Täglische Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“ Aktuallisierung 24. Feb.
erstellt von: Kiumarz Naghipour am: 25.02.2026
Aktuallisierung 24. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:ebe Freund:innen,
Liebe Freundinnen, Schwestern und Genossinnen,
heute ist der 24. Februar, und hier ist unser tägliches Update aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.
Wir beginnen unsere Berichterstattung heute mit ein paar Worten zu Kobane, das weiterhin belagert wird.
Am Montag erreichte eine Delegation des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Zusammenarbeit mit dem Syrischen Arabischen Roten Halbmond (SARK) die Stadt, um sich ein Bild von der Lage der Binnenvertriebenen in den Notunterkünften zu machen.
Heute ist der 36. Tag der Belagerung durch verschiedene Fraktionen der syrischen Übergangsregierung. Die Bevölkerung hat weiterhin keinen Zugang zu Nahrungsmitteln, Medikamenten und Treibstoff.
Wir dürfen nicht vergessen, dass dies nicht nur die Einwohner:innen von Kobane betrifft, sondern auch mehr als 200.000 Binnenvertriebene, die nach den Angriffen derselben Fraktionen auf Tabqa, Raqqa und Aleppo aufgenommen worden waren.
Marwa Drea’i, Ko-Vorsitzende des Wirtschaftsrates in Kobane, berichtet über die Bemühungen, die katastrophale Lage zu bewältigen und den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden. Der Zustand von Lagerhäusern, Mühlen und Bäckereien ist schlecht, und einige Fabriken mussten schließen, da ihnen die Ressourcen für die Produktion und den Verkauf ihrer Waren fehlen.
Sie fügt hinzu, dass einige Bäckereien seit Kriegsbeginn ihren Betrieb eingestellt haben:
„Vor dem Krieg gab es im Kanton Euphrat 30 Bäckereien. Jetzt sind nur noch 10 in Betrieb. Wir produzieren täglich rund 70 Tonnen Brot, um alle mit Brot zu versorgen.“
Ein Bürger, Ali Mishko, ergänzt:
„Wir befinden uns in einer schwierigen Lage. Mit Beginn des Ramadan sind die Grundnahrungsmittel nicht mehr erhältlich, und die Preise sind aufgrund der Belagerung deutlich gestiegen.“
Mishko betont, dass ihre Forderung die Aufhebung der Belagerung sei:
„Das ist unsere einzige Forderung. Wir wollen keine Hilfe von anderen Seiten. Wir wollen lediglich die Aufhebung der Belagerung von Kobani. Wir bleiben standhaft und werden uns allen Hindernissen stellen.“
– Wie wir bereits vor einigen Tagen angekündigt haben, können wir nun weitere Neuigkeiten zur Rückkehr der Vertriebenen nach Afrin mitteilen.
Wie wir berichteten, besuchte in den letzten Tagen eine Delegation unter der Leitung der Inneren Sicherheitskräfte (Asayish) und des Kommandeurs der Inneren Sicherheitskräfte der Provinz al-Hasaka Afrin, Aleppo und Raqqa, um die Rückkehr der vertriebenen Kurden in ihre Häuser zu erleichtern.
Nun wurden wichtige praktische Schritte zur Organisation dieser Rückkehr eingeleitet. Die Sicherheitdelegation ist ein konkreter Schritt zur Umsetzung des Abkommens vom 29. Januar und zielt darauf ab, die vertriebenen Kurd:innen in ihre Häuser in Afrin, Aleppo und Raqqa zurückzuführen.
Die geplanten Maßnahmen umfassen:
– Organisierte Konvois anhand offizieller Listen.
– Räumung der Siedler und Rückgabe des Eigentums an die rechtmäßigen Eigentümer.
– Fortsetzung der Arbeit gemeinsamer Komitees zur Gewährleistung einer sicheren Rückkehr.
- Folgetreffen zur Überwachung der Umsetzung.
Das ist sehr gut und wichtig. Das Video der Delegation, die in Afrin ankommt und sich um Olivenbäume herum auf die Erde fallen lässt, gibt den Menschen viel Hoffnung. Alle sprechen in diesen Tagen darüber, wie es sich anfühlen wird, wieder auf ihrem Land, in ihren Dörfern und Häusern zu sein. Nicht wenige Kinder und Erwachsene haben in den letzten Nächten von Afrin geträumt, Bilder ihrer Dörfer herumgezeigt und sich nach dem Tag ihrer Rückkehr gesehnt.
Aber auch, wie uns ein älterer Mann gestern sagte: „Wir werden nach Afrin zurückkehren, aber wir werden erhobenen Hauptes gehen.“ – Die Frage einer sicheren Rückkehr, einer Rückkehr in Stabilität und Würde muss gewährleistet sein.
Es ist nun acht Jahre her, dass die Menschen in Afrin aufgrund der türkischen Invasion
gezwungen wurden, ihre Häuser zu verlassen. Dies hat eine tiefe Wunde hinterlassen, die nicht heilen konnte, sondern sich durch immer weitere Vertreibungen, bis hin zur letzten vor wenigen Wochen, vertiefte.
Die Möglichkeit einer Rückkehr nach Afrin birgt großes Potenzial einer umfassenden Stärkung für die Frauenrevolution, das kurdische Volk und den Prozess in Syrien.
