Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“(aktuallisiert am 10. Juni 2026)

erstellt von: am: 10.06.2026

Nachricht aus Rojava 10.06.2026:

Liebe Freund:innen,
In Rojava, der selbstverwalteten Region Kurdistans in Syrien, ist der Sommer und damit die Hitze ausgebrochen. Temperaturen erreichen 35 bis 40 Grad Celsius und die Luft ist trocken und heiß. Menschen vermeiden es, tagsüber rauszugehen, und die Straßen füllen sich erst gegen Nachmittag, wenn die Sonne untergeht.
Feldbrände
In Hasaka wurden durch Feldbrände Schäden an rund 1.000 Dunam verursacht. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Hasaka löschten seit Beginn der Erntesaison 66 Brände, darunter 14 Brände auf Weizen- und Gerstenfeldern, die Schäden an rund 992 Dunam verursachten. Die meisten Brände konzentrierten sich auf die Gebiete Tel Tamr und Kazwan. Laut Statistik der Feuerwehr Hasaka brachen zwischen dem 24. Mai und dem 8. Juni 2026 22 Brände auf landwirtschaftlichen Flächen in ihrem Zuständigkeitsbereich aus. Diese Brände zerstörten unterschiedliche Flächen von Weizen-, Gersten- und Dinkelfeldern. Die Schäden haben einen großen wirtschaftlichen Einfluss für die Landwirt. Die meisten Brände wurden durch Funkenflug der Mähdrescher während des Betriebs verursacht, weitere Brände entstanden durch Kurzschlüsse.
KCK (Union der Gemeinschaften Kurdistans) fordert Kampf gegen „ökologische Zerstörung“
Zum Weltumwelttag ruft der Dachverband der kurdischen Bewegung dazu auf, Umweltzerstörung und Ressourcenraub in Kurdistan und weltweit nicht hinzunehmen.
Anlässlich des Weltumwelttags am 5. Juni hat der Exekutivrat der Gemeinschaft der Gesellschaften Kurdistans (KCK) zu einem verstärkten Engagement gegen Umweltzerstörung und Ressourcenraub aufgerufen. In einer Erklärung fordert der Dachverband der kurdischen freiheisbewegung, den Schutz von Natur und Lebensgrundlagen als gesellschaftliche und politische Aufgabe zu begreifen.
Die ökologische Krise ist ein Ergebnis von Krieg, Kapitalismus und staatlicher Herrschaft, die auf Ausbeutung, Wachstum und Kommerzialisierung der Lebensgrundlagen beruht.
Die KCK betont die Situation in Kurdistan, wo ein jahrzehntelanger „ökologischer Vernichtungskrieg“ parallel zu militärischen und politischen Maßnahmen gegen die kurdische Bevölkerung geführt werde. „Von Efrîn über Behdînan bis nach Botan, Serhed und Rojhilat sind Wälder zerstört, Dörfer entvölkert und natürliche Lebensräume durch Staudammprojekte, Bergbau, Kraftwerke und andere Großprojekte beeinträchtigt worden.“ Die KCK bewertet diese Entwicklungen nicht als isolierte Umweltprobleme, sondern als Bestandteil einer umfassenderen Politik der Kontrolle, Vertreibung und wirtschaftlichen Ausbeutung. Nach Ansicht der Organisation haben zahlreiche Projekte zur Folge, dass Menschen ihre Lebensgrundlagen verlieren, Armut und Migration zunehmen und ganze Regionen entvölkert werden.
„Jeder Ort, an dem unsere Wälder abgeholzt, unsere Felder und Wasserquellen geraubt werden, jeder Ort, an dem Staudämme, Kraftwerke oder Minen entstehen, muss zu einem Ort des Widerstands für das Recht auf Leben werden“, erklärte die Organisation. Sie fordert Umweltinitiativen, lokale Gemeinschaften und demokratische Kräfte dazu auf, sich gegen Projekte zu organisieren, die Natur und Lebensgrundlagen zerstören.
Situation im Mittleren Osten: Iran – USA – Israel Krieg
Am 7. Juni kommt es das erste Mal seit der vereinbarten Waffenruhe Anfang April zwischen den USA und dem Iran zu Angriffen. Am späten Abend am 07. Juni feuert der Iran Raketen auf Israel ab, nachdem Israel Beirut angegriffen hatte. Der Iran hatte zuvor angekündigt, Angriffe auf Beirut seitens Israels nicht zu tolerieren. Israel greift seit mehreren Wochen den Süden des Libanons an, um vermeintlich die Hizbollah als Teil der Achse des Widerstandes zu vernichten. Die Hizbollah ist ein verbündeter Partner des Irans, weswegen dieser auch auf die Angriffe reagierte. Wir verurteilen die Angriffe Israels auf die Zivilbevölkerung und die entstehenden Schäden in der Gesellschaft im Libanon. Bei den Angriffen sind mehrere Menschen ums Leben gekommen.
