Täglische Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“
erstellt von: Radio Flora Redaktion am: 10.02.2026
LiAktuallisierung 15. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:ebe Freund:innen,
wir senden euch diese Nachricht aus Rojava, einem roten Mittelmeerland, verwundet von Staatsbomben und genäht von den geschickten Händen älterer Mütter.
Wir schreiben euch am schwarzen Tag, dem 15. Februar, schwarz, weil an diesem Tag die Machthaber das Licht stahlen, das ein Volk in der Revolution leitete, indem sie den kurdischen Wegbereiter Abdullah Öcalan entführten und auf der Gefängnisinsel Imrali einsperrten.
Die Vereinigten Staaten, die Türkei, Israel, Großbritannien: Sie haben versucht, die Hoffnung auf eine demokratische Lösung für die Völker des mittleren Ostens zu zerstören, um weiterhin ihre schmutzigen Interessen zu verfolgen.
Es war eine internationale Verschwörung, die Öcalan am 15. Februar gefangen nahm, und am 6. Januar dieses Jahres, erlebten wir etwas Ähnliches erneut, mit Beginn des Krieges in Rojava und Nordostsyrien.
Wir wollen den ideologischen Charakter dieses Krieges deutlich machen: Das Land, in dem die Idee einer demokratischen Nation, einer Vielfalt an Kulturen und des freien Zusammenlebens der Völker Wirklichkeit geworden war, wurde angegriffen. Es war ein zweiter 15. Februar, an dem die internationalen Mächte erneut Bündnisse gegen das System der Selbstverwaltung der Völker, gegen die Frauenrevolution, schmiedeten.
Der IS, die pro-türkischen Söldner, die Streitkräfte der syrischen Übergangsregierung – sie alle verkörpern die vorherrschende patriarchale Mentalität dieses Jahrhunderts, die mit entsetzlicher Gewalt Frauen angreift, Frauen, die einer ganzen Region neue Hoffnung schenkten.
Sie wollen das Bewusstsein der Frauen und ihre revolutionäre Stärke auslöschen, doch dieses Bewusstsein ist in diesem Land tief verwurzelt.
Gegen diesen Krieg zu handeln und sich zu organisieren bedeutet, sich für eine Seite der Geschichte zu entscheiden, für den Weg der organisierten Gesellschaft und gegen den des Staates – für diesen historischen Weg, geprägt vom Widerstand von Frauen..
27 Jahre lang, Tag für Tag in Hochsicherheitshaft, leistete Abdullah Öcalan Widerstand, wie es nur ein zutiefst freier Mensch vermag.
Deshalb ist er der Anführer der Gesellschaft, deshalb konnte man den Völkern die Hoffnung nicht rauben.
Der Faschismus macht nicht an Staatsgrenzen halt; die imperialistischen Mächte verbünden sich in opportunistischen Abkommen und schmieden Komplotte, um die Lebenskraft der Völker zu brechen.
Doch die Gesellschaft kennt keine Grenzen.
Sie kennt die Perspektive der Einheit in der Vielfalt, des Widerstands und der Organisierung..
Es ist unsere Verantwortung, einen Internationalismus der Völker gegen die Gewalt dieser Hegemonialmächte zu verwirklichen.
Mit seinem unerschütterlichen Einsatz für die Menschlichkeit verkörpert Abdullah Öcalan auch heute noch die Hoffnung und die Möglichkeit des Sieges im Kampf.
Als Internationalisten fordern wir gemeinsam mit diesem Land seine dringende Freilassung,
denn Öcalans physische Freiheit ist die Voraussetzung für eine politische und demokratische Lösung,
sowohl für Syrien als auch für den gesamten Mittleren Osten.
Sie werden den Völkern nicht das Licht rauben,
sie werden die Frauenrevolution nicht aufhalten.
Biji Berxwdana Imrali
Es lebe der Widerstand von Imrali!
Jin Jiyan Azadi
Aktuallisierung 14. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:
Liebe Freund:innen,
wir grüßen euch am Samstag, den 14. Februar, aus Rojava.
