Täglische Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“

erstellt von: am: 05.02.2026

Aktuallisierung 8. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:

Aktuallisierung 7. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:

Liebe Freundinnen,

wir melden uns aus Rojava, aus dem Herzen der Frauenrevolution wo in diesem Moment die Menschlichkeit verteidigt wird.
Die Lage ist hier ist weiterhin sehr ernst.

Für die Implementierung des Abkommen zum Waffenstillstand und zur Integration, welches am 30. Januar zwischen den Strukturen der Autonomen Selbstverwaltung und der Syrischen Übergangsregierung abgeschlossen wurde, finden weiterhin Gespräche statt.

Doch weiterhin fehlen konkrete Schritte die Belagerung Kobanes zu lockern.
Während die Gespräche also weitergehen, geht auch die Organisierung der Selbstverteidigung weiter. Die Bevölkerung Rojava’s ist fest entschlossen ihre Errungenschaften und ihr Leben zu verteidigen.

In Kobane sind seit mittlerweile 3 Wochen 600.000 Menschen unter Versorgungsengpässen bei Strom, Wasser, Lebensmitteln und medizinischer Hilfe. Die humanitäre Lage ist katastrophal.

In den letzten Tagen haben Gespräche der Selbstverwaltung von Kobane und der staatlichen Verwaltung der Region Aleppo, in der sich auch Kobane befindet, stattgefunden.

In einem Statement versicherte die Autonome Verwaltung von Kobani ihre uneingeschränkte Bereitschaft zur Umsetzung des Abkommens und forderte die Regierung auf, ihren Teil beizutragen und die notwendigen Schritte einzuleiten.
Die Syrische Übergangsregierung hat ihre Truppen nicht abgezogen. Die Belagerung dauert an. Sie bedroht Menschenleben und gefährdet den Waffenstillstand, sollte die Übergangsregierung ihren Teil des Abkommens nicht einhalten.

Ausserdem beharrt die Syrische Übergangsregierung weiterhin darauf, Kobani „Ayn al-Arab“ zu nennen. Ayn al-Arab ist der arabische Name und bedeutet „Ursprung der Araber“, was im Widerspruch dazu steht, dass es sich um eine Stadt mit kurdischer Bevölkerungsmehrheit handelt. Die Bezeichnung „Ayn al-Arab“ widerspricht den Tatsachen.

Während also die Belagerung trotz des Waffenstillstandsabkommen weiterhin fortgeführt wird, ist am Grenzübergang zur türkischen Stadt Suruç seit 9 Tagen starke Aktivität des Militärs zu beobachten.
Panzer werden zusammengerückt, mit Baggern Gräben ausgehoben und militärische Stellungen errichtet. Auch gestern wurde weiter gebuddelt. Es sieht ganz danach aus, als würden sie sich auf einen Krieg vorbereiten.

Wir möchten in der heutigen Nachricht ein bisschen Hintergrund geben und etwas zu diesen Grenzen sagen.

Die Türkisch – Syrische Grenze, zieht sich in Form einer von Stacheldraht überzogenen grauen Mauer durch das Land. Auf der türkischen Seite ist sie stark militarisiert mit Wachtürmen, Minen und Wärmebildkameras.
Sie ist beinahe ein absurder Anblick, denn ihr ist beim ersten Blick anzusehen, dass sie wahnsinnig fehl am Platz ist.
Ihr ist schmerzlich anzusehen, dass sie trennt was einst eins wahr. In Kobane und Suruc, sowie in Qamislo und Nusaybin trennt sie Städte und Nachbarschaften. Nicht wenige Familien wurden durch ihren Bau voneinander getrennt.
Die Mauer wurde 2015 gebaut, doch der Lauf dieser Grenze hat seinen Ursprung 1923 im Vertrag von Lausanne, als nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches die europäischen Großmächte die Ländereien für sich aufteilten. Ihr Lauf wurde der Eisenbahnlinie angepasst, die die ausgebeuteten Ressourcen aus dem MO nach Europa brachte. Also von wirtschaftlichen Interessen bestimmt und nicht nach der Realität der Gesellschaft.
Diese Grenze zeigt deutlich die lange Geschichte von Grenzen, die von weißen Männern mit Linearen durch die Berge und Ebenen des Mittleren Ostens gezogen und durch Kriege und Völkermorde durchgesetzt wurden.
Und was heute passiert zeigt deutlich, dass diese Geschichte nichts mit der Vergangenheit zu tun hat, sondern ganz aktuell ist.
Weiterhin ist es das Interesse der Hegemonialen Kräften, angeführt von den wirtschaftlichen Interessen von USA und Nato, das Potential für Widerstand und Erneuerung des Systems, welches im MO durch die kulturelle Vielfalt und gesellschaftlichen Werte bestehen, zu zerstören.
Das hat Präsident Georg Bush 2004 auf einer G8 Versammlung klar formuliert, als er das „Great Middle East“ Projekt vorstellte, welches die Militärische Aktivitäten der USA und ihren Verbündeten sowie vorher in den Kriegen in Afghanistan und Irak, sowie heute, vom Iran bis nach Nord-/Ost Syrien leitete.
Es geht darum, den MO gänzlich in den kapitalistischen Markt einzugliedern.