Nach ersten Befürchtungen, dass eine neue Eskalation zwischen Iran und Israel sowie den USA ausbrechen würde, können wir zunächst davon absehen.
Donald Trump hatte Israel aufgefordert, auf die Angriffe nicht zu reagieren und sich an die Abkommen zu halten. Beide Staaten sprechen gegenseitige Drohungen bei weiteren Angriffen aus.
Die USA und Israel haben weiterhin das Ziel, den Mittleren Osten umzugestalten und die Machtverhältnisse hier zu durchbrechen und zu übernehmen. Das bedeutet die Kolonialisierung und Vernichtung der hier lebenden Völker, wie wir z.B. in Gaza sehen. Auch vom Mullah-Regime im Iran gehen Menschenrechtsverletzungen und Gefahren für ein demokratisches Leben und die Rechte der Frauen aus.
Machtverhältnisse im Irak
Die USA als imperialistische Macht wirken jedoch nicht nur in Israel, im Libanon oder in Syrien, sondern üben auch Einfluss auf die Situation im Irak aus.
Momentan wird die Waffenfrage im Irak wieder in den Mittelpunkt politischer und sicherheitspolitischer Diskussionen gerückt. Besonders die USA und ihr Sondergesandter für Syrien und den Irak, Tom Barrack, befürworten diese Prozesse.
Es geht vor allem um eine Waffenniederlegung und die Integration der irakischen Fraktionen der Volksmobilisierungseinheit (PMF) in die irakische staatliche Armee ISF. Damit soll der irakische Staat mehr Kontrolle über die Waffen der einzelnen Fraktionen erlangen. Einige Fraktionen der PMF, vor allem schiitische bewaffnete Gruppen, die dem Iran nahestehen, lehnen diese Integration jedoch ab, um eine unabhängige Militärstruktur zu bleiben.
Auch die Peschmerga, also die Militäreinheiten der KDP (Kurdische Demokratische Partei) und der PUK (Patriotische Union Kurdistans), der kurdischen Parteien im Nordirak, sollen ihre Waffen niederlegen und sich in staatliche Strukturen integrieren.
Die Regionalregierung Kurdistans weist hingegen jeden Versuch zurück, die Frage der Volksmobilisierungskräfte (PMF) mit der Zukunft der Peschmerga-Streitkräfte zu verknüpfen. Laut der irakischen Verfassung sind die Peschmerga-Einheiten bereits eine offiziell anerkannte Streitkraft.
Die Diskussion über die PMF und die Peschmerga geht weit über Sicherheits- und Rechtsfragen hinaus. Sie ist Teil eines größeren Machtkampfes um die politische Zukunft des Irak und die Verteilung von Einfluss im Staat. Dabei versuchen regionale und internationale Akteure, insbesondere die USA, die Sicherheitsstrukturen des Landes nach ihren Interessen mitzugestalten. Während Washington eine stärkere Kontrolle des Staates über bewaffnete Gruppen fordert und den Einfluss pro-iranischer Kräfte begrenzen möchte, kritisieren Gegner, dass diese Politik auch dazu dient, die inneren Machtverhältnisse im Irak zugunsten westlicher Interessen zu verändern.
Rückkehr nach Serêkaniyê
Das Flüchtlingskomitee von Serêkaniyê hat die Namen von 14.000 vertriebenen Familien erfasst, die nach sieben Jahren nun endlich wieder an ihren Heimatort zurückkehren können.
Die Vorbereitungen für eine erste Rückkehrphase laufen, Sicherheitsfragen bleiben jedoch offen.
Sicherheitsgarantien, Rückkehrvereinbarungen und die praktischen Rahmenbedingungen bleiben zentrale Voraussetzungen und werden momentan mit den beteiligten Akteur erörtert.
Îsmaîl, eine Sprecherin des Komitees, verweist auf die schwierige Situation in Serêkaniyê, da dort ein großes Ausmaß der Zerstörung herrscht. „Der Wiederaufbau wird nicht einfach sein und langfristige Anstrengungen erfordern“, erklärte Îsmaîl.