Transfer und Entlassung von IS-Mitgliedern
Gestern gab das US-Militär bekannt, dass der Transfer von über 5.700 IS-Mitgliedern aus Gefängnissen hier im Nord-Osten Syriens in irakisches Gewahrsam abgeschlossen ist. Der Transfer dieser als besonders gefährlich angesehenen Islamisten, war der Grund für das 15-tägige Waffenstillstandsabkommen, dass vor drei Wochen vereinbart wurde.
Aus dem Al-Hol Camp kam vor wenigen Tagen die Nachricht, dass von den ausländischen Familien, die meisten das Camp verlassen haben. Nur 20 sollen noch übrig sein. Ende letzten Jahres waren noch über 6.300 Menschen in dem „foreign fighter“-Bereich des Camps gewesen. Insgesamt beherbergte das Camp Ende letzten Jahres über 25.000 Menschen.
Das Al-Hol Camp ist kein Gefängnis, aber ein geschlossenes Camp, in dem die Familien von gefangenen IS-Mitgliedern lebten. Auch wenn ihnen keine direkten Straftaten vorgeworfen werden konnten, spielten die Frauen eine zentrale Rolle darin die Ideologie des IS weiterzugeben und taten dies auch in den letzten Jahren immer weiter. Die Kinder und Frauen, die nun wieder zu Tausenden das Camp verlassen haben, sind höchst radikalisiert und stellen ein großes Sicherheitsrisio dar.
Die ganze Verstrickung dieser Tatsachen ist absurd, wenn man sie sich einmal vor Augen führt: erst fördert die USA den politischen Islam als Gegenspieler zu sozialistischen Bewegungen im Mittleren Osten, dann bekämpft sie den IS und setzt als nächstes die islamistische HTS als neue Regierung in Syrien ein. Dann lässt sie diese Regierung in die internationale Anti-IS-Koalition eintreten und lässt sie IS-Gefängnisse von der SDF übernehmen, aus denen dann – ganz unerwartet – hunderte IS-Mitglieder entlassen werden. Nur die wichtigsten Köpfe werden in den Irak gebracht, weil man das Risiko, die unkontrollierbar auf freiem Fuß zu haben, dann doch nicht eingehen will.
Statement der UN
Ein Sprecher des UN Sicherheitsrates hat sich heute offiziell für das Waffenstillstandsabkommen und die Rechte der kurdischen Bevölkerung in Syrien ausgesprochen. Besonders betonten wurde, dass die volle politische Teilnahme von Frauen auch zukünftig in Syrien garantiert sein muss. Eine Teilnehmerin des Treffens sagte: “Ohne Syrische Frauen, wird die Transition nicht legitim sein.” Auch ein Erfolg dabei ist, dass offiziell über die Region Nord- und Ost-Syriens gesprochen wurde. Ein weiterer kleiner Schritt in die Richtung einer internationalen Anerkennung.
Frauen aller Kulturen kämpfen zusammen in Rojava
Das Pressezentrum der YPJ hat heute ein Video veröffentlicht in dem kurdische und arabische Kämpferinnen über ihre gemeinsame Verteidigung Rojavas sprechen. Sie sagen: „Was auch immer passiert, wir kämpfen Seite an Seite mit arabischen, kurdischen, armenischen und suryoye Frauen für die Verteidigung unserer Heimat.“
Wir müssen auf alles vorbereitet sein
Die Situation hier bleibt angespannt. Kobane ist nach wie vor belagert und es fehlt an dringenden Medikamenten. Die Zukunft bleibt schwer vorhersagbar.
