschärfen, sollten ihre Forderungen nicht innerhalb von sieben Tagen erfüllt werden.
In Suweida, auch im Süden Syriens, mussten aufgrund von Versorgungsengpässen und Stromausfällen 90 % der Leistungen der Kliniken eingestellt werden. Hunderte Patienten sind dadurch von lebenswichtigen Diagnose- und Behandlungsleistungen abgeschnitten, und die Klinik steht kurz vor dem Zusammenbruch.
Die Lebenskrise in Syrien verschärft sich, da die Kluft zwischen Löhnen und Lebenshaltungskosten immer größer wird. Der Mindestlohn deckt angesichts steigender Inflation und der Ausbreitung der Schattenwirtschaft nur noch einen Bruchteil der Grundbedürfnisse.
Wir sehen, wie die Syrische Übergangsregierung, ihr Land nicht regieren und ihr Volk nicht versorgen kann. Ihre Macht besteht, wie die meisten staatlichen Regierungen weltweit, nicht aus der Unterstützung der Bevölkerung, sondern aus Gewalt und Unterstützung durch imperiale Mächte.
Ob aus der Wut der Bevölkerung
Al-Hol Camp
Das al-Hol Camp, ein Lager, in dem Anfang Januar noch 21.000 Menschen, zum größten Teil, Söldner, Frauen und Kinder des IS, untergebracht waren, wurde in den letzten Wochen geräumt und wird whs. Am Donnerstag geschlossen.
Die Räumung wurde durch die syrische Übergangsregierung, die zuletzt das al-Hol-Camp verwaltet hat, durchgeführt. Mitwirkende bei diesem Plan waren ausländische Verbündete. Ein organisierter internationaler Rückführungsprozess, mit psychologischen, ideologischen und sozialen Rehabilitationsprogrammen, bleibt vollkommen aus.
IS-Söldner, sowie radikalisierte Frauen und Kinder sind nun zu ihren Familienmitgliedern zurückgekehrt und in ganz Syrien verstreut.
Diese Entwicklung birgt die Gefahr eines Wiedererstarkens des IS in ganz Syrien. Wir blicken Risiken, wie einer Erleichterung der Kommunikation der IS-Kämpfer und Organisierungsstrukturen und der Bildung von neuen IS-Zellen, entgegen.
Innerhalb des Lagers entwickelte sich Rekrutierungsnetzwerke für Kinder, die als „Kalifatsjungen“ bekannt waren. Ebenso wie die Organierung von religiösen Gerichten die in Verbindung mit dem IS stehen. Ein Mittel zum Zweck ist es in diesen Strukturen, mit Mord und Drohungen die Menschen einzuschüchtern.
Internationale Kräfte haben sich indirekt an der Räumung beteiligt. Kräfte, wie die UN, haben sich seit den Angriffen im Januar 2026 aus dem Camp, mit Ausnahme der Wasserversorgung, zurückgezogen. Auch die USA zeigen sich in Anbetracht ihrer Doppelmoral als indirekter Akteur.
Zum einen bombardieren sie IS-Stellungen, zum anderen sind sie an der Freilassung beteiligt, da sie ebenfalls ihre Truppen zurückgezogen haben.
Kampf der Jesid:innen
Eine angespannte Stimmung herrscht jedoch nicht nur in Rojava, auch im Shengal, im irakischen Teil Kurdistans, sind die Vertreter der jesidischen Stämme in Alarmbereitschaft.
Vor allem durch kürzliche Aussagen des türkischen Außenminister Fidan Hakan, der Invasionen gegen „ Strukturen“ im Irak andeutete, besteht Sorge.
Im Jahr 2024 begehen IS-Terroristen einen Genozid an der jesidischen Bevölkerung im Shengal, Nordirak. Die Auslöschung und die brutalen Gewalttaten gegenüber jesidischen Frauen werden für immer einen kollektiven Schmerz hinterlassen.
Durch die aktuelle Situation und die Androhungen werden ähnliche Szenarien der Vertreibung und Angriffe befürchet.
In Rojava spricht sich der Vertreter der Jesidenunion Syriens, Ziad Rustem, für eine verfassungsmäßigeGarantie ihrer Rechte und die offizielle Anerkennung ihrer Religion aus.