Das war nun ein kleiner Exkurs in dieser Nachricht. Wir hoffen euer Interesse dadurch zu erwecken, euer Verständnis über die Lage des Mittleren Osten im Kern des 3. Weltkrieges zu vertiefen.

Was die Rojava Revolution verteidigt ist eine Alternative, die nicht auf trennenden Staatsgrenzen beruht. Es ist ein gesellschaftliches System in dem keine Grenzen existieren und die kulturelle Vielfalt zu Kreativität führen kann, anstatt sich gegenseitig zu negieren und zu bekämpfen.
Es sind alle Stimmen gehört, jede religiöse, kulturelle und ethnische Minderheit ist organisiert und Teil der politischen Entwicklungen. Natürlich ist es nicht perfekt und Fehler passieren, aber das ist das Ziel der laufenden Revolution.

Fast überall sehen wir den Wunsch von Staaten und rechter Politik nach Homogenisierung. Sie versuchen, alle zu vernichten, die als andersartig gelten. Sie wollen uns dazu bringen, andere als Bedrohung für uns selbst zu sehen. Unsere Kämpfe dagegen, überall auf der Welt, sind eng miteinander verbunden; wir teilen gemeinsame Feinde und den Wunsch nach einer Zukunft, nach Freiheit für alle. Deshalb sagen wir, die Frauenrevolution ist für alle Frauen und alle, die sich ein freies Leben wünschen. Unsere Kämpfe, unser Schmerz, unsere Revolutionen, unser Freiheitskampf sind miteinander verwoben, wenn wir den Mut haben, dies zu erkennen.

In den letzten Jahren ist immer deutlicher geworden, wie insbesondere Frauen eine Vorreiterrolle bei der Überwindung kultureller und ethnischer Spaltungen einnehmen. Durch ihren gemeinsamen Kampf für die Befreiung als Frauen finden sie Einheit, erkennen, dass sie gegen dieselben patriarchalen Hindernisse ankämpfen, und ermutigen so den Rest der Gesellschaft, durch wahrhaft demokratische Prozesse Lösungen zu finden.

Gestern fand in Haseke ein Treffen zwischen dem neuen Gouverneur Nûredîn Îsa, dessen Position einer der Kernpunkte des neuen Abkommens war, und lokalen Behörden statt. Delegierte arabischer Stammesstrukturen, Glaubensrichtungen und Strukturen der Selbstverwaltung kamen zusammen. Dies zeigt, wie die kulturelle Vielfalt Rojavas trotz massiver Angriffe, die darauf abzielen, Spaltungen zu vertiefen, Widerstand leistet.

Die Syrische Übergangsregierung bedroht nicht nur die kurdische Bevölkerung, sondern alle ethnischen und religiösen Minderheiten in Syrien. Letzte Nacht wurde ein junger Mann in Swuiada bei einem Raketenangriff der Übergangsregierung auf sein Dorf getötet.

In der belagerten Stadt Kobane haben heute hunderte Frauen demonstriert und ihren starken widerständigen Willen gezeigt Revolution und Existenz auch weiterhin zu verteidigen.

Xenaf Xelîl von Kongra Star erinnert in ihrer Rede an die Demonstrierenden an den Widerstand der Frauen gegen den sog. IS in Kobane vor 11 Jahren und sagte:

„Die Frauen haben Besatzer und Verschwörer zurückgeschlagen. Sie haben der Welt gezeigt, dass Frauen die Kraft haben, Veränderung zu schaffen.“

Mit diesen Worten beende ich die heutige Nachricht.
Widerständige Grüße aus Rojava,
vom 7. Feb 2026

Aktuallisierung 6. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:

Liebe Genoss:innen, Freund:innen und Schwestern,
Heute ist der 6. Februar, und hier ist unser tägliches Update aus Rojava.