In einem Interview der Frauen-Medienagentur JINHA sagte Fawza Youssef von der PYD (Partei der Demokratischen Union) zur aktuellen Situation: „Kurd:innen und Frauen müssen auf alle Eventualitäten vorbereit sein, um nicht unvorbereitet überrascht zu werden. Ein neuer Weg, basierend auf Einheit, liegt vor uns. Viel wurde bereits erreicht, und vieles bleibt noch zu tun. Der Kampf muss unermüdlich fortgesetzt werden.“
Der 15. Februar
Morgen ist der 15. Februar, der Tag an dem Abdullah Öcalan 1999 vom Türkischen Geheimdienst mit Unterstützung durch die CIA und den Mossad aus Kenya verschleppt wurde. Im Kurdischen wird dieser Tag auch roja reş, der schwarze Tag genannt, weil die Verschleppung Abdullah Öcalans einen Angriff auf die ganze kurdische Gesellschaft und ihr Streben nach Freiheit darstellte. An vielen Orten werden morgen Demonstrationen und Aktionen stattfinden. Viele fasten auch an diesem Tag, aufgrund der einschneidenden Bedeutung dieses Ereignisses.
Zum Abschluss senden wir Grüße an die neue Gruppe, die sich in Saarbrücken gegründet hat, um sich an der Kampagne Women Defend Rojava zu beteiligen. Wir wünschen euch allen viel Kraft und Erfolg!
Aktuallisierung 11. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:
Liebe Freund:innen,
wir melden uns am Mittwoch, den 11. Februar, aus Rojava, aus dem Herzen der Frauenrevolution, wo in diesem Moment die Menschlichkeit und das Leben verteidigt werden.
Wie die letzten Tage beginnen wir auch heute unsere tägliche Nachricht in der belagerten Stadt Kobane, die weiterhin das Zentrum der Anspannung in Rojava ausdrückt.
Während die Implementierung des Abkommens zwischen SDF und Syrischer Übergangsregierung voranschreitet, haben sich die Regierungstruppen noch immer nicht ganz aus dem Umland Kobanes zurückgezogen. Und auch die Präsenz des Türkischen Militärs auf ihrer Seite der Grenze übt weiterhin Druck aus.
Die Institution für Stromversorgung hat nun verkündet, dass es am Montag einem Team von Technikern gelungen ist, die durch die Angriffe verursachten Schäden zu reparieren und die Stromversorgung der Stadt wieder herzustellen. Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht, denn das bedeutet, die 600.000 Menschen in Kobane haben nun wieder Strom!
Ein weiterer Aspekt der humanitären Krise hier vor Ort, sind die Hunderttausenden Geflüchteten die im Cizîre Kanton untergebracht sind. Sie wohnen in Schulen, Moscheen und Instutitionen und werden durch eine breite Organisierung versorgt.
Die Ko-Vorsitzende von Heyva Sor a Kurd (Kurdischer Roter Halbmond), Hediye Abdullah, spricht über die Lage der Tausenden Geflüchteten mit einem klaren Apell:
„Die Schulen sind kein Zuhause. Die Zelte kein Zuhause. Unsere Menschen brauchen einen sicheren, würdevollen Ort zum Leben, zurück auf ihrem eigenen Land. Dafür braucht es jetzt eine politische und strukturelle Lösung. Und zwar dringend.“
Auch die Lage in den restlichen Teilen Syriens bleibt angespannt. In den letzten Tagen haben wir über Angriffe der Truppen der Syrischen Übergangsregierung auf Suweida, sowie weit verbreitete Demonstrationen gegen die steigenden Preise von Strom, Benzin und Lebensmitteln berichtet. Gestern gab es in der syrischen Großstadt Homs eine Auseinandersetzung in der dortigen Universität zwischen Studierenden und dem Sicherheitspersonal, nachdem ein Student vom Sicherheitspersonal beschimpft und körperlich angriffen wurde.
Diese Spannungen zwischen Gesellschaft und Übergangsregierung könnten positiv auf eine Demokratisierung Syriens hinwirken. Es besteht das Potential, dass das Klima des Waffenstillstands-und Integrationsabkommen und des Widerstandes in Rojava, eine breitere Demokratisierung Syriens auslösen könnte, falls sich aus den ökonomische Forderungen der Proteste politische Forderungen entwickeln würden und eine Einheit über die ethnischen Spaltungen hinweg gefunden werden kann.