Viele der heutigen Bewohner stammen nicht aus der ursprünglichen Bevölkerung der Stadt.
Serêkaniyê wurde im Oktober 2019 infolge einer Invasion der Türkei und verbündeter dschihadistischer Milizen besetzt. Dabei wurden über 200.000 Menschen vertrieben, viele von ihnen leben bis heute in nahegelegenen Flüchtlingslagern. Anstelle der angestammten, größtenteils kurdischen Bevölkerung wurden Personen angesiedelt, die aus verschiedenen arabischen Ländern und anderen Regionen Syriens stammen.
Mariana Conti: Kurdinnen haben weltweit ein wichtiges Vorbild geschaffen
Die brasilianische Politikerin und Feministin Mariana Conti sieht die kurdische Frauenbewegung als eines der wichtigsten Beispiele für Frauenorganisierung und politischen Widerstand weltweit.
Dabei benennt sie den Aufbau gesellschaftlicher, rechtlicher, ökologischer und organisatorischer Strukturen von Frauen, aber auch die Verteidigung gegen den Islamischen Staat (IS).
„Kurdinnen haben gezeigt, dass Frauen nicht nur Teil gesellschaftlicher Veränderungen sein können, sondern diese selbst anführen und gestalten“, so Mariana Conti.
Die kurdische Frauenbewegung habe durch ihren Einsatz für politische Selbstverwaltung und Frauenbefreiung internationale Maßstäbe gesetzt.
Conti ist eine wichtige Politikerin im linken Flügel der brasilianischen Partei für Sozialismus und Freiheit (PSOL) und bestreitet bereits ihre dritte Amtszeit im Stadtrat von Campinas im Bundesstaat São Paulo.
Sie verbindet die Kämpfe der kurdischen Frauen mit denen der Frauen in Brasilien, wo besonders Frauen, Schwarze und Angehörige indigener Gemeinschaften von Armut und Ausgrenzung betroffen sind. Auch hier verschärft der Aufstieg der extremen Rechten die Angriffe auf Frauenrechte. Sie vergleicht den früheren brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. „Beide stehen für autoritäre und ultrarechte politische Entwicklungen, die Teil eines internationalen Trends sind“, sagte sie.
Daher stehen Frauen im Widerstand gegen autoritäre und rechte Politik an der vordersten Front.
Wie viele Menschen weltweit sieht Mariana Conti eine große Bedeutung in der „We Are All YPJ“-Kampagne und zeigt ihre Solidarität. Die Angriffe auf die Errungenschaften der Revolution in Rojava machen internationale Solidarität notwendiger denn je. Frauen sind weltweit besonders von Krieg, Vertreibung, sozialer Ungleichheit und den Folgen der Klimakrise betroffen. Deshalb müssten feministische Bewegungen über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten. „Internationale Solidarität ist der Weg, den wir in diesem Kampf gehen müssen“, sagte Conti.
Die Kultur- und Kunstbewegung Hilala Zêrîn veranstaltete einen Kulturabend zur Unterstützung der YPJ
In der Stadt Dirbêsiyê wurde zur Unterstützung der Frauenschutzeinheiten (YPJ) ein kultureller Abend veranstaltet. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Bewegung Hilala Zêrîn in Zusammenarbeit mit dem Kultur- und Kunstzentrum.
Die Bewegung Hilala Zêrîn organisierte gemeinsam mit dem Kultur- und Kunstzentrum in Dirbêsiyê einen Abend mit Poesie und künstlerischen Darbietungen zur Unterstützung der Frauenschutzeinheiten (YPJ). An der Veranstaltung, die im Şehîd-Zevîn-Park unter dem Motto „Die YPJ ist unsere Existenz“ stattfand, nahmen Künstlerinnen und Künstler, Mitglieder zivilgesellschaftlicher Organisationen sowie Vertreter von Räten teil.
Nach einer Schweigeminute erklärte die Leiterin von Hilala Zêrîn, Şêrîn Reşîd, dass sie ihre Unterstützung für die YPJ fortsetzen würden. Sie betonte, dass die YPJ im Kampf gegen die Terrororganisation ISIS eine zentrale Rolle gespielt habe, ihre Stellung und Stärke unter Beweis gestellt habe und darüber hinaus den Willen der Frau sowie ihren Kampf repräsentiere.
Und damit senden wir revolutionäre Grüße aus Rojava.


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