Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“(aktuallisiert am 24. Juli 2026)

erstellt von: am: 15.07.2026

Nachricht aus Rojava, aktuallisiert am 24. Juli:

Liebe Freunde,
Frauen und der Geist der Revolution vom 19. Juli
In ganz Rojava haben Veranstaltungen zum Jahrestag der Revolution vom 19. Juli vielfältige Veranstaltungen stattgefunden. Sowohl Rednerinnen als auch die lokalen Medien stellten dabei die zentrale Rolle der Frauen beim gesellschaftlichen und politischen Wandel vor. Dass die Revolution die Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen gestärkt, ihre Rolle im öffentlichen Leben ausgebaut sind wichtige Errungenschaften die weiterhin geschützt werden müssen. Entsprechend waren viele Veranstaltungen auch ein Podium dafür sich für den Erhalt der YPJ auszusprechen.
In mehren Städten fanden Konzerte anlässlich des Jahrestages statt bei denen auch Künstlerinnen aus Nordkurdistan auftraten und auf diese Weise ihre Solidarität mit der Revolution in Rojava ausdrückten. Sie betonten auch, dass Kunst und Kultur trotz anhaltender Herausforderungen unverzichtbar sind, um die Identität der Region zu bewahren, ihre Geschichte zu dokumentieren und den sozialen Zusammenhalt zu stärken.
Integration der Frauenbehörde
Die Frauenbehörde (Desteya Jin) war ein integraler Bestandteil der Autonomen Demokratischen Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien – mit Strukturen in allen Kantonen. Neben der Aufgabe der Förderung von Frauen in der Region waren sie Trägerin von vielfältigen Projekten für Frauen und Kinder sowie auch Zuständig für die wenigen existierenden Schutzhäuser in der Region. Die Frauenbehörde hatten ebenso die Verantwortung für die autonome Organisierung und die Personalpolitik gegen über Frauen innerhalb der Verwaltungsstrukturen sowie Schutz und Kontrolle der Umsetzung struktureller Errungenschaften wie dem Ko-Vorsitz und der 50%-Quote. Nach den Angriffen Anfang des Jahres durch die Übergangsregierung und der Aufgabe der Hauptverwaltung in Raqqa war die Frauenbehörde nur noch in Rojava aktiv.
Im Rahmen der Umsetzung des Abkommens vom 29. Januar über die Zusammenführung der Institutionen der Autonomen Verwaltung und der Übergangsregierung fanden in der letzten Woche eine Reihe von Treffen zwischen der Frauenbehörde der Region Cizire und der Behörde für Familie und Bevölkerung des Ministeriums für Soziales und Arbeit der Übergangsregierung statt.
Zuletzt wurde bekannt gegeben, dass die Frauenbehörde von Cizire in die Struktur der Behörde für Familie und Bevölkerung integriert wurde. Dem Abkommen zufolge werden die Büros und Zentren des Frauenkomitees von Cizire ihre Tätigkeit fortsetzen.
Eine der ersten Aktivitäten war die Teilnahme von Mitarbeiterinnen der Frauenbehörde an einem Diskussionsforum in Damaskus zur Bevölkerungssituation bei dem ebenso Vertreterinnen der UN und andere zivilgesellschaftlicher Institutionen aus Syrien beteiligt waren.
Wirtschaftliche Herausforderungen halten an
Im Mittelpunkt der wirtschaftlichen Diskussionen stehen weiterhin der Preisanstieg und die Inflation in ganz Syrien. Zugleich gibt es anhaltende Probleme bei der Belieferung von Diesel. Generatoren, die die Bevölkerung mit Elektrizität versorgen werden zu spät oder gar nicht beliefert. Dies führt immer wieder zu Stromausfällen und mangelnder Wasserversorgung. In vielen Regionen finden entsprechend weiterhin Proteste statt, die immer schwerer werden Wirtschafts- und Lebensbedingungen thematisieren.
Vorbereitungen für die Rückkehr vertriebener Familien und Anschluss der Elok Wassterstation
Institutionen in Nord- und Ostsyrien setzten ihre Vorbereitungen fort, um die Rückkehr vertriebener Familien in ihre Dörfer im Umland von Serêkaniyê zu erleichtern. Dabei geht es um das Aufspüren und entschärfen von Landminen ebenso wie den Wiederaufbau der grundlegenden Infrastruktur und die Wiederherstellung lebenswichtiger Versorgungsdienste um eine sichere und würdige Rückkehr zu gewährleisten. In diesem Kontext stehen auch die Instandsetzungsarbeiten an Zuleitungen der Elok – Wasserstation die grundlegend ist um die seit 6 Jahren von der Versorgung abgeschnittende Stadt Heseke, wieder mit Wasser versorgen zu können.
Mit dieser kurze Rückschau auf die letzte Woche senden wir euch unsere revolutionären Grüße aus Rojava.