Im EU Parlament, sowie im US Kongress, wurden heute die Lage in Syrien und die Angriffe auf Rojava debattiert. In beiden wurden auch die Beziehungen der westlichen Mäche zur Syrischen Übergangsregierung kritisiert und die Menschenrechtsverletzungen benannt.
Im US Kongress wurde der “Save the Kurds Act“ diskutiert, der vor allem eine Androhung von Sanktionen für die Syrische Übergangsregierung enthält. Vom EU Parlament soll am Donnerstag über einen fraktionsübergreifenden Entschließungsantrag abgestimmt werden. Ob das Europäische Parlament dabei über symbolische Appelle hinausgeht, etwa mit konkreten Forderungen zur Anerkennung Rojavas oder zur Konditionierung von EU-Mitteln, bleibt abzuwarten.
Die letzten Wochen haben einmal mehr gezeigt: wir warten nicht auf westliche Mächte, sondern unsere Absicherung bleibt der Widerstand der Gesellschaft hier und dessen Verbundenheit mit dem Widerstand weltweit.
Die Vorreiterinnenschaft dieses Widerstands bleibt bei der Frauenbewegung. Diese kämpft in diesen Tagen um eine Absicherung ihrer Erungenschaften und Prinzipien. Dabei geht es vor allem um das Ko-Vorsitzenden-System und die Autonomie der Frauen innerhalb der Institutionen. Diese Prinzipien sind nicht nur Prinzipien für die Frauenrevolution in Rojava, es sind Prinzipien für die Befreiung der Geschlechter im Allgemeinen, weshalb wir sie ein bisschen näher betrachten wollen.
Die Autonome Organisierung von Frauen wird in diesen Tagen vor allem um die Frage der Frauenverteidigungseinheiten YPJ diskutiert. Doch tatsächlich gilt sie in allen Lebensbereichen in denen die Frauenrevolution für konkrete Veränderungen kämpft: von Wirtschaft, Politik bis Wissensproduktion, von der Verteidigung bis in die Nachbarschaft, organisieren sich die Frauen in Rojava autonom, und entwickeln ihre gemeinsame Stimme, mit der sie den gesamtgesellschaftlichen Prozess mitgestalten.
Dabei geht es nicht darum, sich zu sektieren, sondern im Gegenteil, in dem Verständnis, dass die Freiheit der Geschlechter die Basis einer befreiten Gesellschaft darstellt, trägt der autonome Rahmen eine große Verantwortung für die gesamte Gesellschaft. Es ist die Verantwortung ein freies Denken und einen freien Willen zu entwicklen um die revolutionäre soziale Transformation, von der alle Geschlechter profitieren, anzuführen.
Dabei ist das Prinzip der Autonomie auch ein Mechanismus der Selbstverteidigung der Beziehungen unter Frauen, gegen patriarchale Spaltungen sowie der organisatorischen Kraft der gesamten Frauenrevolution.
Die Selbstverteidigung der Frauenrevolution ist immer auch eine Selbstverteidigung der gesamten Revolution, da sie ausdrückt um was es geht: das das Ziel keine Machtübernahme im klassischen Sinne ist, sondern das Leben zu befreien.
Das Prinzip der Autonomie sowie das der Ko-Vorsitzenden ist nicht zu verwechseln mit den systemischen Anpassungen, auf die sich heutzutage im Westen viele im Namen der Frauenbefreiung erzielten Fortschritte beschränken, wie Quotenregelungen, rechtliche Gleichstellungsklauseln, gewisse Repräsentationsrechte…
Diese systemischen Errungenschaften bleiben immer fragil innerhalb der Grenzen des männerdominierten Systems und gehören zu den ersten, die in Zeiten von Krieg oder Krise wieder gestrichen werden.
Doch das Prinzip der Autonomie besteht immer, verbunden mit der Befreiung der Geschlechter, die nur durch revolutionäre soziale Transformation erreicht werden kann.
