Täglische Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“ Aktuallisierung 4.März
erstellt von: Kiumarz Naghipour am: 05.03.2026
Aktuallisierung 4. März, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:
Liebe Freund:innen,
wir melden uns aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution mit unserem täglichen Update.
Der Krieg, den Israel und die USA mit ihrem Angriff auf den Iran am 28. Februar begonnen haben, hat sich weiter ausgebreitet und kostet immer mehr Menschenleben. Im Iran sollen mehrere hundert Menschen getötet worden sein, darunter auch mind. 200 Zivilisten, mehrheitlich Frauen und Kinder. Am Montag hat Israel angefangen den Libanon zu bombardieren, auch da sind schon um die 50 Menschen getötet worden. Der ganze Mittlere Osten ist von dem Krieg betroffen. Selbst in Rojava, in Qamishlo, soll Mittwoch Morgen ein Teil einer Rakete zu Boden gekommen sein, in anderen Teilen Syriens haben die Raketenteile schon Menschen getötet.
Besonders Rojhilat, also die kurdischen Gebiete des Irans, ist im Zentrum des Krieges. Zum einen wurden auch dort schon unzählige Stützpunkte der Iranischen Revolutionsgarden angegriffen. Zum anderen sind die kurdischen Parteien im Iran die Kräfte der Opposition, die die am organisiertesten sind. Am 2. März haben sie ein gemeinsames Statement veröffentlicht, in denen sie die Lage im Iran als „entscheidende Tage“ für die Zukunft des Irans beschreiben. Darin haben sie betont, dass der aktuelle Krieg nicht ein Krieg des iranischen Volkes gegen externe Mächte sei, sondern eine Folge der autoritären Herrschaft der Islamischen Republik, die die Bevölkerung in ihrer Freiheit einschränkt und das Land in eine politische und soziale Krise gestürzt hat. Die Erklärung rief die Bevölkerung in den kurdischen Gebieten dazu auf, wachsam und koordiniert zu bleiben, politische Aktionen mit den Vorgaben der Allianz abzustimmen und öffentliche Einrichtungen zu schützen, falls es zu einem Zusammenbruch staatlicher Strukturen oder größeren Unruhen kommt. Das könnte eine Chance sein, für Rojhlat mehr Autonomie zu gewinnen als auch ein Systemwandel basierend auf den demokratischen Prinzipien dieser Parteien umzusetzen.
Auch in Bashur, den kurdischen Teilen Iraks, ist der Krieg deutlich zu spüren. Die Stadt Erbil ist ist seit Samstag ständig Ziel iranischer Raketen und auch die Hashd al Shabi (Popular Mobilization Forces) haben sich zu Angriffen in der Kurdischen Autonomieregion bekannt. Unter anderem griffen sie mehrfach das Büro der kurdischen PAK an.
Der irakische Staat hat zusammen mit der schiitischen Miliz Hashd al Shabi schon Ende Februar gefordert, das sich die ezidische YBŞ entwaffnen soll. Laut einem Treffen am 19. Februar haben irakische Militär- und Hashd-Führer den YBŞ ein Ultimatum gesetzt: Entweder sie werden in die irakische Armee oder in die Hashd integriert – oder es werde nach dem 10. März eine gemeinsame Offensive gegen sie starten. Die YBŞ lehnen eine Einbindung in die Hashd ab, haben sich aber unter bestimmten Bedingungen bereiterklärt, in die reguläre irakische Armee aufgenommen zu werden. Die Spannungen werden durch einen politisch-militärischen Einfluss Iraks und der Türkei verstärkt: Besonders Ankara drängt auf ein Ende der YBŞ-Strukturen.
Für die Jesid:innen in Shengal bedeutet die YBŞ Schutz vor Gewalt und genozidialer Verfolgung, der sie immer wieder ausgesetzt sind. Besonders durch ein Widererstarken des IS wäre ein Angriff auf Shengal oder eine Entwaffnung der Volksverteidigungskräfte ein Angriff auf die Existenz der Ezid:innen.
Beriya Morad von Mala Jin erzählte uns bei einem Besuch diesen Morgen, das Kriege immer zuallererst Frauen und Kinder betreffen. Deshalb ist es unsere Aufgabe als Frauen, immer und überall das Leben zu verteidigen, für die Würde von Menschen zu kämpfen, und eine Gesellschaft aufzubauen, die in Frieden leben kann.
Ermordung irakischer Aktivistin
In tiefer Trauer gedenken wir der irakisch-kanadische Frauenrechtlerin Yanar Mohammed. Sie wurde am Montag (2.03.26) in Bagdad von 2 Männern erschossen.