In dem Zusammenhang betont er die Bedeutung der Demokratie und des friedlichen Zusammenlebens, den Rechtsschutz für ihre Dörfer sowie den Aufbau eines inklusiven syrischen Staates, der die Rechte aller Bevölkerungsgruppen und Religionen ohne Diskriminierung gewährleistet.
Er betont:
„In Nord- und Ostsyrien hat sich seit Beginn der Revolution das Modell der Autonomen Verwaltung als bestes Beispiel erwiesen, da es alle Völker repräsentiert. Angesichts der Vielfalt der Region unter dieser Verwaltung und der aktiven Beteiligung der Jesiden und unseres Volkes im ganzen Land sollte dieses Projekt auf ganz Syrien ausgeweitet werden. Daher muss die syrische Verfassung die Rechte aller Völker garantieren.“
Viele Menschen, die in der Autonomie Verwaltung unter dem Gesellschaftsmodell des Demokratischen Konförderalismuses leben, beschreiben dieses Gesellschaftsmodell als realistische und wirkliche Lösung eines demokratischen Syriens.
Das basisdemokratische Modell basiert auf einem Kommunensystem, in dem die Bevölkerung in Kommunen von 50–200 Menschen lebt. Jede Kommune wird vertreten durch die Kommunensprecher:innen, welche aus einem Co-Chair-System bestehen. Die Vertreter kommen wiederum in Räten mit den anderen Kommunen zusammen, um die aktuellen Bedürfnisse, Herausforderungen und Belangnisse zu diskutieren. Dieses System weitet sich von Kommunen zu Bezirken bis zu Kantonen aus.
Innerhalb der Kommunen, den kleinsten Einheiten, gibt es verschiedene Kommissionen, die eine spezifische Aufgabe haben, wie z. B. Ökonomie, Gesundheit, Bildung etc. Auch in jeder Kommission gibt es Co‑Vertreter:innen. Die mit anderen Kommissionsvertreter:innen in Räten zusammenkommen.
Was wir sehen, ist ein Modell, bei dem die Menschen die aktiven Subjekte ihrer selbst sind. Sie sind untereinander vernetzt, bilden so ein kommunales Zusammenleben und die Stärke der Gesellschaft.
Diese Stärke ist es, die wir auch jetzt in den aktuellen Angriffphasen sehen und spüren.
Co Chair
Das System der Ko-Vorsitzenden ist beispielsweise ein weiteres Instrument, welches es Institutionen ermöglicht, eine Basis für die Selbstverteidigung von Frauen zu schaffen. Woraus besteht dieses System? Es ist ein System geteilter Verantwortung, das den Willen beider Geschlechter widerspiegelt.
Die Zusammenarbeit ist an sich schon ein Kampf. Die einzelnen Ko-Vorsitzenden sind ebenfalls Bestandteile der Kommune, denn das System der Kommune ist das grundlegende System, das die Mentalität der Gesellschaft verändert.
Die Kommune ist der kleinste, aber wirkungsvollste Keim. Verantwortung für das System der Kommune zu übernehmen, ist eine der Aufgaben von Frauen. In diesem System behält jede Person ihre Farbe, aber alle arbeiten zusammen und gestalten gemeinsam Gegenwart und Zukunft.
Der wichtige Punkt des Ko-Vorsitzes ist nicht die „Frauenquote“, sondern die Tatsache, dass keine einzelne Person die Macht innehat.
Bisher war die Führungsposition meist ein Mann, und selbst wenn es zwei Männer gewesen wären, hätte das nichts am Problem geändert, denn entscheidend ist nicht die Biologie, sondern die Sozialisation. Wir müssen Frauen nicht an die Stelle der Männer setzen, sondern die Macht des dominanten Mannes brechen und sie durch eine gemeinschaftliche, soziale, weibliche Denkweise ersetzen. Nur so können wir ein freies Leben gestalten, in dem alle Geschlechter vom Patriarchat befreit sind.
Die Bedeutung der Muttersprache Kurdisch – Verteidigen
Am 21. Februar ist internationaler Tag der Muttersprache.
Dieser Tag ist ein historisch hoch gewachsener Tag. Der Gedenktag geht auf die Ereignisse von 1952 in Dhaka (damals Ost-Pakistan, heute Bangladesch) zurück, als bengalische Studierende für das Recht auf ihre Sprache protestierten und dabei getötet wurden. Dieser historische Bezug stehe heute weltweit als Symbol gegen sprachliche Verdrängung und Auslöschung.