Denn die Frauenrevolution führt durch ihre Verbindung zum Leben in gesamtgesellschaftliche Freiheit.
Deswegen sagen wir: Jin, Jiyan, Azadi! Frauen, Leben, Freiheit.
Mit widerständigen Grüßen aus Rojava!
Aktuallisierung 10. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:
Liebe Freund:innen, Genoss:innen und Schwestern,
hier ist unser tägliches Update aus Rojava, aus dem Herzen der Frauenrevolution.
Kobane ist weiterhin belagert, jetzt schon seit 22. Tagen. 200.000 Binnenvertriebene sind an 70 verschiedenen Orten in Kobane untergebracht. Die Lebensbedingungen sind aufgrund der Belagerung extrem schwierig und die Ressourcen knapp.
Es gibt jedoch erste Fortschritte: Die Truppen der Syrischen Übergangsregierung ziehen sich von einer der Fronten im Umland von Kobane zurück. Gestern fand ein Treffen zwischen SDF und Syrischer Übergangsregierung statt, bei dem Mechanismen zur Integration der internen Sicherheitskräfte von Kobane in das Gouvernement Aleppo diskutiert wurden.
Wir wollen euch auch ein paar Neuigkeiten aus dem Rest Syriens mit euch teilen.
In Idlib, einer Stadt im Westen Syriens, die seit dem Sturz Assads, 2024, unter der Kontrolle der HTS (die heute die Übergangsregierung bildet) steht, kommt es weiterhin zu Protesten und Streiks. Lehrer von 113 Schulen streiken und fordern eine Gehaltserhöhung, die den steigenden Lebenshaltungskosten entspricht. Gleichzeitig organisieren Anwohner:innen Massenproteste gegen mangelnden Strom, Wasser und Straßenbau. Die Demonstrant:innen appellieren an die syrische Übergangsregierung, ihrer Verantwortung nachzukommen, Lösungen für die Probleme zu finden und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
Wie ihr bereits in unseren täglichen Updates gehört habt, gab es auch in den neu eingenommenen Gebieten der Übergangsregierung Proteste gegen die steigenden Öl- und Gaspreise. Diese waren über Nacht in die Höhe geschossen, als die Regierung die Kontrolle übernahm.
Die Ressourcenverteilung unter DAANES war nie perfekt, und wir brauchen die ökonomische Situation hier in Rojava nicht idealisieren. Doch es wird auf den ersten Blick deutlich, dass eine selbstorganisierte Wirtschaft, die sich nach den Bedürfnissen der Bevölkerung richtet, das Potential hat, eine wirklich gerechte Verteilung zu erreichen. Und im Gegensatz dazu eine staatliche Regierung auf Kosten der Bevölkerung nur nach Profit strebt und danach es den imperialistischen Mächten recht zu machen.
Die Spannungen in Suwaida im Süden Syriens bleiben hoch. Die Einwohner:innen Suwaidas verurteilten die Angriffe der syrischen Übergangsregierung, bei denen kürzlich vier Menschen getötet wurden. Diese gezielten Angriffe auf Zivilisten verdeutlichen die anhaltende Bedrohung, die von der Regierung und den ihr verbundenen Milizen ausgeht.
Israel dringt weiter nach Syrien ein. Die israelische Regierung nutzt interne Konflikte in Syrien als Gelegenheit, Gebiete zu erobern, Kontrollpunkte zu errichten und militärische Aktionen durchzuführen. Heute veröffentlichte das israelische Militär Details zu seinen jüngsten Luftangriffen und Bodenoffensiven im Umland von Damaskus. Israelische Streitkräfte haben zudem Straßensperren errichtet, um den Verkehr im Süden Syriens zu unterbinden. Gestern wurden drei junge Syrer festgenommen.