Frauen in der Stadt Amude demonstrierten heute für die Freilassung von Abdullah Öcalan. Sie betonten, dass seine Freilassung dringend notwendig sei, um weitere Gewalt zu verhindern und Frieden zu schaffen. Fotos zeigen Frauen mit Fahnen, auf denen Abdullah Öcalans Gesicht abgebildet ist, und einem Banner mit der Aufschrift: „Die Freiheit von Abdullah Öcalan ist die Freiheit des Volkes“.

Eine Delegation aus Rojava, bestehend aus Rohilat Afrin, der Kommandeurin der Frauenverteidigungseinheiten, Mazloum Abdi, dem Kommandant der SDF, und Ilham Ahmed, der Ko-Vorsitzenden der Autonomen Selbst-Verwaltung, traf sich heute in Erbil und führte mehrere Gespräche.

Mit Masoud Barzani von der Demokratischen Partei Kurdistans erörterten sie die politischen und militärischen Entwicklungen in Syrien, die Beziehungen zwischen den kurdischen Parteien und Möglichkeiten zur Verbesserung der gemeinsamen Koordination in der kommenden Phase.
Sie trafen sich außerdem mit dem französischen Außenminister Jean-Noël Barrot. Dabei ging es um die Umsetzung des Abkommens, die Terrorismusbekämpfung gegen den IS und die Notwendigkeit der Rückkehr von Binnenvertriebenen in ihre Gebiete, insbesondere nach Afrin und Serê Kaniyê.

Heute empfing die SDF in Heseke eine Delegation des syrischen Verteidigungsministeriums. Wir warten noch auf Neuigkeiten.

Im Süden und Westen Syriens finden Proteste statt, vorwiegend von der arabischen Bevölkerung, die ihren Unmut über die syrische Übergangsregierung und die steigenden Gas- und Ölpreise zum Ausdruck bringen. In Deir ez-Zor, einer Stadt, die bis vor Kurzem unter der Autonomen Verwaltung stand, haben sich die Ölpreise verdreifacht.

Letzte Nacht und heute kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der syrischen Übergangsregierung und der Nationalgarde von Suwaida. Die Nationalgarde gab bekannt, dass zivile Gebiete von Stellungen der syrischen Übergangsregierung aus mit schwerem Mörser- und Maschinengewehrfeuer beschossen wurden.
Suwaida ist ein mehrheitlich von Drusen bewohntes Gebiet im Süden Syriens. Die Nationalgarde von Suwaida ist ein Zusammenschluss drusischer Streitkräfte, der im August 2025 als Reaktion auf die Massaker der syrischen Übergangsregierung ab Juli 2025 gegründet wurde. Diese Massaker waren von Massenmorden, Terror und weit verbreiteter sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen und Mädchen geprägt. Die Gewalt der syrischen Übergangsregierung in ganz Syrien ist deutlich spürbar und verdeutlicht ihre ideologische Linie gegen alle, die nicht ihrer Linie angehören.

Im vergangenen Jahr forderten die Drusen zudem ihre Autonomie. Es wird ein Kampf werden müssen, doch besteht die Möglichkeit, dass die Verankerung lokaler Autonomie in der Verfassung im Rahmen der Verhandlungen mit der autonomen Verwaltung auch anderen ethnischen Gruppen den Weg zu einem rechtlichen Rahmen für ihre Autonomie ebnen könnte.

Heute jährt sich zum dritten Mal das Erdbeben, das die nordkurdische Region, die Provinz Kahramanmaraş, erschütterte und über 55.000 Menschenleben forderte sowie Millionen obdachlos machte. Man könnte leicht meinen, die vielen Toten seien auf eine Naturkatastrophe zurückzuführen. Doch wir wissen, dass dies nicht die ganze Wahrheit ist. Verspätete Hilfslieferungen, Menschen, die ihrem Schicksal überlassen wurden, und eine mangelhafte Infrastruktur, die zum Einsturz fragiler Gebäude innerhalb von Augenblicken führte, verursachten die meisten Todesfälle. Dennoch wurde bisher niemand zur Rechenschaft gezogen.

