Nachricht aus Rojava von „Women Defend Rojava“ 16.März

erstellt von: am: 17.03.2026

Nachricht aus Rojava von Women Defend Rojava, 16 März:

Liebe Freund:innen,
heute berichten wir aus Rojava, dem Herzen der Frauenrevolution.
Beerdigung von Salih Muslim
In den letzten Tagen fanden Gedenkveranstaltungen für Salih Muslim statt. Ein großer Teil der Bevölkerung versammelte sich in tiefer Trauer um Muslim, einen bedeutenden Politiker der Rojava-Revolution.
Salih Muslim war über vier Jahrzehnte in der kurdischen Freiheitsbewegung aktiv. Nach seiner Begegnung mit Abdullah Öcalan, dem Begründer der PKK im Jahr 1983 wurde die politischen und organisatorischen Arbeit der Bewegung zu seinem Leben. Vorallem wirkte er in den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Rojava und in Syrien mit. Zeitgleich inspirierte er die Menschen mit seiner Weise und seinem Kampfgeist in allen vier Teilen Kurdistans und setzte sich auch dort für die Entwicklungen ein.
Auf der Beerdigung überreichte uns eine Frau ein kleines Foto von Salih Muslim und erzählte:
„Salih Muslim verkörperte die Werte der Freiheitsbewegung. Er interessierte sich immer für sein Umfeld und für die Menschen um ihn herum. Es war ihm wichtig, ins Gespräch zu kommen und gute Diskussionen zu führen. Er gab allen Menschen – ob Kurden, Arabern, Suryoye, Aleviten oder Christen – große Bedeutung und pflegte diese Beziehungen.“
Şehîd namirin.
Nach einer Gedenkveranstaltung in Qamishlo wurde der Leichnam von Muslim nach Kobanê gebracht, um dort auf dem Şehîdlik, dem Friedhof der Gefallenen, begraben zu werden.
Situation in Kobanê
Kobanê ist weiterhin von Gruppen der syrischen Übergangsregierung belagert. Diese dauert mittlerweile seit 50 Tagen an. Die Versorgungsknappheit bei Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten hält ebenfalls an. Konvois mit Versorgungsgütern kommen nur schwer durch, sodass die Regale in den Geschäften weiterhin leer bleiben.
Nach Angaben der Verwaltung dauern Maßnahmen wie Internetabschaltungen, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit sowie die Blockade von Treibstofflieferungen weiterhin an. Die Selbstverwaltung Kobanês wirft der syrischen Übergangsregierung vor, die getroffenen Vereinbarungen nicht einzuhalten.
Die Gesellschaft zeigt sich weiterhin widerständig und kämpft für ihr Recht auf Grundversorgung, Würde und Menschlichkeit.
Gleichzeitig kommt es vermehrt zu Übergriffen von Einheiten der syrischen Übergangsregierung im Südosten von Kobanê. In mehreren kurdischen Dörfern werden Menschen entführt, und es kommt zu Gewalt und Bedrohungen gegenüber der Zivilbevölkerung. Die Massaker, die Gewalt und die Angst müssen endlich aufhören.
Außerdem hat die syrische Übergangsregierung entgegen den Absprachen des Integrationsvertrags einen externen Distriktleiter für Kobanê ernannt. Vereinbart war eigentlich, dass Menschen aus der lokalen Bevölkerung weiterhin diese Ämter ausüben.
In einer Erklärung der Verwaltung heißt es:
„Solche Entscheidungen ignorieren die besonderen politischen und gesellschaftlichen Strukturen der Region sowie die großen Opfer, die im Verlauf der Revolution und des Krieges gebracht worden sind.“
Afrin
Nach den zunächst positiven Nachrichten, dass vertriebene Familien nach Afrin zurückkehren können, wurde dieser Prozess nun von der syrischen Übergangsregierung vorerst unterbrochen. Eigentlich sollten nach der Rückkehr von 400 Familien weitere Familien folgen.