Nachricht aus Rojava 16 Juli:

Liebe Freunde,

In Nord- und Ostsyrien fanden auch diese Woche Diskussionen, Treffen und öffentliche Dialoge statt, in denen erneut bekräftigt wurde, wie notwendig der Aufbau eines demokratischen Syriens die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens, insbesondere bei Entscheidungsprozessen ist. Die Teilnehmer:innen dieser Veranstaltungen fordern weiterhin, dass die neue syrische Verfassung die politischen und sozialen Rechte der Frauen garantieren, die durch jahrelangen Kampf errungenen Errungenschaften schützen und eine sinnvolle Vertretung von Frauen in staatlichen Institutionen gewährleisten muss. Forderungen, die im aktuellen Integrationsprozess bis heute kaum Beachtung finden.
Deshalb ist es um so wichtiger, die Organisation von Frauen und kollektives Handeln zu stärken, um der Politik der Marginalisierung und Ausgrenzung entgegenzutreten. Im Zuge der Kampagne „We are all YPJ“ forderten weiterhin Politikerinnen, Kämpferinnen, und Aktivistinnen die offizielle Anerkennung der Frauenschutz-Einheiten (YPJ) als unabhängige Verteidigungskräfte der Frauen, um ihre entscheidende Rolle zum Schutz der Gesellschaft auch in Zukunft spielen zu können.

Kunst und Kultur als Widerstand von Frauen

Die Frauenkunst- und Kulturbewegung Hîlala Zêrîn feierte in dieser Woche den zweiten Jahrestag der Eröffnung der ersten Frauenhochschule für Musik und Kunst in Nord- und Ostsyrien und bekräftigte damit sein Engagement für die Schaffung kultureller Räume, die die Kreativität und die Rolle der Frauen in der Gesellschaft stärken. Während der Veranstaltung präsentierten Studentinnen ihre Fähigkeiten in den Bereichen Musik, Gesang, Film uvm. Sie zeigten, dass Kultur und Kunst eine wesentliche Formen des Widerstands sind, und bestärkten ihren Einsatz für die Entwicklung einer kreativen, kämpferischen, lebensbejahenden, die Schönheit und Freiheit stärkenden Kunst und Kultur aus Perspektive von Frauen.

Hilala Zêrîn setzte ihre kulturellen und künstlerischen Aktivitäten im Rahmen der Kampagne „Wir are all YPJ“ fort. Durch Theateraufführungen, Musikveranstaltungen und Kunstausstellungen, die in mehreren Städten in Nord- und Ostsyrien stattfanden, hob die Bewegung den Kampf und die Opfer der YPJ-Kämpferinnen bei der Verteidigung der Gesellschaft und im Widerstand gegen den IS hervor. Die Veranstaltungen unterstrichen die Rolle von Kunst und Kultur bei der Bewahrung der Geschichte der Frauen, der Weitergabe der Werte des Widerstands an künftige Generationen und der Unterstützung der Forderung nach einer offiziellen Anerkennung der YPJ im Rahmen des Integrationsprozesses.