Wir müssen das Recht auf Muttersprache als Recht für die Grundlage von Persönlichkeit, kulturellem Gedächtnis und kollektiver Existenz begreifen. Sprachverlust bedeute immer auch Verlust von Geschichte, Kultur und Selbstverständnis einer Gemeinschaft.
Im Sinne dessen, fordert Ilham Ehmend, Außenbeauftragte der Autonomen Selbstverwaltung Nordostsyriens (DAANES), auf der Münchener Sicherheitskonferenz das Recht auf Bildung in der eigenen Muttersprache. Eine Regelung, die Kurdisch nur als wenige Stunden Wahlfach vorsieht, sei nicht ausreichend.
Die genauen Verhandlungen zu dem Thema Bildung führen momentan ausgewählte Delegation.
Wir warten immer noch auf weitere Schritte und verfolgen den Prozess.
Die Gesellschaft ist entschlossen, auch diesen Punkt des Abkommens zu verteidigen. Sie werden ihre Sprache, ihre Kultur, ihre Identität, ihre Geschichte und das kollektive Gedächtnis nicht aufgeben.
Auf vielen Demonstrationen sehen wir die Schilder:
Zimanê me ruhmeta me ye – unsere Sprache ist unsere Würde
In Tabqa gibt es heute Widerstand
In einem online verbreiteten Video ist zu sehen, wie mehrere junge Männer – die sich als „Freiwilligenteam Tabqa“ bezeichnen – Plakate und Aufschriften entfernen, die zur Achtung der Freiheit von Frauen und zu einer stärkeren Teilhabe am öffentlichen Leben aufriefen.
Einer der jungen Männer sagt in dem Video, die Parolen „passen nicht zu unserer Kultur“ und lehnt damit Botschaften ab, die Frauenrechte und Geschlechtergleichstellung unterstützen. Der Vorfall ereignete sich kurz nach dem Einmarsch der syrischen Übergangsregierung in die Region Raqqa, inmitten anhaltender politischer und sozialer Umwälzungen in der Region.
Solche Umstrukturierungsmaßnahmen müssen wir sichtbar machen. Gerade wenn die Jugend organisiert wird.
Die Frauen in Tabqa selbst, können wahrscheinlich nicht repressionfrei auf die Straßen gehen, daher stehen wir Seite an Seite mit ihnen.
Wir stehen auf für die Rechte der Frauen in Tabqa und tragen unsere Stimmen auf die Straßen.
Appell an Frauenbewegungen
Zum Schluss richtete Ehmed einen ausdrücklichen Appell an Frauenorganisationen – in Rojava ebenso wie international. In Umbruchphasen entstünden neue politische Räume; ohne Organisierung gingen diese Chancen schnell verloren.
Sie sagt: „Rojava zu verteidigen heißt, die Errungenschaften von Frauen insgesamt zu verteidigen“
Frauen müssten ihre Stimmen in dieser Phase deutlich stärken und ihren politischen Einfluss ausbauen.
Mit revolutionären Grüßen aus Rojava,
vom 17. Februar 2026
Aktuallisierung 16. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:ebe Freund:innen,
Liebe Freund:innen,
wir melden uns aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution, wo in diesem Moment das Leben verteidigt wird.
Die Lage hier ist weiterhin angespannt und instabil. Kobane ist nach wie vor belagert, während die Umsetzung des Abkommens vom 29. Januar andauert und lautstarke Forderungen an die syrische Übergangsregierung formuliert werden, sich an das Abkommen zu halten.
Die Klausel zu der Rückkehr der Vertriebenen zählt zu einer der komplexesten Punkte des Abkommens. Hierzu haben bisher keine umfassenden Treffen oder konkreten Schritte stattgefunden. In den letzten Tagen sind die Forderungen danach besonders konkret geworden.
Mehr als 300.000 Binnenvertriebene aus Afrin, Shehba und Aleppo, die aufgrund von Angriffen dreimal ihre Heimat verlassen mussten, sowie 150.000 Binnenvertriebene aus Serekaniye und Girê Spi warten auf ihre sichere Rückkehr. Dem Abkommen zufolge muss die Rückkehr sicher erfolgen, und in ihren Heimatstädten muss ein internes Sicherheitssystem eingerichtet werden.