Dies ist nicht neu. Am 6. Januar, dem Tag an dem die Angriffe in Aleppo begannen, traf sich die syrische Übergangsregierung unter US-Vermittlung in Paris mit Vertretern Israels, um die Zusammenarbeit zu intensivieren. Ein wichtiger Bestandteil des Plans westlicher Staaten, um den Nahen Osten weiterhin zu kontrollieren, ist die Errichtung eines pro-israelischen syrischen Staates. Wir müssen die internationalen Kräfte, die derzeit in Syrien am machen sind und ihre umfassenden politischen Pläne begreifen und alle Versuche, die Vorkomnisse als regionalen Konflikt darzustellen, entschieden zurückweisen. Die Menschen hier wissen, dass eine internationale Verschwörung im Gange ist, und beziehen entschieden Stellung dagegen, um ihren anhaltenden Widerstand zu bekräftigen.
Heute fanden im Kanton Cizîre und in Heseke große Demonstrationen statt. Die Menschen versammelten sich, um ihre laute Unterstützung für den Widerstand in Rojava Kund zu tun und zu zeigen, dass sie die Errungenschaften der Rojava-Revolution nicht aufgeben werden. Mit YPJ- und YPG-Flaggen und dem Ruf „Es lebe der Widerstand in Rojava!“ machten die Menschen deutlich: Die Frauenrevolution lebt!
Weltweit hält die internationale Solidarität an. Es ist wichtig, weiterzumachen: Erhebt eure Stimmen und erzählt der Welt von der Frauenrevolution! Der Revolution für ein freies Leben!
Damit senden wir euch revolutionäre Grüße aus Rojava!
Aktuallisierung 9. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:
Liebe Freundinnen, Genossinnen und Schwestern,
heute ist der 9. Februar, und wir schreiben euch mit einem täglichen Update aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.
Mit einen Bick auf Raqqa, einer Stadt, die seit der Befreiung vom IS 2017 von ihren Einwohnern autonom verwaltet wurde, herrscht nun wieder die Kontrolle von Jhihadisten. Wir erleben, wie die Jihadisten die Gräber der Gefallenen zerstören. Sie vernichten die Grabsteine mit den Namen der Kämpfer und graben ihre Leichen aus. Unter den Gefallenen befinden sich sowohl jene, die bei der Befreiung von Raqqa starben, als auch jene, die ursprünglich aus Raqqa stammten und anderswo gefallen sind. Sie versuchen, das Andenken an sie auszulöschen.
Gestern erreichte uns die Nachricht vom Tod der YPJ-Kämpferin Mizgîn Jiyan in Kobani. In tiefem Respekt gedenken wir der Kämpferin, die für die Befreiung der Frauen ihr Leben gab. Sie war für viele Frauen eine Vorreiterin, nicht nur im bewaffneten Kampf, sondern auch in ihren Werten und ihrer Philosophie der Freiheit. Ihr Geist und ihre Intuition waren dem Streben nach einem freien Leben gewidmet, das sie tief mit der Kultur und Ethik des Landes verband.
Die YPJ erklärte:
„Von Sindschar bis Kobani wurde Genossin Mizgîn zum Symbol nationaler Einheit und der Entschlossenheit revolutionärer Frauen, die Licht gegen die Dunkelheit des Jahrhunderts entfachten.“
2014 kämpfte sie in Sindschar (Südirak) gegen den IS, der damals einen Völkermord an den jesidischen Frauen verübte. Nach der Niederlage des IS kämpfte sie weiter an vorderster Front in Rojava. Entschlossen, gegen frauenfeindliche und lebensfeindliche Banden anzukämpfen, ging Genossin Mizgin in die Widerstandsstadt Kobani.
Kobani ist mehr als nur eine Stadt sie ist zum Symbol des Sieges über die Besatzung und des Feuers der Frauenrevolution geworden.
Damit kommen wir zu einem Update der heutigen Situation in Kobane.
In Kobani wird ein besonderer Krieg gegen die eigene Bevölkerung geführt. Wo Waffen nicht durchbrechen konnten, werden Hunger und menschliches Leid als Strategie eingesetzt.