Rückkehr nach Afrin

Acht Jahre nach ihrer Zwangsvertreibung pochen die Menschen in Afrin weiterhin auf ihr Recht, in ihre Häuser und Dörfer zurückzukehren. Viele Familien die bereits mit der Rückkehr begonnen haben, berichten von den immer noch schwierigen Bedingungen. Sie betonen, dass eine echte Rückkehr Sicherheit, die Rückgabe von beschlagnahmten Eigentum, die Verfolgung begangener Verbrechen sowie Bedingungen erfordert, die ein würdiges Leben für alle Bewohner:innen garantieren. Frauen gehören nach wie vor zu den am stärksten von jahrelanger Vertreibung und Misshandlung Betroffenen, was die Notwendigkeit von Gerechtigkeit und Schutz unterstreicht.

Gedenken an den Widerstand vom 14. Juli

Die Partei der Demokratischen Union (PYD), Kongra Star und die kurdische Gemeinschaft im Libanon gedachten des 44. Jahrestags des historischen Widerstands vom 14. Juli im Amed-Gefängnis und bekräftigten, dass dieser Widerstand einen entscheidenden Moment im Kampf für Freiheit, Würde und die Verteidigung der kurdischen Identität darstellte. Die Teilnehmer würdigten zudem die Vorreiterrolle der Frauen in der Freiheitsbewegung und bekräftigten ihr Engagement, den Kampf für eine demokratische Gesellschaft fortzusetzen.

Schutz des Namens und der Identität Kobanês

Im Zuge des Integrationsprozesses besteht die aktuelle Übergangsregierung auf die offiziellen arabisierten Städtenamen in Nord- und Ostsyrien. Dem entgegen wurde in Kobanê eine breite Kampagne aus der Bevölkerung gestartet, um zu fordern, dass der ursprüngliche Name der Stadt in allen offiziellen Dokumenten anerkannt wird. Der Name Kobanê ist ein untrennbarer Teil der Geschichte, der Identität und des kollektiven Gedächtnisses der Stadt. Die Bewahrung des Namens der Stadt bedeutet zugleich ihre Geschichte zu bewahren sowie ihren Widerstands und die vielen Opfer ihrer Bevölkerung zu ehren.
Gegen den Versuch, den Namen der Stadt durch Ain al-Arab zur ersetzen fanden in Kobanê massive Proteste und Demonstrationen statt. Die Kampagne weitete sich auch auf andere Städte aus. So fanden z.B. in Qamishlo Aktionen statt wo die Teilnehmer:innen ebenso gegen die Umbenennung der Stadt protestierten und ihre Solidarität mit den Menschen in Kobanê ausdrückten.

Damit senden wir euch revolutionäre Grüße aus Rojava.

Nachricht aus Rojava 12 Juli:

Liebe Freund:innen,

politische, humanitäre und wirtschaftliche Herausforderungen prägen weiterhin den Alltag in Nord- und Ostsyrien, während Frauen und lokale Gemeinschaften sich dafür einsetzen, demokratische Errungenschaften zu verteidigen, die Rechte der Frauen zu schützen und die Beteiligung der Bevölkerung an der Gestaltung der Zukunft zu stärken.

Getreideernte und FeldbrändeIn Nord- und Ostsyrien eine mehrheitlich von Landwirtschaft geprägte Region ist aktuell Erntezeit.
Landwirte und Feldarbeiter darunter auch die Mitarbeiterinnen aus Projekten und Kooperativen der Frauenökononomie sind Tag und Nacht auf den Feldern um das Getreide einzuholen und die Felder und Ernte vor Bränden zu schützen. In vielen Regionen um Qamischlo, Hesekê und Dêrik sind in den letzten Wochen großflächige Feldbrände ausgebrochen, die während der Erntezeit erhebliche Flächen von Weizen- und Gerstenfeldern zerstört haben. Die Brände haben den Landwirten schwere Verluste verursacht, während Feuerwehrteams und lokale Gemeinschaften alles daran setzen, die Flammen einzudämmen und die verbleibenden landwirtschaftlichen Flächen zu schützen. Die Sorge über die Auswirkungen dieser Brände auf die Ernährungssicherheit und die Lebensgrundlagen ist groß. Zugleich hat der Integrationsprozess Auswirkungen auf die Einkommenssicherheit. Die von der Übergangsregierung zum Ankauf der Ernte gesetzten Preise sind niedriger als in den vorherigen Jahren. Trotz der auf Grund der Wetterbedingungen im diesen Jahr gut ausgefallen Ernte können viele mit ihren Erträgen kaum die Investitionen decken.