Ein Vater einer neunköpfigen Familie, die in den letzten Tagen nach einer langen Reise von Raqqa in Qamislo ankamen, auf der sie beschossen wurden – zwei seiner Söhne verwundet und ihre Nachbarin getötet wurde, während sie ihr fünf Monate altes Baby im Arm hielt –,sagt:
„Wir haben nichts mehr. Wir brauchen jede Art von Hilfe. Wir haben bereits etwas Hilfe erhalten, aber da wir mit nichts als den Kleidern, die wir am Leib trugen, in Qamislo ankamen, benötigen wir weitere Unterstützung. Wir wollen nach Afrin zurückkehren, aber wir werden nicht zurückkehren, solange die Söldner des türkischen Staates dort sind. Wir werden erst zurückkehren, wenn wir hundertprozentig sicher sind, dass sie weg sind.“
Wie diese Familie haben viele bereits mehrfache Vertreibungen erlebt: von Afrin nach Shehba, nach Aleppo, Raqqa oder Tabqa und nun wieder. Diese Vertreibungen haben tiefe Wunden hinterlassen, und der Wunsch, in ihre Heimat zurückzukehren und sich gemeinsam mit ihrem Land von den Folgen der achtjährigen gewaltsamen Besatzung zu regenerieren, ist enorm.
Doch wie der Vater sagt, ist das Land weiterhin von Söldnern des türkischen Staates besetzt, und eine sichere Rückkehr ist derzeit keineswegs gewährleistet.
In ganz Syrien breiten sich Instabilität und Gewalt aus. Dies belegt auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die in den ersten 15 Februartagen eine deutliche Eskalation der Gewalt und der Opferzahlen dokumentierte und den Tod von 115 Menschen in verschiedenen Teilen Syriens feststellte.
Wir wissen, dass Krieg patriarchales Denken und Gewalt fördert, und wir wissen auch, dass Frauen am stärksten von dieser Gewalt betroffen sind. Diese Zahl ist nur die Spitze des Eisbergs. Darunter verbirgt sich das Schweigen über die zunehmende Gewalt gegen Frauen, die durch die dschihadistische patriarchale Mentalität der syrischen Übergangsregierung und Kriege, welche von internationalen Mächten unterstützt sind, gestärkt wird.
In Deir ez-Zor, einer Region, die noch vor wenigen Wochen unter Selbstverwaltung stand, zündete die syrische Übergangsregierung mehrere zivil betriebene Ölraffinerien an. Angesichts der anhaltenden Treibstoffknappheit und der zunehmenden Verschlechterung der öffentlichen Versorgung in der Region führte dies zu großer Wut in der Bevölkerung.
Treibstoff wird nicht nur für Autos benötigt, sondern auch zum Heizen, für die Landwirtschaft und die Wasserversorgung, da auch Brunnen oft mit Treibstoff betrieben werden.
Während dieser anhaltenden Unruhen, oder gerade trotzdem, begann heute in den Schulen Rojavas das zweite Halbjahr. Das Leben geht weiter, und Kinder und Lehrer kehren in ihre Schulen zurück. Viele Kinder haben in den letzten Wochen einen weiteren Krieg erlebt; die meisten von ihnen haben in den letzten Jahren, in denen fast jeder Winter von Krieg geprägt war, mindestens ein Familienmitglied verloren.
In die Schule zu gehen bedeutet, sich eine Zukunft aufzubauen. Und für diese Kinder ist klar: für die Zukunft, von der sie träumen, sind Wandel und Veränderung notwendig.
Dieses Versprechen für das Leben wurde auch von der Weltfrauenkonferenz in Bogotá, Kolumbien, formuliert, die in den vergangenen Tagen stattfand und den Kampf von Frauen aus aller Welt – von Kurdistan bis Abya Yala – unter dem Motto „Wir werden aufblühen, denn der Krieg kann uns nicht entwurzeln“ vereinte. Auch eine Delegation aus Rojava hat teilgenommen. In der Abschlusserklärung wurde betont, dass das Konzept des demokratischen Konföderalismus, das seinen Ursprung in Kurdistan hat, die Präsenz von Frauen stärkt und neue Horizonte für den Kampf eröffnet. Es wurde darauf hingewiesen, dass eine Netzwerkgruppe die Diskussionen weiterverfolgen und die Koordination zwischen den Teilnehmerinnen aufrechterhalten werde.