Zum Schluss möchten wir einige Zitate aus einem Interview teilen, das heute in Jinha, der Frauennachrichtenagentur aus Nord- und Ostsyrien, veröffentlicht wurde. Das Interview wurde mit zwei Müttern geführt, die im Rahmen der allgemeinen Mobilmachung Verteidigungsaufgaben übernommen haben.

Awaz Ali sagte:

„Frauen spielen heute eine Doppelrolle. Junge Männer und Frauen erfüllen ihre Pflichten an vorderster Front, während Frauen in den Wohngebieten Schutz- und Unterstützungsaufgaben übernehmen – sie tragen Waffen und stehen an der Seite der Streitkräfte, die die Region verteidigen.“
Sie bekräftigte, dass eine Mutter, wenn sie Gefahr für ihr Zuhause oder ihre Kinder spürt, instinktiv zu einer unbezwingbaren Kraft wird.

Sie sagte: „Wir werden keinem Feind erlauben, uns von unserem Land zu vertreiben oder die Sicherheit unserer Kinder zu bedrohen. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um sie ohne Zögern zu verteidigen.“

Eine andere Frau, Laila Ali Al-Din Hassan, Mutter von drei Kindern, sagte: „Wir sind keine Kriegsfreunde, aber die gegenwärtige Realität hat uns gezwungen, zu den Waffen zu greifen, um uns selbst, unsere Würde und die Zukunft unserer Kinder zu verteidigen.“

Hassan erklärte, dass die Sicherheitsspannungen nicht nur eine einzelne Gemeinschaft getroffen, sondern alle Bevölkerungsgruppen der Region – Kurden, Aramäer, Araber sowie Alawiten, Drusen und andere – betroffen hätten. Dies habe das Verantwortungsgefühl der Frauen gestärkt, sich zum Schutz des sozialen Gefüges zusammenzuschließen und jeden Versuch der Destabilisierung der Region zu verhindern.

„Dieses Verhalten entspringt dem mütterlichen Empfinden, dass ihre Verantwortung nicht bei ihren eigenen Kindern endet, sondern sich auf alle Kinder in der Region erstreckt. Frauen haben in dieser Phase nicht versagt; im Gegenteil, sie haben eine zentrale und wirksame Rolle gespielt, insbesondere beim Schutz der Gemeinschaft.“

Widerständige Grüße aus Rojava

Aktuallisierung: 04/02/2026 Tägliche Nachricht aus Rojava:


Liebe Freund:innen und Schwestern,
hier ist unser tägliches Update aus Rojava, vom Mittwoch, dem 04. Februar.

Nachdem gestern wegen dem Besuch der Delegation des Syrischen Innenministeriums in Qamishlo eine Ausgangssperre verhängt wurde, und die gesamte Gesellschaft angespannt das Treffen zwischen den Inneren Sicherheitskräften der Selbstverwaltung und der Syrischen Übergangsregierung mitverfolgt hat, haben sich heute die Straßen wieder mit Leben gefüllt und der Verkehr geht weiter.

Doch die Anspannung bleibt deutlich spürbar. Zwar sind die Gespräche gut verlaufen und wir haben von beiden Seiten eine positive Rückmeldung erhalten, jedoch bleibt die Gesellschaft in Bereitschaft sich jederzeit nötigenfalls zu verteidigen.
Eine Führungsperson der Internen Sicherheitskräfte (Asayish) von Nord- und Ostsyrien, Mahmoud Khalil Ali, richtet, nach den Gesprächen, folgende Worte an die Gesellschaft: „Die Waffenruhe wurde umgesetzt, und der zweite Teil der Vereinbarung, der Einmarsch von Truppen in Qamishlo und al-Hasaka, wurde heute vollzogen. Die Arbeiten an den verbleibenden Bestimmungen werden fortgesetzt, allen voran die Rückkehr der Streitkräfte beider Seiten zu ihren Hauptstützpunkten. Bislang gab es keine Hindernisse oder Verzögerungen, und wir werden diesen Weg weitergehen.“

Die Fotos und Videos, welche zu dem Anlass veröffentlicht wurden, zeigen, dass Frauen und Männer der Asayish und die Kräfte des Innenministeriums der syrischen Übergangsregierung Seite an Seite stehen. Dass auch Frauen – zumindest auf unserer Seite – bei diesen offiziellen Treffen und Bildern präsent sind ist ein wichtiges Zeichen. Es ist ein wichtiger Schritt zur Sicherung der Errungenschaften der Frauenrevolution, dass Frauen weiter in den militärischen Strukturen arbeiten und über ihre Arbeiten selbst entscheiden können. Für die Gesellschaft hier und für die internationalen Kräfte bedeutet dies mit Aufmerksamkeit die weiteren Entwicklungen zu beobachten und dabei ganz besonders laut und immer wieder die Forderungen zur Sicherung der Frauenrechte zum Ausdruck zu bringen.

