Täglische Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“

erstellt von: am: 10.02.2026

Aktuallisierung 9. Feb, Tägliche Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava:

Liebe Freundinnen, Genossinnen und Schwestern,

heute ist der 9. Februar, und wir schreiben euch mit einem täglichen Update aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.

Mit einen Bick auf Raqqa, einer Stadt, die seit der Befreiung vom IS 2017 von ihren Einwohnern autonom verwaltet wurde, herrscht nun wieder die Kontrolle von Jhihadisten. Wir erleben, wie die Jihadisten die Gräber der Gefallenen zerstören. Sie vernichten die Grabsteine ​​mit den Namen der Kämpfer und graben ihre Leichen aus. Unter den Gefallenen befinden sich sowohl jene, die bei der Befreiung von Raqqa starben, als auch jene, die ursprünglich aus Raqqa stammten und anderswo gefallen sind. Sie versuchen, das Andenken an sie auszulöschen.

Gestern erreichte uns die Nachricht vom Tod der YPJ-Kämpferin Mizgîn Jiyan in Kobani. In tiefem Respekt gedenken wir der Kämpferin, die für die Befreiung der Frauen ihr Leben gab. Sie war für viele Frauen eine Vorreiterin, nicht nur im bewaffneten Kampf, sondern auch in ihren Werten und ihrer Philosophie der Freiheit. Ihr Geist und ihre Intuition waren dem Streben nach einem freien Leben gewidmet, das sie tief mit der Kultur und Ethik des Landes verband.
Die YPJ erklärte:

„Von Sindschar bis Kobani wurde Genossin Mizgîn zum Symbol nationaler Einheit und der Entschlossenheit revolutionärer Frauen, die Licht gegen die Dunkelheit des Jahrhunderts entfachten.“

2014 kämpfte sie in Sindschar (Südirak) gegen den IS, der damals einen Völkermord an den jesidischen Frauen verübte. Nach der Niederlage des IS kämpfte sie weiter an vorderster Front in Rojava. Entschlossen, gegen frauenfeindliche und lebensfeindliche Banden anzukämpfen, ging Genossin Mizgin in die Widerstandsstadt Kobani.
Kobani ist mehr als nur eine Stadt sie ist zum Symbol des Sieges über die Besatzung und des Feuers der Frauenrevolution geworden.

Damit kommen wir zu einem Update der heutigen Situation in Kobane.

In Kobani wird ein besonderer Krieg gegen die eigene Bevölkerung geführt. Wo Waffen nicht durchbrechen konnten, werden Hunger und menschliches Leid als Strategie eingesetzt.
Kobani ist seit drei Wochen belagert. Von der Autonomen Verwaltung werden Hilfskorridore für Kobani gefordert. Kobani besteht aus 360 Dörfern, verteilt auf fünf Gemeinden und zwei Bezirke. Seit Beginn der Angriffe sind Zehntausende Menschen aus den ländlichen Gebieten ins Stadtzentrum geflohen, ebenso wie Binnenvertriebene aus den überfüllten Lagern von Raqqa, Tabqa und Girê Spî. Es gibt keine Möglichkeit, diese vielen Menschen zu versorgen. Viele Familien finden derzeit vorübergehende Zuflucht in leerstehenden Schulen, ungenutzten Geschäften oder in provisorischen Unterkünften in Fahrzeugen.
Es herrscht Mangel an Unterkünften, Heizmaterial und Nahrungsmitteln. Schulen sind geschlossen, da sie für die Unterbringung von Vertriebenen benötigt werden. Die Stromversorgung wurde am 18. Januar absichtlich unterbrochen: Die Leitung über Sirîn, die den Tişrîn-Staudamm mit Kobane verbindet, wurde von Truppen der Übergangsregierung gekappt. Dies hat auch zur Folge, dass die Wasserversorgung zusammengebrochen ist.
Von 15 Pumpstationen ist nur noch eine in Betrieb. Diesel und Öl sind überall knapp – zum Heizen, für die Bäckerei zum Brotbacken, und selbst die Krankenhäuser können mit ihren Reserven nur noch zehn Tage durchhalten.
Die Krankenhäuser sind generell überfüllt, aber am schlimmsten ist, dass Medikamente gegen Atemwegserkrankungen, Narkosemittel, Medikamente gegen Diabetes und Bluthochdruck sowie Sauerstoff vollständig ausgegangen sind.

In Kobane gibt es weiteren Widerstand gegen die Menschenrechtsverletzungen der HTS. Das Dorf Xirab Eşkê wurde von Milizen des syrischen Regimes angegriffen. Fünf Menschen starben, darunter zwei Kinder. Eine Studentin der Universität in Kobani verlor einen Teil ihrer Beine. Heute gehen die Studierenden auf die Straße.
Über ihre Mitstudentin Fatima sagen sie: „Sie steht für ein zerstörtes Leben, einen zerbrochenen Traum. Was ihr widerfahren ist, ist nicht nur ein individuelles Trauma, sondern ein kollektiver moralischer Schmerz. Was ihr passiert ist, betrifft uns alle.“

Des weiteren fordern die lautstark: „Die Verantwortlichen müssen benannt und zur Rechenschaft gezogen werden. Die Massaker an unseren Kindern und Studierenden vor aller Augen hinterlassen tiefe psychische Narben. Die Welt muss endlich aufwachen.“

Am 12. Februar wird das Europäische Parlament über die Lage in Nordostsyrien, die Gewalt gegen Zivilisten und die Notwendigkeit eines dauerhaften Waffenstillstands beraten und Resolutionen verabschieden. Die Rechte der Frauen müssen in diesen Gesprächen Erwähnung finden und diskutiert werden.
Wie immer müssen wir den internationalen Druck aufrechterhalten, um sicherzustellen, dass die Errungenschaften der Frauenrevolution in der Debatte um Rojava stets Erwähnung finden.

Und noch eine Ankündigung: Am 14. Februar 2026 findet in Straßburg eine Demonstration für Frieden in Rojava und die Freilassung von Abdullah Öcalan statt. Lokale Gruppen von „Women Defend Rojava“ werden teilnehmen, um Abdullah Öcalans zentrale Rolle als Vorreiter der kurdischen Frauenbewegung im Kampf für die Befreiung der Frauen weltweit zu würdigen. Wir fordern daher die Freilassung von Abdullah Öcalan und seine uneingeschränkte Teilnahme am Friedensprozess in der Türkei – für Rojava, ganz Kurdistan und den gesamten Nahen Osten.

Und damit senden wir Ihnen solidarische Grüße aus Rojava.


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