Steigende Dieselpreise und Kraftstoffknappheit

Auch die Kraftstoffkrise hält in Nord- und Ostsyrien an. Steigende Dieselpreise und eine anhaltende Kraftstoffknappheit setzt das tägliche Leben der Menschen und den Agrarsektor zusätzlich unter Druck. In mehreren Städten und Regionen kam es zu öffentlichen Protesten, bei denen die Bewohner niedrigere Kraftstoffpreise und einen zuverlässigen Zugang zu Diesel forderten und davor warnten, dass die anhaltende Krise eine zunehmende wirtschaftliche Belastung für die lokalen Gemeinden darstellt.

Forum zu den YPJ und den Frauenrechten

Der Frauenrat von Nord- und Ostsyrien organisierte ein Forum unter dem Motto „Wir sind alle YPJ – Die YPJ vertritt uns“. Im Mittelpunkt der Diskussionen standen die Geschichte und die Rolle der Frauenschutz-Einheiten (YPJ), das legitime Recht der Frauen auf Selbstverteidigung sowie die Frauenrechte im Zusammenhang mit der künftigen Verfassung Syriens. Die Teilnehmer:innen betonten, wie wichtig es sei, die Rolle der Frauen bei der Verteidigung der Gesellschaft anzuerkennen und ihre uneingeschränkte Teilhabe an der Gestaltung der Zukunft Syriens sicherzustellen.

Forderung nach einer sicheren Rückkehr der Vertriebenen aus Serêkaniyê

Vertriebene aus Serêkaniyê veranstalteten in Hesekê eine Protestkundgebung und forderten die notwendigen Voraussetzungen für eine sichere und würdige Rückkehr in ihre Häuser und Städte. Die Teilnehmer bekräftigten ihr Recht auf Rückkehr und forderten konkrete Schritte, um die anhaltende Vertreibung Tausender Familien zu beenden, die weiterhin unter schwierigen humanitären Bedingungen in Lagern leben. Obwohl die Rückkehr der Binnen-Geflüchteten eine der wichtigsten Vereinbarungen im Zuge des Integrationsprozesses ist. Laufen die Verhandlungen und die Vorbereitungen, um dies möglich zu machen weiterhin sehr schleppend. Ein Faktor dabei ist die Türkei, die bis heute keine Schritte macht um sich aus den besetzten Regionen, darunter Afrin, Serekanî und Girêspî vollständig zurückzuziehen.

Stärkung der politischen Teilhabe von Frauen

Kongra Star betonte, dass die Übergangsphase in Syrien eine sinnvolle und gleichberechtigte Beteiligung von Frauen an allen politischen Institutionen und Entscheidungsprozessen erfordert. Die Organisation warnte davor, dass die derzeitigen Mechanismen zur Bildung staatlicher Institutionen die Gefahr bergen, Frauen an den Rand zu drängen und die Gleichstellung der Geschlechter zu untergraben. Sie forderte eine demokratische Verfassung, die eine gleichberechtigte Vertretung garantiert, und forderte die syrischen Frauen auf, ihre Organisation zu stärken und ihre politische Teilhabe auszuweiten, um ihre Errungenschaften zu verteidigen und eine führende Rolle beim Aufbau der Zukunft Syriens zu spielen.

Und damit senden wir revolutionäre Grüße aus Rojava.


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