Wir halten euch auf dem Laufenden, sobald wir mehr Neuigkeiten dazu erhalten.
— In Zeiten, in denen Mainstream- und regierungsnahe Medien spaltende Narrative verbreiten, ist es besonders wichtig, den Stimmen der Gesellschaft in dieser Frage Gehör zu schenken.
Einige Älteste der Stämme Aziza und Omra haben sich dazu geäußert. In diesem Land, wo Existenz Widerstand bedeutet, erinnern sie daran, wie entscheidend die kurdische Identität und Einheit für die Sicherheit der Völker in dieser Region sind.
Khadr al-Ramo, einer der Ältesten des Stammes Omra, begann mit einem Tribut an alle Märtyrer der Freiheit: Sie sind das Fundament der kurdischen Einheit in den verschiedenen Regionen. Derer zu gedenken, die bis zum Ende für die Freiheit gekämpft haben, bedeutet, das Andenken des Volkes zu bewahren; es ist ein Akt großer kollektiver Selbstverteidigung.
Der Stammesälteste fügte hinzu, dass die verschiedenen Teile Kurdistans miteinander verbunden seien und jede Entwicklung oder jeder Rückschlag in einem Teil die anderen Teile beeinflusse, da das Volk eins sei und somit auch sein Schicksal.
Er erklärte, die Stärke des kurdischen Volkes liege in seiner Fähigkeit zur Solidarität und jede Spaltung führe zu kollektivem Verlust.
In Bezug auf die Syrien-Frage bekräftigte er, dass Syrien auf echten demokratischen Grundlagen aufgebaut werden müsse, die die Rechte aller Bevölkerungsgruppen ohne Diskriminierung gewährleisten, einschließlich ihres Rechts auf den Gebrauch ihrer Sprachen und den Erhalt ihrer Bräuche und Kultur.
Er war überzeugt, dass Gerechtigkeit und Gleichheit der einzige Weg zu Stabilität und Fortschritt im Land seien.
In diesem Zusammenhang erwarten wir die Ergebnisse des Treffens zwischen der Regierung und der autonomen Verwaltung zum Thema Bildung, das selbstverständlich auch die Muttersprache und das Studium der Jineoloji umfasst.
Jedes Treffen im Kontext von Verhandlungen ist ein echter Kampf, und dies sollte nicht vergessen werden, denn der diplomatische Plan darf den Sinn nicht in den Schatten stellen.
Auf dem vor einigen Tagen veröffentlichten Foto dieses Treffens war der Kampfcharakter deutlich zu erkennen: Auf der einen Seite des Raumes saßen ausschließlich Männer, die von der syrischen Übergangsregierung ernannt worden waren, während auf der anderen Seite eine Reihe von Frauen der autonomen Verwaltung saßen, bereit, den Widerstand am Verhandlungstisch zu vertreten.
Diplomatische Arbeit in einem revolutionären Kontext ist nicht bloß formaler Natur, und heutzutage ist es wichtiger denn je, sie als Teil des Kampfes zu begreifen. In dieser Phase leisten die Menschen Widerstand um ihr Leben und kämpfen gleichzeitig für die in der Verfassung verankerten Rechte. Dies ist ein zentraler Schritt auf dem Weg zum Aufbau eines demokratischen Landes, das in seiner Vielfalt geeint und nicht homogenisiert ist.
Ismail erklärte, dass sie die Tradition des Widerstands fortsetzen und erneut den Weg der Rojava-Revolution beschreiten werden. Er rief die jungen Menschen im Ausland auf, ihre Aktionen fortzusetzen, da sie so die erreichten Errungenschaften schützen könnten, und betonte, dass die kurdische Widerstandsbewegung dank dieser Aktionen die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich gezogen habe.
Berivan Ismail, Ko-Vorsitzender der Partei der Demokratischen Union (PYD) des Euphrat-Kantons, sagte zur Komplexität der Lage:
„Viele Kräfte wollen, dass dieses Abkommen zustande kommt. (…) Wir haben uns nie von Syrien getrennt und werden es auch nicht tun. Diese Gefahr betrifft nicht nur das kurdische Volk, sondern auch die Aleviten und Drusen. In der Vergangenheit wurden Massaker an diesen Völkern verübt; nun wollen sie etwas Ähnliches mit den Kurden anstellen. Wir wollen jedoch, dass die Bestimmungen des Abkommens umgesetzt und die Rechte des kurdischen Volkes als Grundprinzip in der syrischen Verfassung verankert werden. Wir leisten seit 14 Jahren Widerstand. Unser Traum wird wahr werden. Wir sind entschlossen zu kämpfen und den Widerstand fortzusetzen. Wir sind Syrer und gehören zu diesem Land.“
Abschließend möchten wir die Veröffentlichung der ersten Folge eines neuen Podcasts „Verteidigung des Lebens“ bekanntgeben. Produziert wird er vom Andrea-Wolf-Institut der Jineoloji-Akademie in Rojava.
Die fünfteilige Reihe beleuchtet verschiedene Aspekte dieses Krieges aus der Perspektive von Frauen, Internationalistinnen und Jineoloji.
Ihr findet den Podcast auf YouTube und auf der Jineoloji-Website.
Viel Spaß beim Hören!
Revolutionäre Grüße aus Rojava,