2018 hatte der türkische Staat nach der Vertreibung hunderter Familien neue Menschen in den Gebieten angesiedelt. Diese Strategie erzwingt einen demografischen Wandel und zerstört die Lebensgrundlagen vieler Menschen. Durch die neu angesiedelten Familien – darunter auch Angehörige des IS und anderer jihadistischer Gruppen – ist der Platz in den Gebieten begrenzt und eine ausreichende Infrastruktur fehlt.
Freedom for all missing and imprisoned people
Die Frauenorganisation Kongra Star in Nordostsyrien hat eine Unterschriftenkampagne zur Freilassung von Inhaftierten und zur Aufklärung des Schicksals der Verschwundenen gestartet. Frauenorganisationen, darunter Familienangehörige von Inhaftierten, fordern die sofortige Freilassung ihrer Angehörigen.
Rûken Ehmed, Vertreterin von Kongra Star, berichtet, dass tausende Menschen seit den Kämpfen in den Vierteln Sheikh Maksud und Ashrafiya bis hin zur Stadt Raqqa und ihrem Umland vermisst werden. Tausende wurden auf brutalste Weise ermordet, während viele Kämpfer von der Übergangsregierung gefangen genommen wurden.
Ziel der Initiative ist es, internationalen Druck zur Aufklärung des Verbleibs der Betroffenen aufzubauen. Die Kampagne wurde bereits am Donnerstag gestartet und soll bis zum 17. März laufen. Die gesammelten Unterschriften sollen am 18. März, dem Internationalen Tag der politischen Gefangenen, der Öffentlichkeit sowie internationalen Institutionen übermittelt werden.
Widerstand der drusischen Bevölkerung in Suweida
Die Bevölkerung in Suweida ist auf den Straßen. Banner mit der Aufschrift „Das authentische drusische Volk wird nicht zurückweichen“ sind zu sehen. Die Demonstrierenden fordern außerdem die Aufhebung der Belagerung von Suweida und die Öffnung eines Grenzübergangs nach Israel. Sie sind bereit Bündnisse mit demokratischen Ländern einzugehen.
Immer wieder kommt es zu Angriffen auf die Bevölkerung in Suweida. Diese werden durch Truppen der syrischen Übergangsregierung verübt. Am vergangenen Abend wurde mit Drohnen das Dorf al-Majdal im westlichen Umland von Suweida angegriffen. An einem anderen Ort kam es zu Auseinandersetzungen zwischen der Nationalgarde und Gruppen, die mit den Streitkräften der Übergangsregierung verbunden sind. Dies stellt einen erneuten Verstoß gegen die Waffenruhe dar.
Die Syrische Übergangsregierung verübt Angriffe auf die Druzische Bevölkerung können wie folgt eingeordnet werden:
Zum einen stellt sich die salafistische Übergangsregierung gegen alle anderen Glaubensrichtungen, die nicht ihrer fundamentalistisch- islamistische Ideologie und dem sunnitisch-islamistischen Glauben folgen.
Zum anderen ist die geografische Lage von Suweida von Interesse für Israel und die USA.
Mit dem Ziel den Mittleren Osten neu Aufzubauen, formulieren die USA und Israel ganz offen ihren Plan des David-Korridors. Dieser soll sich von den Golanhöhen über drusische und kurdische Gebiete erstrecken – und als neue Pufferzone gegen Iranische Kräfte, sowie als neue Handelsrute dienen.
So sind die Angriffe auf Gaza und der Hisballah im Libanon, sowie der Struz von Assad kein Zufall, sondern stehen im Zusammenhang mit diesen Plänen. Diese sind öffentlich bekannt und in der National Security Strategy der USA nachzulesen.
Kurdisches Parteienbündnis verurteilt iranische Angriffe auf Südkurdistan
