Pandemie, Verschwörungswahn und Antisemitismus – ein Radioprojekt

erstellt von: am: 04.03.2022

Pandemie, Verschwörungswahn und Antisemitismus – ein Radioprojekt

In den letzten Jahren ist eine Zunahme antisemitischer Meinungsäußerungen und Straftaten zu beobachten – eine erschreckende Entwicklung, wenn man bedenkt, dass der Judenhass in Deutschland zum Holocaust führte. Zwar war der Antisemitismus in Deutschland nach 1945 trotz der Vernichtungslager und des Massenmordes an der unerwünschten Minderheit nie verschwunden, aber besonders seit Ausbruch der Corona-Pandemie werden Verschwörungsmythen verstärkt öffentlich verbreitet. Im Kern ähneln sie den altbekannten antijüdischen Stereotypen und Stigmatisierungen. Verharmlosungen des Holocaust und der NS-Massenverbrechen sind inzwischen keine Seltenheit mehr.

Wie ist es zu erklären, dass heute in hochindustrialisierten Ländern irrationale Schuldzuweisungen und Sündenbockpolitik wieder wirksam werden können? Um diese Frage zu beantworten ist es notwendig, historische, ökonomische, sozialpolitische und -psychlogische Entwicklungen in den Blick zu nehmen.


Radio Flora begibt sich auf Spurensuche.

„Die Juden“ werden verantwortlich gemacht für die Wirtschaftskrise. Erhängte Juden und Raben als antisemitische Symbole. Aufruf zum Judenmord auf einem Notgeldschein aus Hannover 1921

Beiträge/Podcasts:

Der schwarze Tod, Sündenbockpolitik und der erste Massenmorde an Jüdinnen und Juden

Pestepidemie in Europa im 14. Jahrhundert und die Folgen

Zwischen 1347 und 1353, also innerhalb von nur sechs Jahren, starben schätzungsweise 25 Millionen Menschen in Europa in Folge der Pest. Das entsprach etwa einem Drittel der damaligen Bevölkerung. Es handelt sich um die verheerendste Epidemie in der Geschichte der Menschheit.

Zur Zeit der großen Pest führten außer Kontrolle geratene Ängste, religiöse Wahnvorstellungen und die Suche nach Sündenböcken, denen man die Schuld für das Elend zuweisen konnte, schließlich in Mitteleuropa zum größten Massenmord an der jüdischen Minderheit vor dem Holocaust. Im Beitrag werden Ursachen, Verlauf und Konsequenzen der Großen Pest beschrieben und auch Fragen gestellt, die die Gegenwart betreffen.

Autor: Hubert Brieden

Heuschrecken über Deutschland oder: das Märchen vom „raffenden und schaffenden Kapital“, von „Faulheit und Arbeit“

Im November 2004 hielt der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering einen Vortrag mit dem Titel „Freiheit und Verantwortung“. Darin erklärte er, was er unter Kapitalismus verstand:

Wir müssen denjenigen Unternehmern, die die Zukunftsfähigkeit ihrer Unternehmen und die Interessen ihrer Arbeitnehmer im Blick haben, helfen gegen die verantwortungslosen Heuschreckenschwärme, die im Vierteljahrestakt Erfolg messen, Substanz absaugen und Unternehmen kaputtgehen lassen, wenn sie sie abgefressen haben. Kapitalismus ist keine Sache aus dem Museum, sondern brandaktuell.“

Es gebe also gute, verantwortungsvolle Unternehmen, denen der SPD-Vorsitzende helfen wolle, und schlechte, verantwortungslose, die gleichzeitig „Substanz absaugen“ und alles abfressen und die er mit Heuschrecken vergleicht, obwohl die gar nicht saugen können. Aber das „absaugen“ wollte er wohl unbedingt unterbringen. Die Assoziation zum Blutsaugen lag nahe. Nur die saugenden und fressenden Heuschreckenunternehmen identifizierte Müntefering mit dem „Kapitalismus“. Der Sozialdemokrat reproduzierte das zentrale traditionelle antisemitische Klischee vom „raffenden und schaffenden Kapital“. In den Begriffen „raffen“ und „schaffen“ schwingen die Bedeutungen weiterer Begriffspaare mit: „Schmarotzer“ und „Wirt“, „Faulheit“ und „Arbeit“. Die negativen Eigenschaften repräsentiert „der Jude“, die positiven „der Deutsche“.

Die Ursprünge für diese Wahnvorstellungen finden sich in Schriften von Martin Luther.

Autor: Hubert Brieden

Sprecherinnen: Steffi Theil und der Autor

Hannover 2005/2022

Die Wannsee-Konferenz oder die Stunde der Bürokraten

Die Wannseekonferenz jährte sich unlängst zum 80. Mal. 15 Spitzenfunktionäre des Nazi-Regimes haben dort zwar den Holocaust nicht beschlossen, aber dafür mit befremdlicher bürokratischer und technokratischer Kälte generalstabsmäßig geplant.

Autor: Chris Carlson, Hannover 2022

Luther und der deutsche Judenhass

Feature

Den spezifisch deutschen Judenhass, der auf die Vernichtung der unerwünschten Minderheit abzielte und im Holocaust mündete, kann man nur verstehen, wenn man die hasserfüllten antijüdischen Schriften Martin Luthers und deren verhängnisvolle Langzeitwirkung zur Kenntnis nimmt. Generationen von Kindern und Jugendlichen wurden im Geiste des Reformators erzogen. Hass auf Juden, die für alles Unglück verantwortlich gemacht wurden, war fester Bestandteil dieser religiösen Erziehung. Kein Wunder also, dass Adolf Hitler Luther als deutschen Heroen schätzte, dem es nachzueifern gelte.

Manuskript: Hubert Brieden

Sprecher*innen: Mechthild Dortmund (gestorben 2017) und der Autor

Hannover 2009/2022

Erasmus von Rotterdam und Martin Luther – ein Vergleich

Erasmus und Luther waren Zeitgenossen: Zwei christliche Theologen, deren Philosophien auch erhebliche politische Implikationen hatten. Es wird ebenfalls der Frage nachgegangen, wie beide zum Judentum standen.

Autor Chris Carlson, Hannover 2022

Weitere Themen sind in Vorbereitung:

1. Der Umgang mit der Geschichte des Holocaust in Deutschland nach 1945,

2. Die Ursachen der Corona-Pandemie und das Wiederaufleben von Verschwörungsmythen,

3. Verharmlosung des Holocaust und der NS-Massenverbrechen im Vorfeld des Krieges,

4. Antisemitismus und Rassismus: Gemeinsamkeiten und Unterschiede,

5. Antisemitismus im Islam – das Beispiel Iran.

In Kooperation mit:

Arbeitskreis Regionalgeschichte e. V.

Hannover, Stadtbezirk Linden-Limmer


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