Von Grundrechten und vom Küssen – Corona und die Folgen – Besichtigung eines Desasters

erstellt von: am: 05.11.2020

Schlachthof Chicago 1871, noch ohne Coronavirus

Seit Februar 2020 wird das öffentliche und das private Leben durch das Coronavirus bestimmt. Grundrechte wurden eingeschränkt oder abgeschafft, die im Grundgesetz vorgegebene staatliche Struktur teilweise verändert. Auf dem Verordnungswege erfolgen schwerwiegende staatliche Eingriffe in das Privatleben. Angst breitet sich aus. Doch das Virus wird bleiben und ob es jemals einen effektiven Impfschutz geben wird, ist nicht abzusehen. Außerdem ist da noch die Weltwirtschaftskrise, deren Entstehen mit dem Virus nichts zu tun hat, die aber durch die Maßnahmen der Regierungen weiter verschärft wird. Über die Ursachen der Pandemie und deren Folgen wird selten geredet, dabei wäre gerade das notwendig, um wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Ein Essay von Hubert Brieden

Hannover, mitten im Teillockdown, November 2020

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Inhalt:

Intro: Infektionsschutzgesetz

Teil A: Geschichte bis 2020

1. Das Virus

2. Warnungen

3. Im Hintergrund: Überproduktionskrise

Teil B: Reaktionen 2020

1. Verharmlosungen und aufkommende Hektik

2. Kriegsrhetorik, Hamsterkäufe und „gewünschte Schockwirkung“

3. Eingriffe in die persönliche Lebensweise

4. Teillockdown und Fortführung der Produktion – Beispiel Fleischindustrie

Teil C: Ende und Ausblick

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Der Text wurde geschrieben für einen Vortrag, der am 5.11.2020 vor einer Gruppe von DGB-Senior*innen gehalten werden sollte. Nach dem zweiten Teillockdown musste der Vortrag wie viele andere Bildungs- und Kulturveranstaltungen abgesagt werden.

Für den Radio-Flora-Podcast wurde der Text ein wenig erweitert.

Der Essay kann in einem Stück gehört werden …

… oder in drei Teilen:

Intro: Infektionsschutzgesetz

Teil A: Geschichte bis 2020:

Teil B: Reaktionen 2020 und Teil C: Ende und Ausblick:

Auf Wunsch von Hörerinnen und Hörern hier das Manuskript der Sendung (Schlachthof anklicken):

Schlussbemerkung: Kaum war der Podcast eingestellt, kam die Nachricht, dass in der Massenhaltung von Nerzen in Dänemark, eine resistentere Mutation von Covid-19 entstanden sei, die bereits Menschen infiziert habe. Damit würde die Entwicklung von Impfstoffen extrem erschwert. Und nun grassiert in Norddeutschland auch wieder die Vogelgrippe und die Angst, dass im Umfeld vor allem der Massenhaltung von Geflügel weitere Zoonosen entstehen.

Anmerkung am 21.12.2020: Wie man erst jetzt erfuhr, grassiert in Südengland bereits seit September 2020 eine Mutation des Covid-19-Virus, die möglicherweise gefährlicher ist, als die bislang bekannte Variante. Auch in anderen Ländern sind inzwischen Mutationen gefunden worden. Welche Konsequenzen dies für die Impfprogramme hat, ist unbekannt. Während Bundesregierung, Landesregierungen und Robert-Koch-Institut mit der Begründung, eine Überlastung des Gesundheitssystems müsse verhindert werden, Kultur, Einzelhandel, Gastronomie u.a. in den Lockdown schicken und die Bevölkerung ununterbrochen auffordern, private Kontakte einzuschränken, wurde bekannt, dass 2020 weitere 13 Krankenhäuser geschlossen wurden. Außerdem gab es zwei Teilschließungen. Im Januar 2021 wird ein weiteres Krankenhaus stillgelegt. Die Bertelsmann-Stiftung hatte 2019  60 Prozent und die „Leopoldina“ (bekannt für ihre Ratschläge zum Lockdown) 2016 sogar 75 Prozent der noch existierenden Krankenhäuser für entbehrlich gehalten. Im kommenden Jahr sollen die Krankenhausschließungen trotz Corona weitergehen (Quelle: lunapark Nr. 21, Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie, S. 37). Der US-amerikanische Virologe und Epidemiologe Rob Wallace hält die staatlichen Reaktionen auf die Pandemie für „zutiefst irrational und ineffizient“. Denn, so Wallace weiter: „Selbst für kapitalistische Gesellschaften wäre es ja im wohlverstandenen Eigeninteresse, Geld für globale Notfallpläne und eine medizinische Grundversorgung für alle auszugeben, weil sich dadurch hohe Folgekosten vermeiden ließen (…)“. (Interview in ḱonkret 12/2020 S. 28 f.)

Zum Weiterlesen:

Grünklee, Gerald/Heni, Clemens/Nowak, Peter: Corona und die Demokratie, eine linke Kritik, Berlin 2020

Davis, Mike: Vogelgrippe – Zur gesellschaftlichen Produktion von Epidemien, Hamburg 2006. Aus aktuellem Anlass hat der Verlag den Text zum kostenlosen Herunterladen als pdf-Datei ins Netz gestellt: https://www.assoziation-a.de/dokumente/Davis_Vogelgrippe.pdf

Institut für Bürgerrechte & öffentliche Sicherheit e.V. (Hg.): Corona-Epidemie: Das CILIP-Tagebuch. In: Bürgerrechte & Polzei, CILIP 122, Berlin Mai 2020

Wallace, Rob: Was COVID-19 mit der ökologischen Krise, dem Raubbau an der Natur und dem Agrobusiness zu tun hat, Köln 2020

Zum Weiterhören:

Interview mit Peter Nowak, Mitautor des Buches „Corona und die Demokratie, eine linke Kritik“


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