Eine weitere Delegation aus Rojava, mit Mazlum Abdi, dem Generalkommandeur der SDF, und Ilham Ahmed, der Ko-Vorsitzenden der Selbstverwaltung, reiste in den vergangenen Tagen zum Sicherheitsrat nach München und nahm an mehreren Gesprächen über die Sicherheitslage in Syrien und im Nahen Osten teil. Für die Anerkennung der Selbstverwaltung ist dies ein wichtiger Schritt. Die Werte der Rojava-Revolution auf einer Konferenz wie dieser zu verteidigen, kann Wirkung zeigen, gemeinsam mit den Massendemonstrationen außerhalb des Konferenzzentrums, die die berechtigte Frage stellen: Bringt diese Konferenz und ihre Akteure der Welt wahrhaftig Sicherheit?
In einem Interview bekräftigte Mazlum Abdi erneut, dass die Rolle der Frauen in den Sicherheitsstrukturen unabdingbar sei: „Die Stärke der Frauen ist unsere rote Linie, jede Brigade muss eine Fraueneinheit haben.“
Zum Abschluss unserer heutigen Nachricht möchten wir über den Widerstand dieser Frauen Selbstverteidigungskräfte sprechen.
Wir haben oft betont, dass dieser Krieg ein ideologischer Krieg ist und es wichtig ist, die Rolle der Frauen darin zu verstehen.
Als die YPJ, die autonomen Fraueneinheiten, als Organisation gegründet wurden und Frauen dieser Region erstmals am bewaffneten Kampf teilnahmen, zweifelten sowohl männliche Freunde als auch die Feinde an ihrer Stärke. Manche männlichen Freunde hatten Schwierigkeiten, Frauen als Kommandeure zu akzeptieren, doch als sie sahen, wie diese Frauen leiteten, erkannten sie die besondere Ausstrahlung, die Frauen in den Kampf und ins Leben einbrachten, und begannen, sie auch als Kämpferinnen und Kommandeurinnen zu akzeptieren, zu respektieren und zu lieben.
Der Feind, von der Türkei bis zum IS, hat natürlich eine andere Ideologie bezüglich des Wertes von Leben und Frauen. Er ist dominant und gewalttätig, aber in Wirklichkeit fürchtet er Frauen zutiefst. Wenn er zum ersten Mal das Tililî einer Kämpferin hört, verstummt er. Der Tililî ist ein traditioneller Laut von Frauen im Nahen Osten, mit dem sie Stärke oder Freude ausdrücken und dem Moment Energie verleihen. Warum rufen Frauen in einem verzweifelten und brutalen Krieg den Tililî?
Weil darin ihre Stärke liegt: Wer weiß, wofür sie kämpft, wer weiß, was sie verteidigt, kann es mit Freude und Kraft tun, und das ist fatal für den Feind.
In der dschihadistischen Mentalität bedeutet es zum Beispiel, von einer Frau getötet zu werden, „das Paradies nicht zu erreichen“. Wie im historischen Fall der Amazonen wurden Frauen als eine Kraft gesehen, die die bestehende Ordnung stört. Die Geschichte ist voll von Beispielen verzerrter Erzählungen über Frauen, die sie als Teufel darstellen, wenn sie sich gegen eine Realität auflehnen, die ihren Lebenswerten widerspricht. Doch Frauen kennen ihre Geschichte, unsere Körper tragen ein Gedächtnis, denn Frauen sind eine Nation, eine demokratische Nation.
Und wie Menschen nicht ohne kollektives Gedächtnis existieren können, so tragen auch wir dieses gedächnis mit uns: Unser Haar trägt Erinnerungen, unsere Stimmen und Rufe im Widerstand tragen Erinnerungen, unsere Existenz beschränkt sich nicht auf die Gegenwart, sondern ist tief in unserer Geschichte verwurzelt.
Mit diesem Bewusstsein und dieser historischen Verantwortung leisten Frauen und Kämpferinnen auch heute noch in Kobane bis Abya Yala Widerstand, im Wissen, dass ihre kraftvollen Stimmen die stärkste Waffe gegen die Todesmentalität des Feindes sind.
Liebe Freundinnen, wir hoffen, ihr könnt das Tilili über die Sterne bis in eure Länder hören und es gibt euch Kraft!
Mit revolutionären Grüßen aus Rojava,
- Februar 2026