Yanar Mohammed setzte sich mit all ihrer Kraft, ihrem Herz und ihrem Handeln für die Rechte der Frauen ein. Sie gründete mit anderen Frauen die Organisation Women’s Freedom in Iraq (OWFI) und organisierte so den Kapf der Frauen.
Die TAJÊ – die jesidische Frauenfreiheitsbewegung – bezeichnet den Mord als „gezielten politischen Feminizid“ und bewertet ihn als Angriff auf die gesamte Frauenbewegung im Irak. Dass Yanar Mohammed in den Tagen vor dem 8. März ist ein Ausdruck einer „männerstaatlichen Mentalität“, die die wachsende Organisierung von Frauen als Bedrohung begreife.
In unseren Kämpfen werden wir die Ideen und Werte von Yanar Mohammed fortführen. Mit ihrem Erbe setzten wir uns weiterhin für die Rechte der Frauen ein.
Update Integrationsprozess
Trotz des Krieges dürfen wir die Entwicklungen rund um den Integrationsprozess in Syrien nicht außer Acht lassen. Da gab es in den letzten Tagen zum einen einen Gefangenenaustausch, bei dem mehrere kurdische Kämpfer aus den Händen der Syrischen Übergangsregierung freigelassen wurden.
Kobane ist weiter unter Belagerung. Auch wenn teilweise humanitäre Hilfskonvois in die Stadt gelassen werden, kommt es zu gravierenden Engpässen bei Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Treibstoff und medizinischer Versorgung.
Gemäß dem Abkommen hat die SDF angefangen ihre Kräfte aus der Stadt zurückzuziehen und es wurde ein gemeinsamer Kontrollpunkt im Süden der Stadt gemeinsam mit Kräften der syrischen Regierung errichtet. Das die Syrische Übergangsregierung auch konkrete Schritte geht, die Blockade der Stadt aufzuheben, ist bisher nicht sichtbar.
Vorbereitung 8. März
Wir um so entschlossener in unseren Vorbereitungen für den 8. März.
In ganz Kurdistan schmücken die Frauen der Gesellschaft an die Städte mit bunten Girlanden.
Kongra Star ruft in allen Städten zum 8. März auf und stellt den Aktionsplan der nächsten Woche vor. Die Aktionen unter dem Motto: Jin Jiyan Azadi – Frauen leben Freiheit, mobilisieren rund um den 8. März zur Intensivierung der Verteidigung der Frauenerrungenschaften.
Jin Jiyan Azadi, als Philosophie der Frauen hat eine tiefe Bedeutung. Die Worte stehen für ein freies Leben, in dem Frauen atmen können. Für ein Leben, in dem sie sich selbst finden, wissen, wer sie sind, woher sie kommen und welche Bedeutung sie für ein gemeinschaftliches Leben haben. Dieses Wissen ist diestärkste Selbstverteidigung, die wie haben.
Im Zuge dessen werden sich die Frauen und andere unterdrückte Geschlechter sie Woche gegenseitig Bilden. In Seminaren wird Wissen vermittelt und geteilt, in Frauentreffen werden unterschiedliche Perspektiven diskutiert. Im Rahmen der kulturellen Selbstverteidigung finden Kunstausstellungen, Ausstellungen von Handarbeiten, Theateraufführungen ihren Platz.
Das Bild der Künstlerin Şhela zeigt die Verbindung der Frauenkämpfe im Mittleren Osten aber auch weltweit.
Das Gemälde entstand im Zuge der Protest gegen die Ermordung von Jina Amini im Jahr 2022. Die Worte Jin Jiyan Azadi sind seitdem ein Symbol der Selbstbestimmung der Frauen.
Im tiefem Schmerz und mit viel Wut schnitt sich die Künstlerin Şhela im Namen der Solidarität und des gemeinsam Kampfes ihren Zopf ab. Der Zopf, ein Symbol des Geistes der Frauen, der für den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft steht, und der die Verbindung zu den letzten Angriffen auf Frauen in Nordost Syrien aufzeigt.
In dem Gemälde hat der Zopf, positioniert inmitten eines gelben Kreises umrahmt von einem dunkelblauen Hintergrund, einen zentralen Charakter. Der gelbe Kreis erinnert an einen Mond, der Energie und Kraft ausdrückt. Auch die Form des Kreises schließt den Kreislauf der Frauengeschichte mit ein. Er ist ein Symbol der Verbundenheit im zyklischen Fortbestehen und der Erneuerung.
Mit dieser Kraft der Verbundenheit wappnen sich Frauen gegen die tief verankerten Strukturen der Unterdrückung.
Jin Jiyan Azadi – wir wollen leben und wir wollen in Freiheit leben.
Kommt heraus zum 8. März und viele Grüße aus Rojava!