Das kurdische Parteienbündnis aus Ostkurdistan hat die anhaltenden Raketen- und Drohnenangriffe des Iran auf die Kurdistan-Region im Irak scharf verurteilt und die internationale Gemeinschaft zum Handeln aufgerufen. Seit Ende Februar wurde die Region hunderte Male angegriffen, wobei auch Flüchtlingslager und Parteistützpunkte getroffen wurden. Bei einem Drohnenangriff nahe Hewlêr wurden zwei Peschmerga getötet und mehrere verletzt.
Das Bündnis wirft dem iranischen Regime vor, im Inland Proteste gewaltsam zu unterdrücken und durch regionale Konflikte seine Macht zu sichern. Gleichzeitig fordert es internationale Unterstützung für die demokratischen Forderungen der Bevölkerung im Iran.
Kriegspolitik und natürliche Ressourcen
Die Auswirkungen von Kriegen sind immer zuerst in der Gesellschaft spürbar. Die Kriege im Mittleren Osten führen zunehmend zu Ressourcenknappheit. So ist auch die Wasserversorgung in Hesekê durch das Wasserwerk Alouk stark eingeschränkt. Über eine Million Menschen haben weiterhin keinen regelmäßigen Zugang zu Trinkwasser, da trotz der jahrelangen Stilllegung des Wasserwerks bisher keine konkreten Maßnahmen zur Lösung des Problems ergriffen wurden.
Die Krise begann am 9. Oktober 2019 mit einem Angriff der türkischen Armee und verbündeter Gruppierungen auf die Stadt Serekaniyê. Dieser Angriff führte zur Beschädigung des Wasserwerks Alouk und zur Einstellung der Wasserversorgung von Hesekê. Auch die Gas- und Ölversorgung wird durch steigende Preise immer schwieriger.
Widerstand gegen Geothermieprojekt
In der nordkurdischen Provinz Mûş stößt ein geplantes Geothermieprojekt auf Widerstand, da es auf auf Kosten der Natur und einer möglichen Zwangsumsiedlung von kurdisch- alavitischen Dörfern basiert. In Besorgnis und Wut verkünden die Bewohner:innen:
„Diese Böden sind kein Investitionsposten, der am Schreibtisch verteilt werden kann. Der Schutz von Weiden, Wasserquellen und den Lebensgrundlagen der Bevölkerung ist unsere gemeinsame Verantwortung.“
Der Energieanbieter IGNIS H2 Enerji Üretim A.Ş. hat die Genehmigung erhalten, auf Weideflächen im Landkreis Gimgim (Varto) Probebohrungen zur Suche nach geothermischen Ressourcen durchzuführen. Langfristig ist in der Region der Bau eines Geothermiekraftwerks geplant.
Ein solches Projekt zerstört nicht nur die Natur, sondern bedeutet auch die Zwangsvertreibung von 16 kurdisch-alevitischen Dörfern.
Die Rolle der Bêrîvan in der kurdischen Gesellschaft

Die Arbeit der Bêrîvan – Frauen, die Vieh halten, melken und Milchprodukte herstellen – hat in der kurdischen Gesellschaft eine lange und zentrale Bedeutung. Über Generationen hinweg sicherte diese Tätigkeit nicht nur die Ernährung der Familien, sondern prägte auch das soziale und kulturelle Leben in den Dörfern.
Türkan Abaylı sagte bereits 2023:
„Wenn hier eine Geothermieanlage gebaut wird, sind wir gezwungen zu gehen. Aber wohin? Unser Leben ist mit diesem Dorf verbunden.“
Im Zuge der aktuellen Entwicklungen im Mittleren Osten und besonders in Syrien sind die Frauen Rojavas entschlossen, sich weiter zu organisieren und neue Perspektiven zu entwickeln. Am 17. März treffen sich verschiedene Frauenorganisationen aller Bevölkerungsgruppen – Suryoye, Araber, Kurden und Christen –, um weitere Strategien der demokratischen Selbstorganisierung zu entwickeln.
Und damit senden wir revolutionäre Grüße aus Rojava.


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