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Radio Flora

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Weiß auf Schwarz – Geschichte von Ungleichheit und Rassismus – ein Radioprojekt

erstellt von: am: 16.06.2020

Fleischextrakt im Tausch gegen Elfenbein und andere Rohstoffe, Sammelbild von 1891

Bereits vor der Ermordung des Afroamerikaners George Floyd durch weiße Polizisten in den USA und den massenhaften antirassistischen Protesten bereitete Radio Flora ein Radioprojekt vor, das die Geschichte der Ungleichheit und des Rassismus thematisieren soll. Die Ereignisse in den USA haben dem Projekt eine nicht vorhersehbare Brisanz und Aktualität verliehen. Zur Zeit bereiten verschiedene Redaktionen Beiträge unterschiedlicher Art vor, die kontinuierlich an dieser Stelle und noch einmal gesammelt Anfang 2021 der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Der Schriftsteller Joseph Conrad in seiner Erzählung „Herz der Finsternis“ über die europäischen Kolonisatoren in Afrika zu Beginn des 20. Jahrhunderts: „Den Eingeweiden des Landes Schätze zu entreißen, das war ihr Verlangen, und dabei schienen diese Menschen von keiner hochsinnigeren Absicht geleitet zu werden, als Banditen beim Ausräumen eines Geldschrankes.“

Akustische Ankündigung, die gerne weiterverbreitet werden kann:

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Zwangsarbeit in Ketten für die Kolonialherren in Deutsch-Ostafrika um 1900

Beiträge/Podcasts:

„… der Hauptcanal, durch welchen spanisches Gold und Silber in unsere Gassen fließt.“

Leinen aus Norddeutschland für Sklaven in Amerika

Abgestempeltes Leinen der Legge Osnabrück, 18. Jahrhundert: Qualitätssiegel für den Welthandel und Last für die norddeutschen Weber

In vielen Teilen Deutschlands wurde in früheren Jahrhunderten Flachs angebaut, um daraus Leinengarn zu spinnen und Stoff zu weben. Besonders der arme Teil der Landbevölkerung, deren Landbesitz nicht ausreichte, um davon leben zu können, war auf die Leinenproduktion angewiesen. Obwohl der Anbau von Flachs, dessen mühselige Weiterverarbeitung, das Spinnen von Garn und das Weben der Tuche innerhalb der kleinbäuerlichen Familien in Heimarbeit erfolgte, wurde das Leinen bereits für den Weltmarkt produziert. Leggen überprüften und zertifizierten die Qualität des Leinens, was den Druck auf die kleinbäuerlichen Produzenten steigerte und gleichzeitig den internationalen Absatz des norddeutschen Leinens beflügelte. Ein Großteil des Leinens kam auf diese Weise auch in die spanischen, englischen, portugiesischen und holländischen Kolonien, wo es nicht zuletzt für die Kleidung der Plantagensklaven verwendet wurde. Edelmetalle aus den Kolonien fanden im Gegenzug ihren Weg in die Kontore von Kaufleuten und Handelshäusern, Kapital mit dem die Industrialisierung in Europa finanziert werden konnte. Die Erfindung mechanischer Spinn- und Webmaschinen und die Nutzung der durch Sklavenarbeit gewonnenen billigeren Baumwolle ruinierten schließlich die norddeutschen Weberfamilien.

Recherche und Text: Hubert Brieden

Sprech*innen: Awa Naghipour, Barbara Bauman, Ela Kleinecke, Axel Kleinecke und der Autor

Produktion: Radio Flora (Redaktion International), Arbeitskreis Regionalgeschichte

Hannover 2020

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Achille Mbembe und der Postkolonialismus

Europäischer Blick auf Afrikaner: Dunkle Hautfarbe als Makel, gebückte Haltung, Minderwertigkeit – Seifenreklame, Niederlande 1911

Achille Mbembe ist Philosoph und Historiker aus Kamerun. In seinem umfangreichen Oeuvre hat er sich sehr intensiv mit Fragen des Kolonialismus und des Postkolonialismus befasst. Mbembe ist ein prominenter Vertreter der Richtung des Afropolitanismus, eine Art Fortschreibung des früheren Panafrikanismus aus den 1950er und 1960er Jahren. Er ist in Europa durchaus kontrovers – gerade deshalb tun wir Europäer*innen gut daran, uns mit seinen Ideen auseinanderzusetzen besonders dann, wenn wir unser eigenes kolonialistisches Erbe überwinden wollen.