Eine Antwort der Frauen hier aus der Gesellschaft darauf ist, die Gründung eines autonomen Frauenbataillons im Stadtteil Kornîş, in Qamişlo. Als Teil der zivilen Frauen-Verteidigungskräfte HPC-Jin haben sie ihrem Batallion den Namen Ş. Ayaz Çiya gegeben und werden jede Nacht auf den Straßen sein, um die Sicherheit ihres Viertels zu garantieren. In einer Videobotschaft sieht man sie, eine Gruppe Frauen, die meisten älter, wahrscheinlich Mütter, viele mit Kopftuch, jede mit ihrer Waffe im Arm. Eine der Frauen sagt: „Sie sollen nicht denken, dass wir Frauen brechen würden; wir Frauen brechen nicht. Wir werden immer Widerstand leisten und wir werden leben!“

Die Verhandlungen hier in Syrien müssen auch in Zusammenhang mit dem Friedensprozess in der Türkei betrachtet werden. Öcalan als Vorreiter dieses Prozesses, hat sich in diesem Rahmen für Frieden in Syrien und eine Integration der Selbstverwaltung in einen demokratischen syrischen Staat ausgesprochen. Der Türkische Staat jedoch fährt Panzer an der Grenze zu Rojava auf.

Seit fast einem Jahr nun, besteht der Versuch gemeinsam an einen Tisch zu kommen um eine friedliche Lösung für das Zusammenleben aller unterschiedlichen Völker, insbesondere der Kurd:innen, in den Regionen der Türkei und in Bakur zu finden. Von Seiten der Kurdischen Bevölkerung und Parteien wurden alle verhandelten Schritte, wie der Abzug der PKK aus den Bergen, sowie auch die Niederlegung der Waffen, bereits gegangen. Doch der türkische Staat zeigt keinen Anschein Schritte in Richtung einer friedlichen Lösung zu gehen.

Im letzten Jahr kam es zwar zu weniger militärischen Angriffen auf die kurdische Bevölkerung, dennoch werden weiterhin viele kurdische Politiker verhaftet, aus ihren Ämtern entlassen und durch türkische Beamte ersetzt.

Bei einer koordinierten Polizeioperation wurden gestern in 22 Provinzen der Türkei auf brutale Art und Weise 96 linke Aktivist:innen, Journalist:innen und Gewerkschafter:innen festgenommen. Besonders Politikerinnern aus der Sozialistischen Partei der Unterdrückten (ESP), ihrer Jugendorganisation SGDF, den Sozialistischen Frauenräten (SKM) sowie Journalist:innen der Nachrichtenagentur ETHA wurden, unter dem Vorwand von Terrorismus, verhaftet.

Des Weiteren kommt es momentan zu enormen Menschenrechtsverletzungen und Gewalttaten, gegenüber Demonstierenden, die für den Frieden in Syrien einstehen. Alleine vom 01.02 auf den 02.02 gab es 846 Festnahmen und über 118 Inhaftierungen mit schwerer psychischer und physischer Gewalt. Besonders Jugendliche unter 18 Jahren sind von den aktuellen Repressionen und Festnahmen betroffen. Die Staatsstrategie, die dahinter steckt, ist es den Widerstand möglichst im Keim – der Jugend – zu ersticken. Davon lassen wir uns jedoch nicht einschüchtern und fordern auch hier die EU auf, Stellung zu beziehen und ihrer Verantwortung nachzukommen, sich für die Einhaltung der Menschenrechte einzusetzen.

Die Vorsitzende der DEM Partei Tülay Hatimoğulları betont: Ein Friedensprozess könne nur dann Substanz gewinnen, wenn europäische Regierungen politischen Druck aufrechterhalten und die Entwicklungen genau verfolgen. Andernfalls bestehe die Gefahr reiner Symbolpolitik.

