Ein heikles Erbe – Koloniales Sammlungsgut im Landesmuseum Hannover (1)

erstellt von: am: 07.12.2020

Im Rahmen des Radioprojektes  „Weiß auf Schwarz – Geschichte von Ungleichheit und Rassismus “  geht es in dieser Sendung um die Unzahl der während der Kolonialzeit in den Kolonien in deutschen Besitz gebrachten Kult- und Kunstobjekte, aber auch Waffen, Trophäen und Alltagsgegenstände, von denen eine große Anzahl auch im Landesmuseum Hannover aufbewahrt wird und die in unterschiedlichen Ausstellungen ausgestellt wurden.

In den Archiven des Landesmuseums Hannover lagern gut 5000 Objekte verschiedenster Art aus ehemaligen deutschen Kolonien, in anderen Museen noch viele Tausende weitere. Der Umgang mit diesem riesigen Sammlungsgut aus kolonialem Kontexten ist nicht immer unproblematisch, denn, was sich vor einem Jahrhundert weiße Kolonisten und Militärs von den indigenen Einwohnern den sogenannten primitiven Kulturen, einfach nehmen konnten, sei es geraubt, erworben oder auch geschenkt, hat lange Zeit, wenn es in deutschen Museen in kolonialem Geist ausgestellt wurde, die Gefühle und die Würde der Menschen in den Herkunftsländern verletzt und bei uns noch lange rassistische Ressentiments gegen die „unzivilisierten Wilden“ in der dritten Welt bestärkt. Zudem sind in den Sammlungen auch Kultobjekte enthalten, die zurückgegeben werden müssen oder, wenn sie bei uns verbleiben dürfen, zumindest nicht ohne ihren kulturellen Kontext öffentlich zur Schau gestellt werden sollten.

Erst in den letzten Jahrzehnten hat ein Umdenken in der Bevölkerung wie in der Wissenschaft zu einem veränderten Blick auf dieses koloniale Sammlungsgut geführt, das nun endlich respektvoll nicht mehr als Studienobjekt zur Untersuchung niederer Kulturen angesehen und untersucht wird, sondern endlich als das, was es im seinem richtigen Kontext sein kann, nämlich bewundernswertes Zeugnis der Vielfalt menschlicher Kulturen.

Wenn heute mit den Nachfahren der unterdrückten indigenen Bevölkerung in den damaligen Kolonien auf Augenhöhe an diesen Objekten geforscht und über sie verhandelt wird, so ist das auch ein Verdienst der jahrelangen Arbeit in der Provenienzforschung von Dr. Claudia Andratschke am Landesmuseum Hannover, mit der wir in dieser ersten Sendung zu dem Thema ein Gespräch über den kolonialen Ursprung des Sammlungsgutes und die Veränderungen im Umgangs mit den manchmal auch heiklen Objekten führen.

 

Zum zweiten Teil des Beitrages: http://radioflora.de/ein-heikles-erbe-koloniales-sammlungsgut-im-landesmuseum-hannover-2/

Weiter Informationen und Podcasts zum Radioprojekt „Weiß auf Schwarz“ finden sich hier: http://radioflora.de/weiss-auf-schwarz-geschichte-von-ungleichheit-und-rassismus-ein-radioprojekt/

 

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