Autor: Chris Carlson

Produktion: Radio Flora (Attac Magazin – Eine andere Welt ist möglich)

Hannover 2020

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Dr. Dietrich Redeker: Vom Fachjournalisten für Rassenfragen zum Heimatschriftsteller

NS-Propaganda für die Wiedererlangung deutscher Kolonien. Dr. Dietrich Redeker unterstützte solche Forderungen mit seiner Dissertation.

In seiner Geburtsstadt Neustadt am Rübenberge (Region Hannover) ist Dr. Dietrich Redeker als Heimatschriftsteller, Mitverfasser der Stadtchronik, Journalist der Leine-Zeitung und der Neuen Presse und als Kommunalpolitiker hoch geehrt – ein Vorbild für die junge Generation. Nicht zufällig trägt ein Weg, der zum Gymnasium führt, seinen Namen.

Bevor er nach dem Zweiten Weltkrieg zum Heimatschriftsteller avancierte, trat er 1930 der NSDAP bei und schrieb 1937 in Berlin seine Doktorarbeit über die koloniale deutschsprachige Presse in Deutsch-Ostafrika. „Der Neger“, meinte er, müsse durch Prügel zur Arbeit und zum Gehorsam erzogen werden. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen schrieb er für die deutschsprachige „Krakauer Zeitung“ wüste antisemitische Artikel und rechtfertigte die Gewaltmaßnahmen gegen die polnischen Juden. Die Folge: Der polnische Widerstand wurde auf Redeker aufmerksam …

Nach dem Kriege schwiegen die Täter und kümmerten sich um die Heimatgeschichte, in der die NS-Vergangenheit ausgespart blieb. Vom Vorleben des Heimatschriftstellers ist in Neustadt bis heute nichts bekannt und die Folgen des jahrzehntelangen Schweigens sind immer noch zu spüren.

Im Radiofeature wird exemplarisch an der Person Redeker beschrieben, wie Kolonialrassismus und Antisemitismus miteinander verschmelzen können. Gleichzeitig werden die grundlegenden Unterschiede zwischen beiden Ideologien herausgearbeitet.

Autor: Hubert Brieden

Sprecher*innen: Barbara Baumann, Helge Kister und der Autor

Produktion: Arbeitskreis Regionalgeschichte / Radio Flora (Redaktion International)

Hannover 2020

Das Feature basiert auf einer umfangreicheren gleichnamigen Studie, die für den Arbeitskreis Regionalgeschichte im Rahmen des Projektes „NS-Täter in Neustadt a. Rbge.“ angefertigt wurde.

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Wildkautschuksammler im brasilianischen Regenwald

Der Baum, der Gummi weint –

Kautschuk für Hannover, Zentrum der deutschen Gummiindustrie

Radiofeature

Mit der Ausweitung der Produktion von Gummiwaren Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die Rohstoffnachfrage. Auf dem Kautschukmarkt kam es zu sprunghaften Preissteigerungen. Deutschland war 1910 nach den USA und England der drittgrößte Kautschukverbraucher. Produziert wurden Reifen, Bälle, Hygieneartikel, Keilriemen und vieles mehr. Noch hatte der Plantagenkautschuk den Naturkautschuk nicht abgelöst.