Diese Worte richten sich vor allem auch an die europäische Gesellschaft, in dessen Verantwortung es nun ist, Druck auf die Regierungen auszuüben. Dass, diese Strategie Früchte trägt, sehen zeigt eine Aktion der Soli-Arbeiten, die sich mit Briefen und der Forderung nach einer Stellungnahme an das Europaparlament gewendet haben. Katja Kallas, Vertreterin der Europäischen Union (EU) für Außen- und Sicherheitspolitik, hat den Punkt „Die Lage in Nordostsyrien, Gewalt gegen die Zivilbevölkerung und die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung eines dauerhaften Waffenstillstands“ auf die Tagesordnung einer Februar-Sitzung in Straßburg gesetzt.

In dem Sinne ruft Women Defend Rojava, alle Menschen, die an Frieden und eine demokratische Gesellschaft glauben, dazu auf, aktiv zu werden und sich den lokalen Solidaritätsgruppen anzuschließen oder eigene Kommitees aufzubauen.

Wir laden euch ein an der Online Veranstaltung von Kongra Star am 05. Februar teilzunehmen. Emine Omer vom Frauenrat Nord- und Ostsyriens, Heidi Sequenz aus dem Wiener Landesparlament und Journalistin und Aktivistin Rahila Gupta werden gemeinsam über die Angriffe auf die Frauenrevolution in Rojava sprechen. Mehr Infos dazu findet ihr hier: https://kongra-star.org/eng/2026/02/04/the-womens-revolution-in-rojava-under-attack/

Und damit schicken wir solidarische Grüße aus Rojava!

Aktuallisierung am 03.Februar 2026:

Liebe Freund:innen und Schwestern, hier ist unser tägliches Update aus Rojava, vom Dienstag dem 03. Februar.

Es sind schwierige, historische Tage, in denen die Gefühle der Gesellschaft Hoffnung, aber auch Angst, Entschlossenheit, Schmerz und Stolz widerspiegeln.

Seit Beginn dieses Krieges haben wir erlebt, wie brutalste Gewalt eingesetzt wird, um den Widerstand der Gesellschaft zu brechen und die Menschen zu terrorisieren und zu lähmen. Wir haben Akte der symbolischen Gewalt gesehen – wie die Statur von Rojbîn Arab gestürzt und zerschlagen wurde, wie Frauenzentren geplündert, Bücher verbrannt und Bilder von Gefallenen mit Füßen getreten wurden. Dies sind Akte der Gewalt gegen die Träume und die Selbstbestimmung von Frauen. Wir haben Massaker an Zivilist:innen, Vergewaltigungen, Zerstörung von Infrastruktur, Tötungen, Folter und Belagerung erlebt.

All dies ist euch, die diese Updates verfolgen, wohlbekannt. Wir erinnern uns an die Gewalt, die dieses Land bereits unter dem IS Kalifat erlebt hat. Wir kennen die Folterkeller des Baath Regimes. Es ist nicht schön wieder solche Bilder zu sehen, aber in Zeiten, in denen das Schweigen der Massenmedien und der Hegemonialmächte ohrenbetäubend ist, ist es besonders wichtig, die begangenen Kriegsverbrechen und -verletzungen zu benennen und sie sichtbar und hörbar zu machen. Aus diesem Grund hat die Jineolojî-Akademie in Rojava ein Dossier erstellt, das die im Januar 2026 in Rojava sowie in Nord- und Ost-Syrien begangenen Kriegsverbrechen darstellt und analysiert.

Kein Krieg ist normal oder natürlich, aber in den letzten Wochen haben wir ganz besonders erlebt, wie vielfältig und brutal die Angriffe des Feindes sein können. Von Propagandavideos über gefälschte oder manipulierte Nachrichten bis hin zur Schändung von Leichen: Jede Form des Tötens wird hier praktiziert.

Das bedeutet jedoch, dass unsere Verantwortung eine historische Dimension hat; wir müssen auf allen Ebenen handeln!

Von der Jineoloji-Akademie in Rojava heißt es: „Mit diesen Dokumenten wollen wir die Stimme unseres ermordeten Volkes sein. Wir werden sie an internationale Organisationen weiterleiten und den Prozess selbst begleiten. Wir rufen alle Frauenbewegungen, internationalen Organisationen und Kinderschutzorganisationen auf, gegen diese Menschenrechtsverletzungen Stellung zu beziehen.“

Wir sollten uns das System der Kommunen zum Vorbild nehmen, das es jedem Menschen und insbesondere jeder Frau ermöglicht, ihren Platz in Solidarität, Widerstand, Organisation und der Verteidigung des Lebens zu finden.