Kobani ist seit drei Wochen belagert. Von der Autonomen Verwaltung werden Hilfskorridore für Kobani gefordert. Kobani besteht aus 360 Dörfern, verteilt auf fünf Gemeinden und zwei Bezirke. Seit Beginn der Angriffe sind Zehntausende Menschen aus den ländlichen Gebieten ins Stadtzentrum geflohen, ebenso wie Binnenvertriebene aus den überfüllten Lagern von Raqqa, Tabqa und Girê Spî. Es gibt keine Möglichkeit, diese vielen Menschen zu versorgen. Viele Familien finden derzeit vorübergehende Zuflucht in leerstehenden Schulen, ungenutzten Geschäften oder in provisorischen Unterkünften in Fahrzeugen.
Es herrscht Mangel an Unterkünften, Heizmaterial und Nahrungsmitteln. Schulen sind geschlossen, da sie für die Unterbringung von Vertriebenen benötigt werden. Die Stromversorgung wurde am 18. Januar absichtlich unterbrochen: Die Leitung über Sirîn, die den Tişrîn-Staudamm mit Kobane verbindet, wurde von Truppen der Übergangsregierung gekappt. Dies hat auch zur Folge, dass die Wasserversorgung zusammengebrochen ist.
Von 15 Pumpstationen ist nur noch eine in Betrieb. Diesel und Öl sind überall knapp – zum Heizen, für die Bäckerei zum Brotbacken, und selbst die Krankenhäuser können mit ihren Reserven nur noch zehn Tage durchhalten.
Die Krankenhäuser sind generell überfüllt, aber am schlimmsten ist, dass Medikamente gegen Atemwegserkrankungen, Narkosemittel, Medikamente gegen Diabetes und Bluthochdruck sowie Sauerstoff vollständig ausgegangen sind.
In Kobane gibt es weiteren Widerstand gegen die Menschenrechtsverletzungen der HTS. Das Dorf Xirab Eşkê wurde von Milizen des syrischen Regimes angegriffen. Fünf Menschen starben, darunter zwei Kinder. Eine Studentin der Universität in Kobani verlor einen Teil ihrer Beine. Heute gehen die Studierenden auf die Straße.
Über ihre Mitstudentin Fatima sagen sie: „Sie steht für ein zerstörtes Leben, einen zerbrochenen Traum. Was ihr widerfahren ist, ist nicht nur ein individuelles Trauma, sondern ein kollektiver moralischer Schmerz. Was ihr passiert ist, betrifft uns alle.“
Des weiteren fordern die lautstark: „Die Verantwortlichen müssen benannt und zur Rechenschaft gezogen werden. Die Massaker an unseren Kindern und Studierenden vor aller Augen hinterlassen tiefe psychische Narben. Die Welt muss endlich aufwachen.“
Am 12. Februar wird das Europäische Parlament über die Lage in Nordostsyrien, die Gewalt gegen Zivilisten und die Notwendigkeit eines dauerhaften Waffenstillstands beraten und Resolutionen verabschieden. Die Rechte der Frauen müssen in diesen Gesprächen Erwähnung finden und diskutiert werden.
Wie immer müssen wir den internationalen Druck aufrechterhalten, um sicherzustellen, dass die Errungenschaften der Frauenrevolution in der Debatte um Rojava stets Erwähnung finden.
Und noch eine Ankündigung: Am 14. Februar 2026 findet in Straßburg eine Demonstration für Frieden in Rojava und die Freilassung von Abdullah Öcalan statt. Lokale Gruppen von „Women Defend Rojava“ werden teilnehmen, um Abdullah Öcalans zentrale Rolle als Vorreiter der kurdischen Frauenbewegung im Kampf für die Befreiung der Frauen weltweit zu würdigen. Wir fordern daher die Freilassung von Abdullah Öcalan und seine uneingeschränkte Teilnahme am Friedensprozess in der Türkei – für Rojava, ganz Kurdistan und den gesamten Nahen Osten.
Und damit senden wir Ihnen solidarische Grüße aus Rojava.