Continental Hannover, eine der wichtigsten Firmen der Gummiindustrie hatte schon Ende des 19. Jahrhunderts versucht, sich durch Direkteinkäufe in Brasilien und den selbst organisierten Transport auf eigenen Amazonasdampfern vom Zwischenhandel unabhängig zu machen. Dieser Versuch scheiterte. Zehn Jahre später beteiligte sich die Conti an einer deutschen Kautschuk-Einkaufsgesellschaft, die den wertvollen Rohstoff in Südamerika, im Kongo und in den deutschen Kolonien besorgte. Der Kautschukboom brachte Sammlern und Ureinwohnern in den Rohstoffländern mörderische Arbeitsbedingungen. Zwangsarbeit, Sklaverei, Vergewaltigung, Folter, Tod und Massaker. In Brasilien starben bis zu einer halben Million Kautschuksammler, in Peru mindestens 50 000 Indigene. Im Kongo wurden 20 Millionen Menschen versklavt, Zehntausende Menschen starben im Zuge der Kautschukgewinnung. In deutschen Kolonien wurden die Menschen zum Kautschuksammeln geprügelt. Bald sprach man nur noch von „Blutgummi“.

Autor: Hubert Brieden / Sprecher*innen: Barbara Baumann, Ela Kleinecke, Axel Kleinecke / Musik: Moritz Dortmund, Scarafone

Produktion: Radio Flora (Redaktion International), Arbeitskreis Regionalgeschichte

Hannover / Neustadt a. Rbge. 2020

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Neben Rohstoffen und Arbeitskräften raubten die europäischen Kolonisten auch Kunst, die sie gleichzeitig als „primitiv“ diskriminierten. Sammelbild aus „Deutsche Kolonien“, 1936.

 

Kolonialismus und Raubkunst

Kolonialismus ähnelt dem Krieg in vielerlei Hinsicht, auch insoweit, als dass Beute gemacht wird. Landnahme, Aneignung wertvoller Rohstoffe und Kunstobjekte gehören zu beiden dazu. Mit dem zunehmenden Bewusstsein bei den ehemaligen Kolonialherren, dass der Kolonialismus schweres Unrecht war, ist auch das Bewusstsein dafür gestiegen, dass geraubte Kunst, Kultgegenstände und andere Kulturgüter zurückzugeben sind. Damit jedoch alle Stakeholder im Geiste eines gedeihlichen Miteinanders zusammenkommen, sollte man über Konzepte wie „culture sharing“ nachdenken. Neben der Restitution eines großen Teils indigener Kunst – bei einem einvernehmlichen Verbleib einzelner Objekte zu pädagogischen Zwecken im Westen – geht es dabei darum, Wege und Mittel zu finden, wie die ehemaligen Kolonialvölker uns ihre Geschichten in ihren eigenen Worten erzählen können.

Autor: Chris Carlson

Produktion: Radio Flora (Attac Magazin – Eine andere Welt ist möglich)

Hannover 2020

Das Script des Beitrages findet sich hier: https://www.freie-radios.net/103755

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Schlagzeile aus der Zeitschrift „Niedersachsen“, 1936. Zu dieser Zeit versuchten die Nazis den kolonialen Gedanken wiederzubeleben und das „Deutschtum im Ausland“ zu fördern.

 

Auswanderer, Flüchtlinge und „Herrenmenschen“

Radiofeature

Von 1800 – 1914 verließen 5,5 Millionen Menschen Deutschland, um sich auf Dauer in Übersee anzusiedeln. Sie flohen vor der wirtschaftlichen Misere und den repressiven politischen Zuständen und versuchten in der „Neuen Welt“ auch ein neues Leben und ihr Glück zu finden. Doch in der „Neuen Welt“ lebten bereits Menschen, die nun von europäischen Einwanderern bekämpft, unterdrückt und ausgerottet wurden. Viele der Migranten aus Europa fühlten sich gegenüber den Einheimischen als „Herrenmenschen“, deren Aufgabe es sei, „die Wilden“ zu christianisieren und zu zivilisieren, was bedeutete, sie zur Arbeit für die Weißen zu erziehen.