Neue Familien treffen weiterhin aus Raqqa, Tabqa, Sheikh Maqsoud und Ashrafiya im Kanton Cizire ein, und die Kommunen arbeiten auch mit humanitären Organisationen zusammen, um lebensnotwendige Hilfe, Lebensmittel und warme Unterkünfte bereitzustellen. Der Gemeinschaftsgeist und die gegenseitige Unterstützung sind ungebrochen.

Aus Qamishlo beispielsweise kommt eine Erklärung von Frauen der zivilen Verteidigungskräfte (HPC), die beschlossen haben, ein neues Bataillon zum Schutz der Nachbarschaft aufzustellen. Sie erklären: „Wir stehen an der Seite unserer Kinder an vorderster Front, um eure Gebiete zu verteidigen.“

Unter diesen Frauen ist eine über 60 Jahre alt und besitzt die Entschlossenheit einer jungen Frau: Ihr Kampf für ethische Grundsätze, für den Erhalt der Werte des Lebens, lässt sie jede erdenkliche Grenze überwinden, selbst die des Körpers und die der Erschöpfung.

Bezüglich des neuen Abkommens zwischen den Demokratischen Kräften Syriens (SDF) und der syrischen Übergangsregierung können wir berichten, dass gestern wie vereinbart ein Konvoi mit Sicherheitskräften des Syrischen Innenminesteriums nach Heseke und heute nach Qamishlo gefahren ist. Berichten zufolge verlief alles reibungslos; genauere Informationen stehen noch aus.

Gestern machten die Kräfte der syrischen Regierung in Heseke ihre Ideologie deutlich, als einzelne mit erhobenem Finger in die Stadt einfuhren. Ein Symbol für einen Gott, eine Macht, eine Ordnung. Im Gegensatz dazu hielten die Menschen hier zwei Finger hoch, das Symbol des Friedens. Wenn man sieht, wie zwei Menschen dieses Symbol nur wenige Meter voneinander entfernt zeigen, wird der Mentalitätsunterschied deutlich. Zwei Finger stehen für Einheit, Zusammengehörigkeit und Vielfalt. Ein Finger repräsentiert eine hegemoniale, zentralisierte Macht. Beides ist universell, das Symbol und die Bedeutung. Der Krieg hier war nie ein regionaler Konflikt. Die hier erreichte Revolution war nie ein lokales Ereignis. Und der Integrationsprozess, wenn er gut gelingt, im Geiste der Revolution fortgeführt wird und von Frauen angeführt wird, hat das Potenzial, den Rest Syriens zu demokratisieren, Vorbilder und einen Weg für den Rest des Nahen Ostens zu bieten und den Dritten Weltkrieg zu deeskalieren.

Heute verzichteten die syrischen Sicherheitskräfte nach heftiger Kritik auf das traditionelle Zeichen. Stattdessen gaben sie sich freundlich. Für die Demokratisierung des syrischen Staates ist ein Geist der Freundschaft nötig – eine echte Freundschaft. Nicht nur ein freundliches Lächeln, sondern eine tiefe Verbundenheit zwischen den Menschen, die seit Langem besteht.

Die Rojava-Revolution ist eine Revolution der Hoffnung, in der Alter, geografische Grenzen und kulturelle Unterschiede keine Hindernisse, sondern Möglichkeiten darstellen. In diesem Sinne rufen wir alle dazu auf, sich kreativ an der Organisation der Solidarität zu beteiligen. Kobane ist weiterhin belagert. Wir müssen die Belagerung durchbrechen, den politischen Druck erhöhen, alle relevanten Akteure aus Politik und humanitären Organisationen einbeziehen, den Widerstand dieses Landes bekannt machen und symbolische, aber wirkungsvolle Aktionen organisieren.
Wir haben es bereits gesagt, aber heute, in dieser Situation des Wartens, wollen wir es noch einmal sagen: „Women Defend Rojava“ ist kein Slogan, sondern ein Schlachtruf, ein Versprechen, das nicht zum Schweigen gebracht werden kann.

Revolutionäre Grüße aus Rojava

  1. Februar 2026

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