Aber angefangen hatte alles schon viel früher. Bereits wenige Jahre nach der „Entdeckung“ Amerikas durch Kolumbus, versuchten deutsche Handelshäuser und Fürsten sich ein Stück vom kolonialen Kuchen abzuschneiden.

Autor: Hubert Brieden / Sprecher*innen: Awa Naghipour, Ela Kleinecke, Axel Kleinecke / Musik: Moritz Dortmund, Scarafone

Produktion: Radio Flora (Redaktion International), Arbeitskreis Regionalgeschichte

Hannover / Neustadt a. Rbge. 2020

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Überlebende Herero, die von den Kolonialtruppen in Deutsch-Südwestafrika zum Verdursten und Verhungern in die Wüste Omaheke getrieben worden waren

 

Das Frenssenufer in Hannover – ein Relikt kolonialistischen Rassendünkels

In Hannover ist eine Straße nach dem Schriftsteller Gustav Frenssen benannt, der im Kaiserreich den Kolonialismus verherrlicht und die in den Kolonien lebenden indigenen Völker auf übelste rassistische Weise verunglimpft und herabgesetzt hat. Folgerichtig war Frenssen dann auch später in der Nazi-Zeit ein glühender Apologet und Propagandist des NS-Regimes. Ein von der Landeshauptstadt Hannover eingesetzter wissenschaftlicher Beirat hat deshalb 2018 die Umbenennung des Frenssenufers dringend empfohlen. Bis heute ist das nicht passiert.

Autor: Chris Carlson

Produktion: Radio Flora (Attac Magazin – Eine andere Welt ist möglich)

Hannover 2020

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Skizze eines britischen Sklavenschiffes. Die Menschen lagen dichtgedrängt in niedrigen Decks, in denen sie angekettet waren.

 

Sklavenhandel: Über die Ursache von Rassismus und Reichtum

Radiofeature

Der Handel mit afrikanischen Sklaven und deren Verschiffung nach Amerika, wo sie auf den neu entstandenen Plantagen ge- und verbraucht wurden, legte die Grundlage für die Industrialisierung Europas. Im Radiofeature werden die historischen Hintergründe des atlantischen Dreieckshandels beleuchtet. Nicht nur die großen Kolonialmächte England, Spanien, Frankreich, Portugal und die Niederlande profitierten vom Raub afrikanischer Arbeitskräfte, auch deutsche Handelshäuser und Landesfürsten bereicherten sich am Menschenhandel. Und auch mancher norddeutsche Seemann heuerte auf Sklavenschiffen an, in der Hoffnung dem alltäglichen Elend zu entkommen. Für die verschleppten Afrikanerinnen und Afrikaner bedeutete das Leben auf den Sklavenschiffen und die Plackerei auf den Plantagen eine endlose Folge von Gewalt und Horror.

Autor: Hubert Brieden / Sprecher*innen: Awa Naghipour, Axel Kleinecke, Hubert Brieden / Musik: Moritz Dortmund

Produktion: Radio Flora (Redaktion International), Arbeitskreis Regionalgeschichte

Hannover / Neustadt a. Rbge. 2020

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Weitere Beiträge werden zur Zeit vorbereitet:

Redaktion International

– Koloniale Raubkunst in Hannovers Museen,

– Kolonialismus im Iran,

– Völkerschauen in Hannovers Zoo,

Redaktion Attac – Eine andere Welt ist möglich:

– Koloniale Straßennamen in Hannover, deutsche Kolonien u.a.,

Wipe-out

– Exotismus und Rassismus im deutschen Schlager.

Weitere beteiligte Redaktionen: Hypnotizer, Polenflug, Weltklang

Interessierte können sich gerne beteiligen und mit eigenen Themen einbringen.

 

In Kooperation mit:

Arbeitskreis Regionalgeschichte


Über weitere Kooperationspartner*innen würden wir uns freuen.

 

Diese Seite wird laufend aktualisiert.

 

 

 

 

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